USA 2017. Regie: Sam Patton. Darsteller: Toby Nichols, Jaimi Paige, Alyshia Ochse, Claude Duhamel

Offizielle Synopsis: Jen möchte die Asche ihres toten Vaters im Wald verstreuen. Gemeinsam mit ihrem Sohn Sam und ihrer besten Freundin Abby macht sie sich auf den Weg ins tiefe Dickicht. Doch während sie weiter und weiter in die grüne Einöde vordringen, nimmt ein einsamer Wanderer ihre Fährte auf und beobachtet die drei aus sicherer Entfernung. Der smarte Sam entdeckt ihn zuerst. Doch als er den Frauen endlich von seiner unheimlichen Beobachtung erzählen kann, ist es zu spät.

Kritik: Die Inhaltsangabe ist falsch. Ich habe sie allerdings nicht post facto korrigiert, weil das schön belegt, wie vorsichtig man bei den Beschreibungen aus dem Programmheft sein muss. Nein, Jen möchte nicht die Asche ihres toten Vaters im Wald verstreuen. Es ist Abby, die die Asche ihres toten Mannes von einer Klippe ins Tal rieseln lassen will. Und Sam ist Abbys Sohn, nicht der Sohn von Jen. Ich halte es für ausgeschlossen, dass der Autor dieser Zeilen den Film vorab gesehen haben kann. Deshalb also GRUNDSÄTZLICH: buyer beware!

Abgesehen davon ist „Desolation“ generische Hausmannskost, schlabberiger Haferbrei am Kino-Büffet, dessen Geschmack man nur schulterzuckend mit „Vanille… vielleicht“ umschreiben kann. Ich habe selten einen Film gesehen, der sämtliche Standards des „kleine Gruppe im Wald wird von Killer verfolgt“-Subgenres so lustlos und nach Checkliste abhakt. Selbst die wenigen Spannungsmomente sind aus dem Rumpelkeller der Dramaturgie: die Person, die auftaucht, aber nach einem Herzschlag wieder verschwindet; die Person, die rückwärts geht und von der Hand eines Freundes auf der Schulter erschreckt wird; der Wagen, der nicht startet.

Nun kann man durchaus mit Standards arbeiten, meinetwegen auch mit Klischees. Die existieren ja, weil sie funktionieren, wie ich immer sage. Aber hier sind sie das Ergebnis eines sehr offensichtlichen Desinteresses der Macher. Spannungsaufbau und echter Grusel ist schlicht nicht das, was auf ihrer Agenda weit oben steht. „Desolation“ handelt nämlich eigentlich und fast ausschließlich von der Beziehung Abbys zu ihrem Sohn Sam, die nach dem Tod des Vaters neu justiert werden muss.

Ganz genau, es ist ein „Problemfilm“. Michael ist verstorben, Abby kann die Lücke des Vaters nicht ersetzen und es ist der pubertierende Sam selbst, der Verantwortung übernehmen will und kann. Schwer symbolisch deshalb, dass das Taschenmesser, mit dem Sam sich verteidigt, den Namen des Vaters eingeprägt hat.

Gut, dass wir darüber gesprochen haben – genau so wie die Beteiligten, die 80 Prozent der Laufzeit mit tranigen Beziehungsgesprächen verbringen, während sie durch den Wald schlurfen und in der zweiten Hälfte dann vor dem gesichtslosen Mörder fliehen.

Ach so, ja – der Mörder. Nichts repräsentiert die Unlust der Filmemacher, einen tatsächlichen Genrefilm zu drehen, so sehr wie diese Nullnummer. Einfach ein Typ. In schwarz gekleidet, mit Sonnenbrille und Vollbart. Einfach ein Typ. Keine Geschichte, keine Methode, keine Verbindung zu irgendwem oder irgendwas. Einfach ein Typ. Nicht mal besonders aggressiv oder furchteinflößend. Einfach ein Typ. Schnarch.

Das Finale ist dementsprechend mit „gemächlich“ noch freundlich beschrieben.

Wenn man keinen Genrefilm machen will, sollte man auch keinen machen.

Fazit: Zu fußlahmer und auf Klischee setzender Thriller im TV-Format, der sich mehr an der Mutter/Sohn-Beziehung als an tatsächlicher Spannung abrackert. Ein Film, für den es eigentlich kein Publikum geben dürfte. Ich gebe 3 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philips zweite Meinung:

„Schon gefühlt 3 mal gesehen. Solide Version eines bekannten Themas.“



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Michael

Klingt so, als habe der Schreiber der Inhaltsangabe den Film doch gesehen und ist nur, leider, dabei eingeschlafen.