USA 2018. Regie: Boaz Yakin. Darsteller: Will Patton, Luke Prael, Sterling Jerins, Samantha Mathis, Robert John Burke, Lucy Walters, Nadia Alexander

Offizielle Synopsis: Seit Jacobs Großmutter verstorben ist, wird das Verhalten des übersensiblen, von Ängsten geplagten Teenagers noch verwunderlicher als es ohnehin schon war. Den Eltern platzt der Kragen! Überfordert schieben sie ihr Kind in eine abgelegene Einrichtung ab, die auf die Erziehung schwieriger Jugendlicher spezialisiert ist. Hier regiert der finstere Dr. Sherman mit eiserner Hand. Für Jacob beginnen sich an diesem unglückseligen Ort schnell Fragen zu häufen: Warum benehmen sich seine Mitschüler so seltsam, warum traut sich niemand sich gegen die drakonischen Strafen aufzulehnen? In Christine findet er eine Vertraute und als ein Kind entsetzlich zu Tode kommt, schmieden sie gemeinsam einen Plan.

Kritik: Ich hadere mit dem Film. Aus vielen Gründen. Wie so ein Werk aus der Feder und dem Regiestuhl des Autors von „Punisher“ (Lundgren), „Dirty Dancing: Havana Nights“ und „Prince of Persia“ kommen kann, erschließt sich mir nicht. Es ist ein Film, der billige Gruselklischees des Internats-Horrors bedient, um eine scheinbar relevante Botschaft zu transportieren, die er dann aber immer wieder konterkariert, teilweise sogar karikiert. Er nimmt ein ernstes Anliegen und setzt auf komplexe Charaktere, nur um diese teilweise in einer knallbunten Achterbahn zu verraten.

Held Jacob ist ein schwieriger, verstockter Junge. Sehr deutlich wird impliziert, dass er auf dem Weg in die ausgelebte Homosexualität ist, vielleicht auch Transsexualität. Der Film scheint das positiv, ja mitfühlend verkaufen zu wollen, deutet aber gleichzeitig an, Jacob könnte auch ein gestörter Psychopath sein.

Christine ist nicht weniger wirr – sollen wir sie nun als Antagonistin begreifen oder als psychisch gestörten Love Interest für den relativ desinteressierten Jacob? Was sollen die sehr holperigen Flashbacks in die Nazizeit? Wie könnte eine Schule plausibel erklären, dass alle Kinder ums Leben kommen – immer und immer wieder?! Was genau ist die Funktion der Figur des entstellten Zach?

Hier wird nichts erklärt, Dinge passieren einfach, Figuren wechseln Motivation und Verhalten, alles schaukelt sich hysterisch auf und wirkt spätestens nach der halben Laufzeit eher wie eine schwarzhumorige Farce als wie ein Psychodrama. Philipps Einschätzung, es ginge um die Frage, wie viel Gewalt man Unterdrückten zustehen kann/ soll/ muss, teile ich nicht – weil das nicht thematisiert wird. Mord geschieht hier recht willkürlich und ohne jede Hinterfragung, vor allem aber auch ohne Konsequenzen.

So ist „Boarding School“ am Ende zwar sehr schick und gut gespielt, präsentiert auch ein gerüttelt Maß an überraschenden Elementen und effektiven Szenen, der Film bleibt aber im Ergebnis seltsam unentschlossen und fahrig.

Nettes, aber unwichtiges Detail – produziert wurde „Boarding School“ von Stings Ehefrau.

Fazit: Ein zweifellos unterhaltsamer, im Tonfall und in der Botschaft aber immer wieder umschlagender Thriller, der etwas ratlos zurück lässt. 6 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Ein ähnliches Setting wie St. Agatha, aber ein gutes Stück besser gemacht. Wie weit ist Gewalt seitens der Unterdrückten zu rechtfertigen?“



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