USA 2018. Regie: Jim Hosking. Darsteller: Aubrey Plaza, Jemaine Clement, Emile Hirsch, Maria Bamford, Matt Berry, Craig Robinson

Story: Lulu ist von ihrem schmierigen Fastfood-Manager-Gatten Shane gelangweilt und nutzt einen Überfall, um sich mit dem schrägen Colin abzusetzen – gemeinsam steigt man in dem Hotel ab, in dem am Abend der legendäre (für was?) Beverly Luff Linn auftreten soll. Der ist ausgerechnet Lulus Jugendliebe und schnell entspannt sich ein wirres Gezerre um die Zuneigung der hübschen Frau und des grunzenden Entertainers.

Kritik: Jim Hosking. Das kann ich eigentlich gar nicht schreiben. Ich kann nur die Fäuste gen Himmel recken und brüllen „HOOOOSKING!!!“. Weil das so einer ist wie Quentin Dupieux – ein Kultregisseur, der Kultfilme dreht, die komplett an mir vorbeigehen. Ich begegne immer wieder Leuten, die von „Greasy Strangler“ total geflasht waren – und die tun mir dann leid. Ich kann da nix dran finden. Manieriertes Kunstkino, das sich gewollt in Trash, Ekel und Camp suhlt, als hätte John Waters das nicht schon vor 40 Jahren ausreichend abgehakt. „Eigener Stil“ ist nicht „eigene Stimme“ und „gewollt scheiße“ ist eben immer noch „scheiße“.

That said, ist „An Evening with Beverly Luff Linn“ eine deutliche Steigerung zu „Greasy Strangler“ – mit Ecken und Kanten. Ihm fehlen ein wenig die Extreme des Erstlings, Hosking scheint sich (vielleicht auch in Rücksichtnahme auf den deutlich wertigeren Cast) etwas zurück zu nehmen. Statt dem Ekligen reicht das Absurde.

Genau genommen ist der Film eine Boulevardkomödie, wie man sie auf vielen Theaterbühnen sehen kann. Das Hotel ist die primäre Location, hier entspannt sich eine Vielzahl von romantischen und kleinkriminellen Verwicklungen mit wechselndem Personal. Tür auf, Tür zu, Abgang links, Vorhang. „Is‘ was, Doc?“ mit einer Portokasse statt einer Reisetasche und mit Aubry Plaza als Barbra Streisand.

Das Loch in der Mitte von „An Evening“ ist Beverly Luff Linn selbst. Die Figur ist nicht ein Viertel so lustig, wie die Macher wohl dachten – Craig Robinson für mich der überschätzteste Comedian der Gegenwart. Die Faszination, die seine Figur ausüben soll, ist so peinlich behauptet, dass sich alles um ihn dreht, weil er selbst still steht. Vielleicht sollte das Teil des Witzes sein – aber er ist nicht witzig.

Wo da das Genre bleibt? Außen vor. Hier scheint der Ruf des Vorgängers die primäre Motivation zur Aufnahme ins Programm gewesen zu sein.

Und dann müssen wir auch noch über Aubrey Plaza reden. Es gibt in der Comedy/Geek-Szene wohl kaum eine angesagtere Darstellerin derzeit. Ihre „emo hot“-Nummer drückt bei Jungs genau die richtigen Knöpfe. Aber ich habe sie mittlerweile in so vielen Filmen gesehen, dass ich eine Auszeit brauche. Die macht Overkill. Eine Aubrey Plaza-Sättigung ist eingetreten. Dachte ich. Und dann ist sie in „An Evening“ plötzlich so hinreißend, sexy und unwiderstehlich, dass wir nicht nur ihrer Figur, sondern auch ihr selbst alle Fehltritte verzeihen. Eine Frau zum Anhimmeln.

Das klingt vielleicht alles eher negativ, aber nimmt man „An Evening“ als das, was es ist, kann man sich durchaus gut unterhalten. Es ist viel Bewegung im Film, Jemaine Clement ist gewohnt großartig und Emile Hirsch spielt Jack Black nach Radikaldiät. So geht die Laufzeit rum, auch wenn die mit 108 Minuten etwas zu üppig bemessen ist.

Für Leute, die sich für cool halten, weil sie keine Mainstream-Filme mögen.

Fazit: Ein schräger Ringelpiez von absurden Figuren, der mehr von seinen großartigen Schauspielern lebt als von der tatsächlichen Potenz des Drehbuchs. Mit 7 von 10 Punkten aber immer noch eine deutliche Steigerung zum „Greasy Strangler“.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Weniger scheiße als Greasy Strangler. Viel zu lang. Und viel weniger lustig als er glaubt.“



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ThiesHowie Munson Recent comment authors
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Howie Munson
Howie Munson

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Ich möchte ein „i“ kaufen….

Thies
Thies

Selten hatte ich schon so schnell das Gefühl im falschen Film zu sitzen. Während um mich herum das Publikum sich schon nach wenigen Minuten kaum noch halten konnte vor lachen, wartete ich immer noch darauf das der Witz zündete. Das der Ablauf der Handlung seiner eigenen absurden Logik folgt, war nicht das Problem, denn das war auch bei „Keep an eye out“ der Fall, den ich sehr genossen hatte. Der Regisseur war in diesem Fall offenbar der Meinung, dass schräg aussehende Darsteller, schlecht sitzende Perücken, speckige Anzüge und ein insgesamt gammeliger Look schon reichen um für Lacher zu sorgen. Die Lacher im Saal gestern sind Zeugnis dafür, dass er damit nicht völlig falsch lag. Bei mir erzeugte es nur ein gelegentliches Glucksen und hätte der Film in Aubrey Plaza kein so reizendes Zentrum gehabt, wäre ich wahrscheinlich schon nach 20 Minuten gegangen.

Fazit: Not my cup of tea, but your mileage may vary