Eine kleine Geschichte, einfach nur so: Wie ja bekannt ist, wurde unser Rückflug von LA wegen technischer Probleme gecancelt. Wir „mussten“ einen weiteren Tag in Kalifornien bleiben, haben exzellente Pizza gegessen und am Strand von Venice Beach gesessen. Die Kosten für Mietwagen, Hotel und Verpflegung hat die Lufthansa nach vier Wochen anstandslos überwiesen. Danke dafür.

Nun kam mir (ich meine, durch eine Facebook-Anzeige) ein paar Wochen später zu Ohren, dass ich als Fluggast zusätzlich noch Anspruch auf eine Entschädigung habe. Bezeichnend, dass die Airline beim Ausfall des Fliegers keine Kärtchen verteilte, wo darauf hingewiesen wurde. Ich finde durchaus, dass das verpflichtend sein sollte.

Die Anzeige, von der ich gerade sprach, gehörte zu einem Unternehmen namens Flightright, das die Lücke zwischen Fluggastrechten und Airlinepflichten zu schließen trachtet. Das Konzept ist bestechend simpel: man überträgt der Firma den Anspruch, den diese dann bei der Airline eintreibt, notfalls (und garantiert) auch per Anwalt. So muss man sich um nix kümmern und am Ende behält Flightright (oder ein vergleichbarer Anbieter, es gibt mehrere) ein Drittel des Geldes als Kommission.

Man muss einfach abwägen: Hier wird Geld gegen Bequemlichkeit getauscht. Es gibt schließlich genug Horrorstories von Airlines, die keinen Trick auslassen, um nicht zahlen zu müssen. Wenn man da nicht selber gegen an muss, kann das helfen.

Der Online-Rechner von Flightright zeigte, dass ich der perfekte Kandidat für eine Höchstauszahlung sei. Wir waren mit einer europäischen Airline unterwegs gewesen, der Ausfall war keine höhere Gewalt (Wetter oder Streik), und die Strecke hatte mehr als 3500 Kilometer betragen. Macht ingesamt satte 1200 Euro, bitteschön.

Ich entschied: wir machen das. Einfach die Buchungsunterlagen zu Flightright hochladen, online unterschreiben, ab dafür. Am Ende sollten uns noch mehr als 800 Euro winken, und das ohne weiteres eigenes Zutun.

Leider war es dann doch nicht so einfach. Zuerst einmal stellte sich raus, dass die Online-Unterschrift nicht ausreichte. Es musste doch noch eine (zugegebenermaßen simple) Abtretungsurkunde ausgefüllt und an Flightright geschickt werden. Macht nix, kann ich. Digitale Unterschriften ins PDF und wech.

Zwei Tage später eine Email von Flightright: Es fehle die Abtretungsurkunde. Aber wenn ich die schon geschickt hätte, solle ich die Mail ignorieren. Ich ignorierte die Mail.

Ein paar Tage später eine weitere Email von Flightright: Es fehle die Abtretungsurkunde. Aber wenn ich die schon geschickt hätte, solle ich die Mail ignorieren. Ich fand das schon ein wenig ärgerlich, schickte die Abtretungsurkunde noch mal mit dem Hinweis, dass diese eigentlich schon vorläge.

Ein paar Tage später eine weitere Email von Flightright: Es fehle die Abtretungsurkunde. Aber wenn ich die schon geschickt hätte, solle ich die Mail ignorieren. Ich ignorierte die Mail.

Ein paar Tage später eine weitere Email von Flightright: Es fehle die Abtretungsurkunde. Aber wenn ich die schon geschickt hätte, solle ich die Mail ignorieren.

Nun wurde mir das zu bunt und ich rief die in der Email vermerkte Hotline an. Ein außerordentlich netter Mitarbeiter schaute sich den Vorgang an und konnte sich nur entschuldigen: Die Abtretungsurkunde läge vor und ich hätte keine weitere Email erhalten sollen. Die Sache würde nun vorangehen.

Eine Stunde später zwei Emails von Flightright. Erste Email: Jawoll, es geht voran! Zweite Email: Es geht nicht voran, weil:

„Leider entsprechen Ihre Unterschriften nicht den Maßstäben der Airlines.“

Das tut mir sehr leid, aber so unterschreibe ich nun mal. Auch in allen offiziellen Dokumenten, mit denen diese Unterschrift ja abgeglichen werden soll. Ich rief also wieder die Flightright-Hotline an. Derselbe junge Mann erklärte mir bedauernd, dass die Lufthansa immer wieder Abtretungsurkunden anfechte, weil die Unterschriften nicht konform seien. Und im Falle meiner Unterschrift…

Da wurde mir die Sache zu dumm, zumal ich keine Möglichkeit sah, eine andere Unterschrift als meine zu liefern. Ich bedankte mich bei dem jungen Mann und bat ihn, den Auftrag zu stornieren und mich aus dem Vertrag zu entlassen. Ich hatte Flightright schließlich gewählt, um KEINEN Stress mit der Forderung zu haben. Er sah das ein und schickte mir 15 Minuten später eine Email, dass mein Fall geschlossen worden sei.

Auf das Geld verzichten wollte ich dann aber trotzdem nicht. Ärgerlich – ich habe von Fällen gehört, da hat die Lufthansa monatelang blockiert, da ging es vor Gericht, da wurden immer neue Ausflüchte gefunden. Recipe for disaster.

Anruf bei der Hotline der Lufthansa. Kurz erklärt – Flug storniert, Stress gehabt, Geld her. Man verweist mich an eine andere Hotline. Ich wiederhole mich – Flug storniert, Stress gehabt, Geld her. Wohin soll ich meinen Anspruch schicken? Dieser junge Mann ist erfreulich wenig konfrontativ: „Das können wir gleich zusammen machen“. Er lässt sich die Flugnummer geben, schaut kurz im Computer nach.

Es ist ein Satz, der meine Ohren klingeln lässt: „Ah klar, kein Problem. Geben Sie mir Ihre Iban und wir überweisen das Geld innerhalb der nächsten ein, zwei Wochen.“

Und so komme ich nun wohl an die vollen 1200 Euro – und die Spesen für den Extratag Los Angeles hatte die Lufthansa auch übernommen. Insgesamt ein sehr befriedigender Abschluss – auch wenn ich bei der These bleibe, dass die Airlines verpflichtet sein müssten, den Passagieren beim Flugausfall DIREKT eine Karte mit einem entsprechenden Hinweis und der Kontaktinfo in die Hand zu drücken.

Trotzdem: Danke, Lufthansa. Vorbildlich.

Da man drei Jahre rückwirkend Forderungen einreichen kann, schaue ich sofort nach, ob uns für die gestrichenen Flüge aus der Türkei und aus London vielleicht auch noch was zusteht. Einmal Pilotenstreik, einmal Unwetter. Höhere Gewalt. Mist.



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Andreas
Andreas

Den gleichen „Spaß“ mit Flightright hatte ich gerade auch. Abtretungserklärung per Post UND per E-Mail hin. Jede Woche die Mail: Ihre Abtretungserklärung ist noch nicht eingegangen. Angerufen, netter Mann dran. Alles war da. Dann kamen zehn Mails, dass sie jetzt die Airline zur Zahlung auffordern. Na mal sehen, wie es weitergeht. Bisher gab’s noch keine Beschwerde wegen der (in meinem Falle allerdings sehr gut lesbaren 😉 ) Unterschrift. In meinem Fall geht’s um ein kaputtes Flugzeug auf Fuerteventura (4 Personen/Familie 1600 Euro) und nen verpassten Anschlussflieger aus London (250 Euro). Flightright könnte also ne Menge an mir verdienen. Wenn sie’s nicht so wie bei dir machen! 🙂

Marco
Marco

Interessant. Wir sind im vergangenen mit der deutschen Bahn von Salzbug nach Stuttgart gefahren. Wegen ‚Personenschadens‘ mussten wir dann, wie die schwaebsche Eise’bahn quer durchs Laendle fahren, anstatt direkt. Schlussendlich waren wir dann 3 Stunden spaeter in Stuttgart. Ich wusste garnicht, dass es da Entschaedigungen gibt, aber noch waehrend der Fahrt hat der Schaffner Formulare verteilt und beim ausfuellen geholfen. Da gab es dann 50% des Ticketpreises zurueck. Fand ich auch ganz ordentlich.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Hatten wir mit Wien – Zugausfall, nächster fuhr erst zwei Stunden später. Daher Ticket beim entspannten Schalter-Mitarbeiter umschreiben lassen, noch in die Lounge gepflanzt und gratis Eis geknuspert und dann halt zwei Stunden später gefehren – obendrauf gab es noch Kohle zurück 🙂

@Wortvogel: Gratulation zum entspannten Verhalten von Lufthansa. Wir hatten den Spaß mal mit AirBerlin und sind daher direkt zu Flightright, weil die Airline dafür bekannt war, solche Fälle zu blocken und unnötig in die Länge zu ziehen. Und genau so kam es dann auch: Flightright Runde 1 – no monay, Flightright-Runde 2 mit Anwalt – katsching 😀

Marco
Marco

Na, ist doch auch schoen wenn mal was klappt. 🙂

Dietmar

Wow, Lufthansa! Das ist ja ein Ding!

Zwischendurch liest sich Dein Bericht wie Kishon. Ich musste lachen.

Jake
Jake

In einer der letzten SPIEGEL-Ausgaben gab’s einen Artikel zu diesen Fluggastportalen. Es handelt sich hierbei offenbar um einen hart umkämpften Markt, in dem auch mit unsauberen Methoden gearbeitet wird. So berichtet die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (bei der söp handelt es sich um eine für den Verbraucher kostenfreie Schlichtungsstelle, die u.a. von den Airlines, Reedereien und der Deutschen Bahn getragen wird), dass kommerzielle Onlineportale häufig versuchen, die söp für ihre eigenen Zwecke einzuspannen. Sprich, sie reichen inkognito Vorgänge bei der söp ein, welche dann die Arbeit machen und kostenfrei schlichten soll, während die besagte Portale dann die Bearbeitungsgebühr vom Verbraucher kassieren. Das ist schon kackdreist.