Ich hab’s durchgezogen. Vier Wochen Intervallfasten. Zwei, drei Tage waren hart, da drehten sich den Abend lang alle Gedanken ums Essen. Aber ich bin nicht schwach geworden. Es gilt wie bei so vielen schlechten Gewohnheiten und liebgewonnenen Ritualen: man muss nur wollen.

Über Ernährung habe ich sehr viel in den vier Wochen gelernt. Wie schnell sich die Kalorien ansammeln. Was sich gut kombinieren lässt. Wo die Fallen warten.

Es sind oft Kleinigkeiten, die einen durch den Tag und durch den Hunger bringen. Eine halbe Stunde vor dem regulären Frühstück ein Glas Gemüsesaft trinken und eine Banane oder einen Apfel essen. Kartoffeln kochen, aber nicht braten. 10 Gramm Gourmet-Marmelade Pistazie/Erdbeere hat nur ein Drittel der Kalorien von 10 Gramm Kokoscreme. Putenbrust ist im Vergleich zu Fleischwurst „lean cuisine“. McNuggets gehen, Currywurst nicht.

Und nun bin ich erstmals wieder auf die Waage gestiegen.

Warum ich mich nicht regelmäßig gewogen habe? Weil es nicht hilfreich sein konnte. Hätte ich gemerkt, dass ich super abnehme, hätte mich das vielleicht zur Schlamperei verführt. Hätte ich gemerkt, dass ich viel zu wenig abnehme, hätte mich das demotiviert. Abgerechnet wird zum Schluss.

Um das noch einmal in den Kontext zu setzen: Ich hatte vor einem Jahr 106 Kilo auf dem Leib. Das war ein unerfreulicher „Rekord“. Dann habe ich eine leichte Diät mit etwas Ernährungsumstellung begonnen und die Joggerei. Damit kam ich recht schnell wieder in den zweistelligen Bereich, so auf 98, 99 Kilo. Es zeigte sich jedoch, dass der Sport die Gewichtsabnahme zwar gesünder, aber auch deutlich langsamer gestaltet. Also habe ich das wieder entkoppelt, den Sport aktuell auf Eis gelegt und mich auf diese Systemdiät konzentriert. Vor vier Wochen und bei knapp 97 Kilo ging es los.

Es bringt nichts, wenn man das, was man am Fastentag spart, am Essenstag nachholt – auch wenn das rein physisch nicht so einfach wäre. Darum habe ich an den Essenstagen ja auch die Kalorien gezählt. 2400 Kalorien waren für mich als Normalverbrauch errechnet worden – im hochgerechneten Durchschnitt habe ich bei 94 Prozent davon gelegen. Auf alle Tage umgelegt ist das ein Kalorienverbrauch von 47 Prozent. Wortwörtlich „friss die Hälfte“.

Nun ist die Menge, die man gesund abnehmen kann, natürlich limitiert. Ich habe gelesen, dass ein Kilo Körperfett ungefähr 7000 bis 9000 Kalorien entspricht. Wenn man also pro Woche diese Menge einspart (und das kommt bei 3,5 Fastentagen die Woche ziemlich gut hin), dann müsste sich der Gewichtsverlust nach anfänglichen Schwankungen bei einem Kilo die Woche einpendeln.

Die Waage heute morgen: 92,2 Kilo

Nochmal knapp fünf Kilo verloren. Insgesamt knapp 16 Kilo in einem Jahr. Ich bin sehr zufrieden. Die 36er Bundweite-Jeans, die ich nach dem ersten Abnehmerfolg gekauft habe, sitzen locker. Ich kann die 34er ins Auge fassen.

Trotzdem, und das hatte ich ja angekündigt, werde ich mir das Intervall-Fasten anders gestalten, sobald ich die 90er nach unten geknackt habe. Weil ständige Entsagung kein Lebenszweck sein kann, weil ich an Wochenenden gerne mit der LvA esse, und weil es einfachere, nicht zu kalorienreiche Methoden gibt, den Fastentag erträglicher zu gestalten. Vielleicht brauche ich auch einfach meine Restbestände Mana auf.



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Heino
Heino

Respekt, du bist da echt beinhart. Mir liegt diese Art des Abnehmens nicht, ich möchte auch meinem Umfeld nicht zumuten, mich regelmäßig mit schlechter Laune ertragen zu müssen.

Was das langsamere Abnehmen mit Sport angeht, muss ich dir aber widersprechen. Ich habe nur meinen Süßkram. und Cola-Konsum reduziert und treibe ansonsten 4-5mal/Woche Sport und habe in einem Monat fast 6 Kilo abgenommen. Das geht durchaus ohne größere Probleme.

bullion | moviescape.blog

Gratuliere! Da hast du ja wieder einen Weg gefunden, der für dich funktioniert. Bin gespannt, wo es sich bei dir einpendeln wird. Bei mir hat tatsächlich nur regelmäßiger Sport geholfen (also 2-3 mal die Woche laufen). Vor 10 Jahre hatte ich mit 190 cm die 100 Kilo geknackt und ich habe mich überhaupt nicht wohl gefühlt. Kurz danach habe ich angefangen zu laufen und das ziehe ich bis heute durch. Seitdem schwanke ich zwischen 80 und 86 kg und fühle mich damit ziemlich wohl. Ich fast einmal im Jahr zwei Monate (kein Fleisch, kein Süßkram, kein Alkohol), ansonsten esse und trinke ich alles. Aber eben bewusst: wenig Fleisch, tagsüber nur Wasser. Abends auch gerne mal Süßkram, Chips, Bier, Whisky usw. Allerdings versuche ich das unter der Woche auch wegzulassen, was mal mehr, mal weniger gut klappt. Bei mir baut sich durch die Läufe kaum Muskelmasse auf (ist ja auch Ausdauern und keine Kraft), weshalb ich mein Gewicht gut halten kann. Das nur zu meinem Weg bisher. Finde es auf jeden Fall spannend, wie du es angehst (und hoffe du wirst auch wieder übers Laufen schreiben wenn es denn soweit ist).

Feivel
Feivel

Ohne jetzt anekdotisch werden zu wollen:
Du erwähnst den Heißhunger – den habe ich sehr gut bekämpft, indem ich eine Mahlzeit am Tag mit Magerquark (+Marmelade, hauptsächlich) ersetzt habe. Ich hatte damit eigentlich nur wegen des Proteins angefangen, aber am Ende hats wie gesagt auch sehr gegen das Zwischendurch-Fressen geholfen.

Hapi
Hapi

2400 kcal sind wohl der Grundbedarf, der etwa 24-25 kcal je kg Körpergewicht beträgt. Der tatsächliche Bedarf liegt höher, wenn man nicht gerade im Koma liegt. So lassen sich auch das zusätzliche knappe Kilo erklären.

Dietmar

Ich kann mir nicht helfen: Ich habe irgendwie immer, wie eine gute Mutter, Angst um Dich bei solchen Experimenten. 🙂

Aber ich stelle fest, dass ich Deinen anderen Artikel zu oberflächlich gelesen habe. Denn dass das nur vorübergehendes Fasten war, hatte ich nicht geschnallt. „Schwindel“ hat dann bei mir rote Lämpchen leuchten lassen.

Ich kann nur sagen, wie ich mich fit halte, komplett ohne Kalorien-Zählen, irgendwelche Diäten oder Fasten-Kuren und seit Jahren konstant und nachhaltig (wenn ich mir mal so schamlos selbst auf die Schulter klopfen darf; wer tut das sonst denn auch): Als ich im Studium und Berufsaufbau Mitte meiner Dreißiger steckte und Junior sich anschickte, uns zu komplettieren, legte ich sukzessive 20 Pfund zu. Schleichend, unbemerkt, denn: Stress und andere Dinge im Kopf als Sport und essen wie mit 20. Die Lösung ist für mich grundsätzlich einfach langsamer zu essen, Sachen wie Chips o. ä. zu portionieren und daran auch zu halten, Sport (nahezu komplett ohne Ehrgeiz, nur zum Spaß (Velomobil, am Wochenende Rennrad über Land, etwas Kraftsport)). Das Effektivste ist der weitgehende Verzicht auf Kristallzucker. Nicht weil er irgendwie schädlich wäre, sondern weil das ganz leicht zu überblicken ist. Das, was ich gerne gesüßt trinke, trinke ich nur ein oder zwei mal die Woche.

comicfreak
comicfreak

..ich hatte 2016 17kg runter geschafft, im letzten Jahr gehalten und dieses Jahr wieder 2kg drauf.
Die gehen aber auch wieder weg, wenn ich Muse und den Kopf frei hab.

Dietmar

Da hängt viel dran: Dass man auch Kapazitäten hat, sich damit aktiv auseinander zu setzen.

Dietmar

In diesem Zusammenhang interessant: https://www.youtube.com/watch?v=X1s_uRuZfzY