Wow, ist das Fantasy Filmfest 2017 auch schon wieder ein Jahr her?! Blöde Frage. Natürlich ist es ein Jahr her. Und ich bin ja auch schon lange genug dabei. Man muss sich nur mal klar machen, dass das hier mein 29. Fantasy Filmfest ist – ich bin ohne Unterbrechung seit 1990 dabei. Damals war ich 21. In ein paar Wochen werde ich 50.

Dieses Mal ist wieder Berlin Hauptstadt der Bewegung. Erstmals seit 2014. Warum? Das hat mehrere Gründe. Zuerst einmal ist Berlin wieder die ERSTE Festivalstadt und es ist ja mein Interesse, euch die Reviews zeitig genug zu liefern, damit ihr für „eure“ Städte planen könnt. Wobei meine Urteile immer nur eine grobe Richtung angeben sollen.

Für Berlin spricht dieses Jahr außerdem, dass mittlerweile das Motel One am Potsdamer Platz aufgemacht hat. Ich muss also morgens und abends nicht mehr aufs Fahrrad steigen, sondern kann einfach über die Straße gehen. Das verschlankt die Abläufe und gibt mir mehr Zeit, Filme zu schauen und Kritiken zu schreiben. Ich will zudem nicht verhehlen, dass ich hoffe und mich freue, ein paar Alt-Nasen wiederzusehen.

Im Vorfeld wurde viel diskutiert. Das FFF steht ja eigentlich immer im Fokus der Kritik. Meistens kann man die Meckereien auf drei Argumente einkochen:

  1. zu teuer
  2. zu viele Filme, die bald auch bei Amazon/Saturn zu kriegen sind
  3. nicht mehr so abwechslungsreich wie früher.

Zu 1) kann ich nur sagen, dass das begrenzt stimmt. Kino ist ein teurer Spaß, ob Festival oder nicht. Das muss man wollen. Aber 11 Euro für ein Einzelticket ist jetzt auch nicht mehr, als die meisten von euch für den letzten „Transformers“ hingelegt haben. Kunst kostet Geld. Mit der Dauerkarte ist das eine ganz andere Sache: Ich gehöre zu den Privilegierten, weil ich es mir leisten kann, Urlaub zu nehmen und alle 12 Tage im Kino zu hocken. Dann, und nur dann rechnet sich das mit 4,60 pro Film. Auch hier: muss man wollen. Und können. Und dürfen.

Zu Punkt 2: Das Argument, viele Filme könne man ja vier Wochen später auf Scheibe kaufen oder streamen, ist richtig und falsch zugleich. Richtig, weil es stimmt. Falsch, weil es teilweise immer schon so war und auf breiter Front für die gesamte Branche gilt.

Beichtzeit: Als auf dem FFF die Filme noch parallel liefen und sich auch Dauerkartenbesitzer alle zwei Stunden zwischen zwei Filmen entscheiden mussten, habe ich meine Lücken teilweise mit Downloads aus dem Netz aufgefüllt, um möglichst viele Reviews veröffentlichen zu können. So zwischen 2005 und 2010 gab es eigentlich immer zwischen 20 und 30 der präsentierten Filme in bester Bild- und Tonqualität online. Mal waren sie in den USA schon erhältlich, mal tauchte ein Festival-Screener auf. Mitunter musste man sich noch aus grauen Quellen die Untertitel-Dateien besorgen. Das Aktualitätsproblem ist also nicht neu.

Aber der Markt ist auch enger, schneller und knapper geworden. Klar war es Mitte der 90er geil, Genrefilme zu sehen, die erst ein Jahr später im Kino oder auf Video zu erwarten waren. Und Downloads aus dem Netz gab es damals ja gar nicht. Aber es ist nicht die Schuld des Fantasy Filmfests, dass sich der Markt so beschleunigt hat. Nach dieser Logik müsste man gar nicht mehr ins Kino gehen, weil ja praktisch jeder Film in den nächsten drei Monaten erhältlich sein wird. Kino ist eine Entscheidung.

Zu Punkt 3: Das verstehe ich überhaupt nicht. Vergleicht man mal objektiv die Filme der 90er mit den Filmen heute, dann ist der Genrefilm deutlich erwachsener geworden, deutlich breiter, deutlich ambitionierter. Es gibt weniger billiges Splatter-Geschrabbel und weniger Thrill auf TV-Niveau. Ist es das vielleicht? Wird die Nostalgie von Alt-Nerds nicht ausreichend bedient oder trauern die Gorebauern dem dumpfen Splatter nach? Selbst wenn man unterstellt, dass die Filme heute in toto nicht besser sind als früher, so sind sie doch eigentlich immer besser gemacht. Und dafür bin ich dankbar. Man kann sich doch nicht darüber beschweren, dass sich das Kino weiterentwickelt!

Persönlich hadere ich eher damit, dass das Festival immer generischer wird, sich von anderen internationalen Festivals kaum noch unterscheidet – man schiebt sich untereinander die Pakete mit den Filmen zu. Das mag für die Veranstalter einfacher sein, aber ich vermisse ein wenig die Leidenschaft der Rosebuddies. Diese generische Artwork, die immer lustloseren Werbespots vor jedem Film, der Mangel an Events innerhalb des Festivals – das ist Dienst nach Vorschrift und keine Geek-Liebe mehr.

Mir soll’s egal sein – für mich heißt es auch 2018 wieder: all systems go!

Ich habe die 50 Reviews vorbereitet, mit Trailern, Fotos und Inhaltsangaben. Das war nicht einfach, denn ich möchte ja so wenig über die Filme wissen, wie irgend möglich. Auch die Trailer in diesem Beitrag habe ich einkopiert, ohne sie anzuschauen. Trotzdem blieb nicht aus, dass ein paar Info-Bits in mein Gehirn eingedrungen sind. Es gibt diverse Filme von Regisseuren, deren frühere Werke ich an gleicher Stelle gesehen habe, Schauspieler, die mir hier wahrlich nicht zum ersten Mal über den Weg laufen.

So vage ich das abschätzen kann – es ist ein sehr breites Programm, mit vielen Filmen aus cineastischen Außenseiter-Nationen wie Neuseeland, Israel, Finnland, Indonesien und Argentinien. Vieles sieht schräg aus, gerne auch nach deftigem Humor. Da hoffe ich auf einige Perlen und befürchte diverse Totalausfälle.

Deutschland ist heuer auch mal wieder vertreten – meine Erwartungen sind niedrig:

Vor allem aber hoffe ich auf eine gesunde Mischung nicht nur der Filme, sondern auch ihrer Slots. In den letzten Jahren gab es immer wieder Tage, an denen man vier depressive Downer-Dramen nacheinander vorgesetzt bekam oder einen schwafeligen Kunstfilm kurz nach Mitternacht. Da wird die Festivalteilnahme zur Tortur. Die richtige Programmierung ist eine Kunst, in die die Veranstalter wieder mehr Zeit und Mühe investieren sollten. Dazu gehört auch, die Pausen zwischen den Filmen so zu takten, dass man ab und an auch mal die Zeit hat, sich schnell einen Apfel im Supermarkt kaufen zu gehen. Der Mensch lebt nicht vom Zelluloid allein!

Sei es, wie es sei – heute geht’s los. Ich werde mein Bestes geben, um jeweils am Vormittag die Rezensionen zum Vortag online zu stellen. Im Idealfall steht 24 Stunden nach dem Ende des Festivals alles online und ich kann für ein Jahr wieder den Deckel drauf machen. Unsicher bin ich aktuell noch, wie ich es 2018 mit den Wertungen halten. Wieder Ampel plus 10 Punkte-Skala? Oder doch mal ein anderes System? Habt ihr dazu eine Meinung?

Man wird sehen – jetzt heißt es erstmal: Vollgas!



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Rudi RatlosThiesWortvogelS-ManMatts Recent comment authors
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S-Man
S-Man

Na dann mal los und viel Spaß. Hoffe, dass ich Samstag wenigstens die beiden letzten Filme schaffe und dann noch ein paar am Sonntag.

Nummer Neun

Viel Spaß und gutes Sitzfleisch! Für München habe ich meine Tickets am Montag gekauft – ich nutze deine Reviews als Abgleich, weise gewählt zu haben und vielleicht überzeugt mich ja noch was.

Christian Siegel

Als jemand, der in den letzten Jahren selbst zunehmend begonnen hat, die beiden großen Filmfestivals in Wien zu besuchen (wobei es gerade auch zwischen FFF und /slash immer wieder so manche Überschneidung gibt) freue ich mich wie jedes Jahr auf deine Berichterstattung (und beneide dich zugleich ein bisschen um deine Konsequenz. Ich breche bei deutlich weniger intensivem Programm – „nur“ rund 35 Filme in 10 Tagen – trotz Urlaub meist in der Mitte regelmäßig ein, was die Reviews betrifft.) Was den Punkt 2 betrifft, muss ich aber sagen, dass ich mir nicht sicher bin, ob ich da zustimmen würde. Klar gibt es immer wieder auch solche Filme, die dann einige Wochen oder Monate später ins Kino oder in den Laden kommen. Aber obwohl ich erst vor einigen Jahren damit begonnen habe, intensiv auf das /slash und die Viennale zu gehen, ist die Liste an Filmen, die ich wenn ich nicht dort gewesen wäre wohl nie gesehen hätte (sprich, die in D oder Ö nie einen offiziellen Release bekommen haben), mittlerweile dreistellig. Ob das unbedingt immer ein großer Verlust gewesen wäre, steht natürlich wieder auf einem anderen Blatt ;-).

Heino
Heino

Dieses Jahr ist für mich schwierig. Ich kann keinen Urlaub nehmen, wegen familiärer Termine fallen die Wochenenden flach und wegen meiner Arbeitszeiten die Filme am frühen Nachmittag und am späten Abend. Der Rest sieht für mich nach Sichtung des Programmheftes und der Trailer nicht sehr interessant aus, deshalb werde ich dieses Jahr zum ersten Mal komplett spontan entscheiden, ob und welche Filme ich mir ansehen werde

PabloD
PabloD

Man sich doch nicht darüber beschweren, dass sich das Kino weiterentwickelt!

Aber, dass ein Wort fehlt! 😉

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

„Aber 11 Euro für ein Einzelticket ist jetzt auch nicht mehr, als die meisten von euch für den letzten „Transformers“ hingelegt haben.“

Hier möchte ich widersprechen – dafür gibt es den Kinodienstag, 5-Sterne Ticket & Co., damit man eben auch zu humanen Preisen ins Kino gehen kann. Ich bezahle maximal 6,50€ für einen aktuellen Film (inklusive Überlängenaufschläge). Aus diesem Grund schätze ich deine Reviews hier sehr, da mir die 11€ (echt jetzt? Schon wieder eine Erhöhung? Wir waren doch erst bei 10€ angekommen…) für irgendwelchen Videotheken-C-Schlonz doch ein wenig arg viel des Guten sind.

Bezüglich der Wertungsfrage: 10er-System mit optionaler Ampel wäre fein 🙂

Teleprompter
Teleprompter

Nun ja, die Bandbreite ist schon enorm. Unter günstigen Umständen komme ich für 4,50 an einen aktuellen 2-D Film (3xKaffeepads eines bestimmten Herstellers im Angebot kaufen), für den letzten (Haupt-) Star Wars im Kölner Cinedom incl. 3D + Atmos + Überlänge in der Abendschiene waren satte 17,50 fällig, und da war glaube ich sogar noch eine Steigerungsstufe möglich, war nämlich kein Wochenende.
Da liegen die 11 Euro für das FFF gut in der Mitte, in Köln gehen aber auch 13 (Loge), und das Niveau der meisten Filme dort als Problem sehe ich ebenfalls. Angesichts ordentlich leerer Reihen würde ich da auch Handlungsbedarf sehen, zB 3er oder 5er Packs oder reduzierte Preise am Nachmittag.

Matts
Matts

Endlich ist es wieder so weit! Dieses Jahr muss ich glücklicherweise nicht 2/3 des Festivals sausen lassen. In Nürnberg sind wir natürlich mal wieder das Schlusslicht. Ich werde trotzdem versuchen, die Reviews nicht im Vorfeld zu lesen und unbeeinflusst in die Filme zu gehen. Leider halte ich das auch nicht immer durch: Vor 2 Jahren hab ich „Playground“ nach dem vernichtenden Wortvogel-Urteil ausfallen lassen. Ich glaube es war besser so…

Thies
Thies

Gestern ging es dann auch in Hamburg los. Auf den letzten Drücker hatte ich im August dann doch noch eine Dauerkarte bestellt, obwohl ich nächste Woche arbeiten muss. Aber durch die Erhöhung auf 11 Euro wäre ich bei 20 Filmen auf den gleichen Preis gekommen, da das Savoy bei Online-Buchung jeweils noch 75 Cents Aufschlag berechnet. Und sollte ich jede rechnerisch mögliche Vorstellung besuchen käme ich sogar auf eine Ausbeute von knapp 40 Filmen. Schlaf wird schliesslichlich überbewertet. 😀

Die Preiserhöhung finde ich schon beachtlich, da vor 4 Jahren das Einzelticket im Parkett noch 9 Euro kostete. Natürlich kostet es das doppelte wenn man Sonntags im UCI den neuesten Blockbuster in IMAX sehen will. Und sicherlich hat auch Rosebud mit steigenden Kosten zu kämpfen, die irgendwo aufgefangen werden müssen. Vielleicht einer der Gründe warum es dieses Jahr in Hamburg keine Gäste gibt. Aber ich konnte gestern vor der Eröffnung in nur wenigen Gesprächen ein Gefühl der Unmut beim Stammpublikum raushören. Und das kann sich dann auf den Ticketverkauf niederschlagen: die letzten Nights im April waren deutlich schlechter besucht als sonst üblich.

Die Veranstalterin hatte zu Beginn davon geschwärmt, dass das Genre weiterhin lebendig ist und sich ständig selbst erneuere. Ich hoffe, das davon auch etwas auf das Festival zu sehen sein wird und ich mich nicht durch allzu viele Filme quälen muss die nur Magerkost bieten oder – wie letztes Jahr – ihr Genre nur vortäuschen.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Die Ernüchterung hat sich bei uns in FFM spätestens mit der Tatsache eingestellt, dass man jetzt Platzkarten kauft (immerhin für 10€ statt für 11€ wie in anderen Städten) und keine freie Platzwahl mehr hat – absoluter Killer für spontane Besuche mit Freunden. Sorry Leute, dann halt nicht – bin mal gespannt, in welche Richtung sich das FFF in den nächsten Jahren entwickelt (so es denn fortbesteht…)