Wenn man auf den totalen Kommerz setzt, den Endsieg des Kapitalismus über die Vernunft, dann ist man in Las Vegas genau richtig. Allerdings hat dieses Mekka des Schaublendens ein Engelchen und ein Teufelchen, eine Ober- und eine Unterseite. Für die meisten Urlauber ist es angeraten, sich an den Strip zu halten, die großen Show-Paläste wie das MGM Grand, das Venetian oder das Bellagio zu durchstreifen.

Aber es gibt eben auch das „zweite“ Vegas, nicht weniger bunt, vielleicht sogar lauter, auf jeden Fall greller: Fremont East. Die überdachte Spaßmeile ist die Ballermann-Version des Strip, wo sich das Treibgut sammelt, eine letzte Runde über dem Abfluss dreht. Was nicht gut genug für die makellose Vegas-Scheinwelt ist, das wird hier noch mal mit extra Schrill aufgehübscht, um die anspruchs- wie furchtlosen Billigtouristen gleichermaßen zu begeistern wie zu gruseln. Hier bekommt man noch Hotels für 15 Dollar, hier kann man sich mit halb komatösen Obdachlosen fotografieren lassen. Thumbs up! Im „Heart Attack Grill“ (fr)essen Menschen über 160 Kilo kostenlos.

Jeder Versuch der Stadt, Fremont East mit „seriösen“ Musikern auf Freibühnen und Attraktionen wie der Slotzilla-Zipline zu veranständigen, verstärkt nur den Kontrast. Fremont East ist Ghetto-Vegas. Wir schwankten zwischen Ekel und Mitleid.

Gut zu wissen: Unfall in Las Vegas bauen kann ich auch. Klassiker zudem – beim U-Turn auf dem Strip Blechschaden. Freundliche Begegnung mit einem Motorrad-Cop, dessen Vorfahren aus Bad Tölz ausgewandert sind (sein Urgroßvater war Eisenbahn-Ingenieur, was zu Lucky Luke-Zeiten wohl sehr gefragt war). Nach einer Stunde war der Wagen ausgetauscht und der Papierkram erledigt. Den Rest wird man sehen.

Zimmer mit Aussicht:



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Dr. Acula

Als ich „damals“ drüben war (1999), waren die Stadtväter grad schwer damit beschäftigt, Fremont St. aufzupäppeln, um’s für die Touris, die nur noch am Strip rumhingen, attraktiver zu machen. Hatte schon damals befürchtet, dass das auf die Dauer nix bringt, weil rund um die Fremont halt nun wirklich urban ghetto herrscht und man schon auf der Busfahrt ein gewisses Unwohlsein entwickelt. Gut, ich hab im Golden Nugget einmal fünf Dollar am Roulette gesetzt, das gehört schon irgendwie dazu…

Marco
Marco

Viele Leute sind verbluefft, wenn sie Zimmerpreise in Vegas sehen. Sie erwarten immer noch 50$ zimmer und ein Buffet fuer 10 bucks. Wenn man nicht gerade ein highroller ist und zimmer/essen ‚ge-compt‘ bekommt, ist das aber nicht mehr der fall. Downtown Vegas/Freemont ist die alternative zum Strip wo man noch guenstig bleiben und gamblen kann. aber ja, schicke belagio brunnen hat man dort nicht! 🙂

Dabbelju
Dabbelju

Mir hat in Vegas ja tatsächlich Downtown am besten gefallen. Der Container Park mit der riesigen feuerspeienden Gottesanbeterin, in dem es zudem das beste BBQ Ever gibt (die SpareRibs…göttlich), die El Cortez Cabana Suites, der wundervolle Buchladen „The Writer’s Block“ und, und, und. Auch das Neon Museum ist sehr empfehlenswert.

Sonja_Ellington
Sonja_Ellington

Also, mich hat das Video vom Heart Attack Grill restlos überzeugt!
Soviel Ironie hätte ich den Americanos gar nicht zugetraut….