USA/GB 2017. Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund. Darsteller: Udo Kier, Thomas Lennon, Jenny Pellicer, Nelson Franklin, Charlyne Yi, Michael Pare, Barbara Crampton, Matthias Hues

Offizielle Synopsis: Reichlich fließt das Blut durch die Flure des Bodega Bay Hotels, jenem Gästehaus, in dem 30 Jahre zuvor schon der verrückte Puppenmacher und Altnazi André Toulon die ersten Puppen tanzen ließ. Toulon zu Ehren findet hier nun eine Convention statt, inklusive Tauschbörse seiner Kreaturen. Doch Blade, Kaiser, Pinhead, Mechaniker, Junior Führer und mehrere Dutzend weitere Wichte erwachen zum Leben und machen Jagd auf Schwarze, Lesben, Zigeuner und, klar, Juden.

Kritik: Okay, das hier braucht ein wenig Background – und für den bin ich in diesem Fall ja besonders prädestiniert.

„Puppet Master“ ist sicher die erfolgreichste und memorabelste Reihe aus der Filmfabrik von Charles Band. 11 Filme hat Band seit 1989 selbst gestemmt, darunter die „Retro“-Variante und in den letzten Jahren die extrem niedrig budgetierte „Axis“-Trilogie. 2004, mit deutschem Geld produziert, musste Band akzeptieren, dass „Puppet Master vs. Demonic Toys“ ohne seinen direkten Input auskam.

Ich gestehe, dass ich die „Puppet Master“-Filme nie so dolle fand. Wie vieles von Band war die Idee (bzw. das Artwork) immer besser als die Ausführung. Und selbst das bisschen Entertainment, das man aus früheren Teilen ziehen konnte, war in den späteren Produktionen nicht zu finden. Bis heute leiden die „Puppet Master“-Filme daran, dass Stop Motion-Experte David Allen einen frühen Tod starb und man seither mit billigen und begrenzten Marionetten-Effekten arbeitet. Die „Axis“-Trilogie diente meines Erachtens nur dafür, die Franchise zum Verkauf von Merchandise am Leben zu erhalten. Whatever works, I guess…

Darum finde ich es generell sinnvoll, die Serie von Band wegzunehmen und mit frischem Blut und frischem Geld neuzustarten. Zumal mit S. Craig Zahler ein Mann das Drehbuch verfasst hat, der in den letzten Jahren mit „Bone Tomahawk“ und „Brawl in Cell Block 99“ zu begeistern wusste. Die mittlerweile siechende Horror-Kultzeitschrift Fangoria ist zudem als Presenter mit an Bord.

Die Bewertung des Ergebnisse ist eine Frage der Perspektive. Im Vergleich zu den „Puppet Master“-Filmen der letzten 20 Jahre ist „The littlest Reich“ eine klare Steigerung. Als eigenständiger Horrorfilm betrachtet ist er eine Enttäuschung.

Fangen wir mit den positiven Aspekten an: Der Film hat einen soliden B-Cast zu bieten (Paré, Hues, Kier), mit Barbara Crampton eine echte Full Moon-Legende an Bord und mit Thomas Lennon einen durchaus angesagten Star aus der zweiten Reihe.

Eine erfreuliche Rotzigkeit durchzieht die gesamte Produktion – man hat keine Probleme damit, Kinder und Schwangere zu killen, splattert fröhlich vor sich hin und zeigt pubertär stolz die Silikonbrüste von Playmate Kennedy Summers.

Die Puppeneffekte sind, wenn auch relativ simpel, ziemlich effektiv. Auch diesmal hat man auf Stop Motion verzichtet und auf CGI weitgehend auch. Aber die Handpuppen und Marionetten werden so sparsam eingesetzt, dass ihre vergleichsweise Unbeweglichkeit nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Die neuen Puppen vermögen auch zu gefallen – ich finde es nur schade, dass man der Kultfigur Blade nicht wieder das etablierte Gesicht von Klaus Kinski gegeben hat.

Aber damit hat es sich dann eigentlich auch schon, was die Pro-Liste angeht. Die Con-Liste ist länger – und ärgerlicher.

Generell hadere ich mit der Entscheidung, „Puppet Master“ augenzwinkernd-geeky zu erzählen, in dem man Edgar zu einem frustrierten Comic-Zeichner macht und ihm einen „total witzigen“ jüdischen Kumpel zur Seite stellt. Stellenweise wirkt „The littllest Reich“ wie eine Alternativversion von Kevin Smiths „Yoga Hosers“. Da kämpfen ja auch zwei Freunde gegen Miniatur-Nazis und alles ist irgendwie total ironisch gemeint.

Thomas Lennon, den ich seit „The State“ verehre, entpuppt sich als Missgriff. Mit knapp 50 Jahren deutlich zu alt für die Rolle, fehlt ihm zum Slacker-Charakter auch das richtige Timing. Er legt Edgar zu trübsinnig und manchmal regelrecht feindselig an. Kein Held, mit dem wir fiebern möchten.

Und schließlich die Story: dünn. Die Puppen werden aus schwer nachvollziehbaren Gründen wieder lebendig und schlachten im Hotel die Menschen ab. Wieder und wieder. Das entspricht zwar ungefähr den Plotten der letzten „Puppet Master“-Filme – aber sollte der hier nicht deutlich mehr zeigen?

Regelrecht erschütternd ist, wie billig dieser Reboot zusammengeschustert wurde – keine wirkliche Atmosphäre, kaum Locations. Nicht mal für die Convention, die ja Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist, konnte man einen Saal und 100 Statisten auftreiben. So drängelt sich ein Dutzend Figuren in wechselnden Hotelzimmern uns macht wiederholt entgeistert kreisch, wenn eine Puppe sich durch Menschenfleisch bohrt.

Wie gesagt: für sich genommen ist das schön rüde und dank ausgiebigen Splatters eine genehme Abwechslung auf einem streckenweise zu bierernsten Festival. Aber dass das hier der große Reboot der Puppet Master-Reihe sein soll, wird schlicht nicht eingelöst.

Fazit: Angesichts des involvierten Talents seltsam halbgarer und billiger Reboot der legendären, aber ausgelutschten Franchise – gerade mal auf dem Niveau, auf dem Original-Serie zu besten Zeiten selber war. 6 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung: 

„Lustiger Splatter. Das hatte bislang gefehlt und die Lücke wird hier gut geschlossen.“



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Ich glaube, ich habe noch nie einen PUPPET MASTER Film zu Ende gesehen, sondern bin immer dabei eingeschlafen… Komischerweise fand ich die Comics ganz knuffig. Die waren stellenweise auch recht derb was Gore und Schmodder anging