Wenn einer eine Reise tut – dann sollte er sich sorgfältig vorbereiten. In den letzten Jahren haben die Möglichkeiten, mit preiswerter Technik den Unterwegskomfort zu steigern, deutlich zugenommen. Heute erzähle ich mal, was uns die Amerika-Rundreise vergoldet hat.

Gebucht habe ich die komplette Tour bei Bookings – erstmals. Bisher war ich ein Expedia-Jünger, aber die gesamte User-Experience ist bei Bookings deutlich überschaubarer, die einzelnen Hotels werden automatisch zu einer Reise kombiniert und viele zusätzliche Services machen den Ablauf angenehm. Hinzu kommt, dass man viele Hotels für sehr wenig Aufpreis auch stornierbar buchen kann, was Flexibilität vor Ort erlaubt. Und schließlich: Es werden von Anfang an Endpreise angezeigt, inklusive Steuern, Gebühren, etc. Aus Dank und Begeisterung habe ich mir heute morgen die Mühe gemacht, alle besuchten Hotels auch ordentlich zu besprechen.

Die Route haben wir nicht mit Google Maps geplant, sondern dem noch immer für solche Aufgaben überlegenen Service von MapQuest. Eine deutliche Verbesserung zu meinen früheren Touren, die ich (1997) mit ADAC-Karten und (2003) mit Microsofts „Streets & Trips“ entwickeln musste.

Vorab gekauft haben wir diesmal auch dieses Teil:

Ein gut bewerteter Adapter, der theoretisch den Anschluss unserer Notebooks und Tablets weltweit gewährleistet und dank USB-Ports auch die Smartphones laden kann. Sollte eine ganze Reihe von Problemen lösen und das Chaos im Koffer entlasten.

Leider ist das Teil ziemlicher Klump, dessen hohe Amazon-Wertungen ich nicht nachvollziehen kann. Die USB-Ports fielen nach ein paar Tagen komplett aus – da sind wir auf Ladebuchsen im Mietwagen und auf eine Powerbank umgestiegen. Schlimmer aber: amerikanische Steckdosen haben keinen Rahmen, der den Stecker fest hält. Da fällt der klobige Adapter gerne einfach mal so vom Eigengewicht aus der Dose. Wenn man dann noch ein Notebook-Netzteil dazu steckt, ist es Glückssache, ob die Anschlüsse Kontakt haben. Mehrfach haben wir morgens festgestellt, dass die Geräte doch nicht aufgeladen waren – oder mit Mineralwasserflaschen und Büchern versucht, den Adapter mechanisch in die Steckdose zu zwingen. Ist also ein Gadget, das super WÄRE, wenn es denn wie angekündigt funktionieren WÜRDE.

Ein Dreh- und Angelpunkt der Reise sollte diesmal mein iPhone sein – auch hier, um die mitzuschleppende Hardware überschaubar zu halten. Im Idealfall sollte das Smartphone nicht nur in den USA telefonieren können, sondern auch als Google-Lifeline, Navigator, Katzen-Fernüberwachung und Kamera fungieren. Ein Hightech-Survival-Package in der Hosentasche quasi.

Also schaute ich mich mal nach einer USA-Sim um. Das stellte sich als erfreulich einfach heraus. 25 Euro kostet eine Nano-Sim für 30 Tage mit 3 Gigabyte Datenvolumen und kostenlosen Anrufen nach ganz Europa. Damit war mein iPhone für den amerikanischen Markt gerüstet, außer in den Bergen der Sierra Nevada und in der Wüste Arizonas hatten wir auch immer guten Empfang. Kauf, Aktivierung und Nutzung sind dabei angenehm stressfrei und liefen bei uns problemlos.

Nun ist es notorisch schwierig, den Datenverbrauch einer Sim-Karte exakt zu protokollieren und bei über 3000 Kilometern Strecke ist es nicht angeraten, permanent Karten von Google Maps zu saugen. Um die 3 Gigabyte zu schonen, griff ich deshalb auf das recht zuverlässige Here We Go Navigationsprogramm von Nokia zurück. Da kann man nämlich die Karten einzeln auf das Handy laden und so den Datendurchsatz minimieren. Für die USA ist es sogar möglich, die Karten einzelner Bundesstaaten offline vorrätig zu halten, in unserem Fall Kalifornien, Arizona und Nevada. In den Städten zeigt Here We Go markante Häuser und Strukturen in gerenderter 3D-Ansicht.

Die App stellte sich auch prompt als eine meiner besseren Ideen heraus, denn viele Mietwagen (unserer inklusive) bringen immer noch kein Navi von Haus aus mit. Und Here We Go hilft auch bei Spaziergängen und Ausflügen mit dem Bus. Nur zweimal mussten wir Google Maps als zusätzliche Orientierungshilfe aktivieren, um aktuelle Wetter- und Verkehrsinformationen abzurufen. Es ist schon eine massive Erleichterung, auf einer so langen und abwechslungsreichen Strecke nicht permanent den Atlas konsultieren oder nach Hinweisschildern Ausschau halten zu müssen.

Blind vertrauen sollte man allerdings auch dem Navi nicht: In Arizona wollte uns Here We Go plötzlich vom Highway auf eine unbefestigte „Old Trail Road“ schicken, auf der schon Rinderherden in Sicht waren. Da ich einen Chrysler Cruze und keinen Planwagen steuerte, lehnte ich das Angebot dankend ab.

Wie praktisch das Internet unterwegs ist, wurde auch bei unserem kleinen Unfall klar: Ich konnte zwei Minuten nach Blechschaden die nächste Sixt-Filiale ausfindig machen und dort einen Ersatzwagen bereitstellen lassen.

Ein kurioser Nebeneffekt der Sim-Karte mit Wegwerfnummer war, dass wir ab dem zweiten Tag schon Spam-Werbeanrufe bekamen, die ich allerdings mit der Blockieren-Funktion effektiv abwürgen konnte.

Wir hatten zwar unsere Sony Spiegelreflexkamera dabei, aber es stellte sich schnell heraus, dass mein iPhone 6 in den meisten Fällen die praktischere und völlig ausreichende Alternative war, die sich zudem schneller zücken und leichter verstauen ließ. Wenn man im Urlaub primär bei schönen Wetter draußen fotografiert, sind die Fähigkeiten des iPhone mehr als ausreichend:

Mono Lake, falls es jemand nicht erkannt haben sollte.

Aber mit Navi, Internet und Kamera war der Aufgabenbereich meines iPhones immer noch nicht erschöpft. Da sich die LvA notorisch um die Katzen sorgt und diese ja auch vermisst, haben wir eine „Cat Cam“ angeschafft, die auf den beliebtesten Schlafort unserer Butzelchen ausgerichtet ist:

Ich gebe zu, dass ich an der Installation der Kamera über den heimischen Speedport-Router fast gescheitert wäre. Am Ende konnte ich dann auch nur eine P2P-Connection aufbauen – die zweitbeste Lösung. Aber es ist schon irre, wenn man in einem Helikopter im Grand Canyon sitzt und denkt: „Schauen wir doch mal, was die Katzen in Baden-Baden gerade machen“. Schlafen, meistens. Oder mit der Katzensitterin schnubbeln. Was man allerdings nicht tun sollte: Mikro anschalten und mit den Katzen sprechen. Das verwirrt die Tiere total.

Die Verwendung des Smartphones hatte aber auch noch unerwartete Vorteile: Kaum steckte ich das iPhone in die USB-Buchse unseres Chrysler Cruze (später Malibu), bat das Auto-System um das Recht, sich damit verbinden zu dürfen. Siehe da: wir könnten die Navigation plötzlich auch über das Autoradio laufen lassen. Und dank Apples Car Play las uns das Onboard-System sogar neue WhatApp-Nachrichten aus Deutschland vor. Auf langen Strecken gönnte ich uns einen Live-Stream von Klassik Radio, denn amerikanische Radiosender sind durch die Bank unsäglich.

Da der Stream von Klassik Radio die Werbungen dynamisch und nach Standort einspielt, kam es zu einem drolligen Effekt: Wir hörten in unserem amerikanischen Wagen über das Handy einen Radiosender aus Deutschland, aber mit US-Werbungen für Versicherungen und Gebrauchtwagen. The mind boggles.

Das klingt nun vielleicht alles kompliziert, aufwändig und teuer. Es war das Gegenteil. Insgesamt habe ich keine 50 Euro bezahlt, um in Amerika das Smartphone auch als Multimedia-Zentrale dabei zu haben. Wir waren sicherer in der Orientierung, selbst im kleinsten Kuhkaff nicht verloren – und konnten meiner Schwägerin entspannt zum Geburtstag gratulieren. Weil so ein Smartphone schnell aus der Tasche gezogen ist, entstanden viele, viele tolle Bilder. Und die Frage nach dem Wohlbefinden der Katzen war immer augenblicklich zu beantworten.

Man mag argumentieren, dass diese „Nabelschnur“ dafür sorgt, dass man nicht richtig loslässt, dass man im Kopf immer noch daheim ist. Das stimmt zumindest für uns nicht. Für uns war die Technisierung des Urlaubs ein Teil des Komforts und ich bin sicher, dass sie uns mehrfach vor bösen Überraschungen bewahrt hat.

Es gab übrigens auch viel Technologie vor Ort, die uns den Urlaub einfacher gemacht hat. So mögen amerikanische Autos qualitativ nicht der Knaller sein, die Ausstattung ist aber vorbildlich. Unser Chrysler hatte das Notfall-System OnStar und war auch sonst mit allem Schnickschnack ausgestattet. Im Hotel kann man teilweise wie beim Flieger vorab einchecken, was vor allem in Las Vegas viel Zeit an der Rezeption spart. Und von der Tanke bis zur Parkuhr ist praktisch ALLES schnell mit der Kreditkarte bezahlbar.

Besonders geil: Als wir in San Francisco auf den Sightseeing-Bus warteten, stellte ich fest, dass man auf einer interaktiven Karte des Betreibers den genauen Standort aller Fahrzeuge in Echtzeit abrufen kann. Das macht die Planung erheblich einfacher.

Auch im Flugzeug hat man seit 2003 massiv aufgerüstet. Wir hatten Premium Economy gebucht, da sind die Sitze breiter und der Service besser. Das Macbook mit tonnenweise Filmen, Serien und Musik brauchte ich gar nicht: An die Rückenlehne des Vordermanns war ein Touchscreen-Entertainment-Center (vermutlich auf Android-Basis) montiert, über das man Dutzende Filme (inkl. aktueller Blockbuster), staffelweise Serien, Dokumentationen, Musik und launige Casual Games abrufen konnte. Langeweile war bei diesem Interkontinentalflug kein Problem.

Nun sind wir wieder zu Hause, haben die Cat Cam ausgestöpselt, die abgelaufene Nano-Sim entsorgt und den klapperigen Adapter weggeschmissen (leider habe ich die Rückgabefrist um zwei Tage überschritten). Das werden wir bis zur nächsten Reise noch etwas optimieren. Aber generell kann man sagen: gut gelaufen.



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Dirk
Dirk

Nur mal so als kleiner Tipp: Auch mit Google Maps kann man Karten offline vorab herunterladen. Gewünschte Gegend aussuchen in Maps, und dann einfach im Hamburger-Menu links auf Offline-Karten gehen und „angepasste Karte“ anclicken, dann wird die Karte heruntergeladen und für 30 Tage gespeichert.

Wobei auch nichts zu sagen ist gegen Here we Go, sehr gute App.

PurpleDragon
PurpleDragon

Wir haben uns für unsere Urlaube angewöhnt einen einfachen Adapter für das Zielland und eine „deutsche“ Steckdosenleiste mitzunehmen. Die ist schlank genug, dass sie immer irgendwo in den Koffer passt. Der simple Adapter bringt kein großes Gewicht mit, dass auf der Steckdose lastet und an der Leiste kann man dann lustig Smartphones, Kameras, Tablett, Nintendo DS, etc. anstöpseln wie zu Hause auch und die Leiste liegt dabei auf dem Boden und zieht nicht an der Wand.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Ha, in der Tat eine simple wie geniale Lösung – werden wir beim nächsten Japan-Trip dann wohl genauso machen, da wir in der Vergangenheit leider das gleiche Problem wie Torsten hatten (besonders toll, wenn man bei einer Wanderung dann extra ein Stativ mitschleppt, aber die Kamera vor der eigentlichen Foto-Action ausgeht, weil sie über Nacht halt aufgrund des wackligen Adapters nicht geladen hat)

Clemens

großartig, wir planen für nächsten März eine ganz ähnliche Route, ich lese mal mit und freue mich auf noch kommende Beiträge

Teleprompter
Teleprompter

Ist der Cruze nicht eigentlich ein Chevrolet ? Würde auch besser zu dem OnStar-System passen, das Opel hierzulande auch verbaut.

Stuckimann
Stuckimann

„Man mag argumentieren, dass diese „Nabelschnur“ dafür sorgt, dass man nicht richtig loslässt, dass man im Kopf immer noch daheim ist.“

Das könnte man in der Tat. Ich sag es mal frei nach Janis Joplin: Freedom is just another word for no compulsion left to satisfy.

invincible warrior
invincible warrior

Ein Kollege hat mir den Mogics Power Donut (https://www.mogics.com/3824-2) näher gebracht, der ist echt praktisch und kein großer Klotz. Etwas wackelig war es mit nem 0815 dünnen Eurostecker, aber ich vermute das die mit den fetten Anschlüssen auch fest sitzt. Hatte ansonsten absolut kein Problem und wirklich leicht zu handhaben.