Österreich 2018. Regie: Justin P. Lange. Darsteller: Nadia Alexander, Toby Nichols, Karl Markovics, Margarete Tiesel, Scott Beaudin, Dylan Trowbridge, Chris Farquhar

Offizielle Synopsis: Mina ist eine Untote. Sie lebt im Waldgebiet des Devil‘s Den, in das sich nur selten jemand verirrt. Die Anwohner sprechen von einem Ungeheuer, das im Schatten der Bäume Menschen zerfleischt und halten sich möglichst fern. Deshalb sind es auch vor allem einsame Wanderer und Fremde, die Minas bevorzugte Beute ausmachen. Als sie eines Tages jedoch im Kofferraum des Wagens eines ihrer Opfer ein Geräusch hört und einen verängstigten Jungen entdeckt, zögert sie zum ersten Mal vor dem Töten: Das Gesicht des gleichaltrigen Alex ist entstellt wie ihres, sein Schmerz vielleicht genauso groß. Einem neuartigen Beschützerinstinkt folgend flieht die Bestie mit Alex an der Hand tiefer in die Wälder.

Kritik: Es geht mir langsam echt auf den Sack, wenn ich immer wieder die offiziellen Inhaltsangaben korrigieren muss. „The Dark“ mag etwas vage bei den Details sein, aber Mina ist KEINE Untote. Sie ist entstellt, ja, eine Kannibalin, ja, aber eine Untote? Dann habe ich den kompletten Film missverstanden.

Es tut dem Film auch keinen Gefallen, ihn als die Geschichte einer untoten Bestie anzupreisen, denn im Gegensatz zu vielen anderen Horrorfilmen soll die Figur der Mina etwas zutiefst Menschliches darstellen: sie ist – wie Alex – ein missbrauchtes Wesen, eine geschundene Gestalt, die einen für sie erträglichen Weg gefunden hat, mit ihrem Trauma umzugehen. Alex hat ein vergleichbares Schicksal hinter sich, ist aber noch gefangen in den grausamen Regeln, die ihm seine Peiniger eingeprägt haben. Alex braucht jemanden, der seine Programmierung durchbricht – Mina kann bei diesem Prozess ihre eigene Menschlichkeit wiederfinden.

Klingt schon ganz anders, oder?

On with the show…

Man könnte leicht den Eindruck haben, aber… „The Dark“ ist mitnichten ein österreichisch-kanadischer Film. Es ist ein österreichischer kanadischer Film. Die Macher und ein Teil des Casts kommen aus der Alpenrepublik, der Film spielt aber in Kanada (vermutlich), wo auch auf englisch gedreht wurde. Warum und wieso? Keine Ahnung. Im Ergebnis macht es keinen Unterscheid und verrät sich nur an dem Detail, dass man Karl Markovics wegen seines Akzents tatsächlich als Österreicher verkauft.

Optisch wie inszenatorisch ist „The Dark“ nicht von einem Dutzend anderer, farbarmer Thriller zu unterscheiden, die aus Preisgründen irgendwo im Wald gedreht werden (manchmal glaube ich, die Filmteams müssten sich ständig auf die Füße treten). Die Darsteller leisten solide Arbeit ohne echte Starpower, Kamera, Musik und Effekte sind handwerklich sauber ohne nennenswerte Highlights.

Aber es lässt sich schwer bestreiten, dass Justin P. Lange weiß, wie man Schocks setzt und Suspense baut. „The Dark“ hat ein paar echte Schreckmomente zu bieten, die dann eben doch nicht nur Dienst nach Vorschrift sind. Und die Beziehung von Mina und Alex ist so vielschichtig wie problematisch – hier sollen wir auf der Seite von zwei kaputten Teenagern stehen, deren Handeln für sich genommen richtig, von außen betrachtet aber unentschuldbar ist. Da muss man mitunter gut dran kauen.

Gestört hat mich eigentlich nur, dass der Plot immer wieder mit Zufällen und bequemen Wendungen am Leben gehalten wird und ich am Ende nicht ganz verstanden habe, wie verschiedene Handlungen der Hauptfiguren einzuordnen sind.

Als Erkenntnis nehmen wir mit: Auch Österreicher können kanadische Filme drehen.

Fazit: Ein in den Schockszenen und bei den Schauspielern sehr solider Survival-Thriller (of sorts), der etwas mehr Logik und Stringenz in Sachen Botschaft vertragen hätte. Karl Markovics ist klasse. 6 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Blind trifft entstellt. Eine interessante Konstellation, bei der beide aneinander wachsen, aber doch nicht zusammenkommen können.“



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MarcusMenckenUdo Recent comment authors
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Udo

Schön langsam beschleicht mich der Verdacht, dass Österreich Genrefilme wesentlich besser kann als Deutschland…

Marcus
Marcus

Okay, ihr habt Das finstere Tal, Therapie für einen Vampir, Ich seh ich seh….

Wir haben Schneeflöckchen… und… naja….

Fuck.

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Als Untote/Zombie wird Nina allerdings auch in allen anderen Reviews bezeichnet, das ist nicht nur in der Inhaltsangabe so.
Selbst nicht gesehen, daher keine Ahnung, wer hier richtig liegt.