Nachdem es einigen Lesern anscheinend gefallen hat, ihre Erinnerungen mit meinen abzugleichen, wollte ich auch weitere typische Arbeits/Wohnzimmer meines Lebens mit euch teilen. Leider ist das nicht so einfach.

In der Wohnung, in die ich nach der Wohnung in der Nymphenburger Straße gezogen bin, herrschte Luxus – über 130 Quadratmeter nur für mich, mit Galerie und separatem Bad und Dusche. Arbeitszimmer und Wohnzimmer wurden erstmals aufgeteilt. Leider gibt es davon kaum noch fotografische Dokumentation:

Geile Wohnung, ungeile Wohngegend. Leider. Man muss sich vor Augen halten, dass 1997 in Zorneding an Internet nicht zu denken war und der Fernseher nur sieben Programme empfing. Kein Kumpel kam mal vorbei, „weil ich gerade in der Gegend war“. Und hatte man von der Arbeit nach einer Stunde die Heimfahrt geschafft, hatte man null Lust, das Pferd nochmal gen München City zu satteln. Ich habe es in dieser Designer-Bude nur anderthalb Jahre ausgehalten.

Die nächste Wohnung war zwar super zentral (Ysenburgstraße am Rotkreuzplatz), aber baulich zu heruntergekommen und zappenduster. Uralter Boiler im Bad, Nachtstromspeicher-Heizung, kein Keller, muffiger Boden – nach anderthalb Jahren war auch hier Schicht im Schacht.

Dann aber: Mit der Wohnung in der Berliner Straße in Schwabing reduzierte ich mich erstmal wieder auf ein gesundes Level, wie ich fand. Gerade mal 43 Quadratmeter, verteilt über 1 1/2-Zimmer, dafür aber mit Garten, großem Keller und einem Tiefgaragenplatz. Das führte auch Arbeits- und Wohnzimmer wieder zusammen und damit kommen wir zum heutigen Thema. Wir schreiben das Jahr 1998:

Einladend, oder? So richtig kuschelig, stilvoll und mit Augenmaß.

Ähem.

Ich kann nur entschuldigend sagen, dass ich damals erstmals Internet daheim hatte, tonnenweise Bücher schreiben und übersetzen musste und der PC-Schreibtisch tatsächlich den Knotenpunkt meines Lebens darstellte. Die Frage, ob er schick ist, stellte sich mir gar nicht.

Auch hier lohnt es sich (?), genauer hinzuschauen. Der Stuhl ist von IKEA, der Sitzhocker (für Gäste) war kostenloser Container eines Herstellers von Werbe-Geschenken. Da habe ich CDs, Disketten und sonstigen Kram drin gelagert.

Der Computer war mein erster selbst zusammen gestellter PC von Avitos. Für’s Internet musste ich nachträglich eine ISDN-Karte einbauen, für ADSL dann noch weitere Hardware. Warum ich damals so große Lautsprecher gekauft habe, weiß ich heute auch nicht mehr – ich war ja kein großer Gamer und viel Musik habe ich auch nicht gehört. Geht vermutlich auf meinen Bruder zurück, der mich damals beraten hat und deutlich audiophiler ist. Hat alles zusammen um die 3000 Mark gekostet.

Den Schreibtisch hatte ich in einem Baumarkt gekauft, der war zwar nicht schön, aber überaus praktisch, besonders wegen der unter die Tischplatte zu schiebenden Tastatur.

Ein paar Dinge auf dem Schreibtisch dürften auch ohne größere Auflösung erkennbar sein: Tacker, Tesa-Abroller, Glas mit Stiften, Diskettenbox. Über dem PC-Gehäuse hatte ich auch noch eine Plastikbox angeschraubt, um weitere Disketten aufzunehmen. Die damals noch sehr wertvollen CDs hielt ich in einer eigenen Tasche verwahrt.

Links neben den Lautsprechern: zwei Tageskalender. Es war damals eine Marotte von mir, alljährlich neue Exemplare aus den USA zu beziehen. Meistens „The Far Side“ von Gary Larson und „Dilbert“. Es ist kein Zufall, dass ich von beiden Comicstrips heute schwere, gebundene Editionen im Schrank stehen habe.

Neben der Tastatur erkennt man auch noch unscharf ein Gamepad, mit dem ich damals das bisschen daddelte, was bei mir anlag. In der Zeit hatte ich auch mal testweise ein Lenkrad für Rennspiele, aber damit wurde ich nicht richtig warm.

An dem PC habe ich viele Premieren erlebt: Mein ersten Downloads mit Napster, meine erste Telefonie über das Internet, meine ersten Chats, meine ersten selbstgebrannten CDs, meine ersten Schritte in Sachen Photoshop. Ich erlebte in dieser Wohnung auch den Wechsel in ein neues Jahrtausend. Wow.

Nicht im Bild links vom Computer-Schreibtisch: Ein Fernsehturm mit großem TV, zwei Videorekordern, einem DVD-Player und einem Switchboard, mit dem ich nicht nur alle Geräte untereinander schalten konnte, sondern auch NTSC in PAL umwandeln und umgekehrt. Das war damals hightech und machte mich zum Neid vieler Kumpel, weil ich Sachen aus den USA nicht nur beziehen, sondern auch kopieren konnte.

Es war insgesamt ein Kabelverhau, der heute kaum noch vorstellbar ist.

Aber so waren PC-Schreibtische damals. Klumpig, unhandlich, hässlich. Die Miniaturisierung setzte erst ein paar Jahre später ein:

Gerade weil ich auch noch eine Unmenge Videokassetten hatte (über 1400, selbst NACH der Ausmistung), wurde mir die Bude in der Berliner Straße dann irgendwann zu klein. Ihr ahnt es: Nach ungefähr anderthalb Jahren. Ich bin gewohnt, mich nicht zu gewöhnen. Und um mal wieder was Neues zu probieren, kaufte ich als Alternative gleich ein ganzes Haus. Meinen PC-Schreibtisch nahm ich mit, lediglich der wuchtige Monitor wurde (endlich!) durch ein schmaleres TFT-Modell ersetzt:

Ich bin ziemlich sicher, dass DIESE Version des PCs auch schon eine größere Festplatte und eine schnellere Grafikkarte (vermutlich Geforce MX) spendiert bekam. Außerdem gönnte ich mir eine silberne Funkmaus.

Hier sieht man dann auch schon DEUTLICH mehr CDs – das Zeitalter der Disketten war vorbei, man brannte sich seinen Stoff selbst, eine schnelle Internetleitung erlaubte erste Experimente mit Video-Downloads aus fragwürdigen Quellen. Auf dem hässlichen blauen Container (eigentlich für Gartenmöbel gedacht) erkennt man den Trolley, mit dem ich immer in die USA geflogen bin – und das orangene Promo-Strandtuch von „Con Air“, das ich heute noch besitze und benutze.

An diesem Schreibtisch mit dem Ausblick auf das Haus gegenüber habe ich noch zwei, drei Jahre fleißig gearbeitet – dann steckte mir mein Bruder eine WLAN-Karte in mein Notebook und ich stellte fest, dass ich plötzlich auch vom Sofa aus arbeiten und vor allem surfen konnte. Mein Leben sollte nie wieder das Gleiche sein. Es führte u.a. zu diesem frühen Blogbeitrag über meinen „neuen“ Arbeitsplatz:

Wenn ich mir die Bilder heute anschaue, erschreckt es mich, wie stillos und chaotisch ich meine ersten 40 Jahre rumgebracht habe. Das hat so keine Souveränität, keinen eigenen Geschmack. Es reicht wohl aus, wenn ich erwähne, dass ich die zehn Jahre in meinem eigenen Haus nicht mal ein Bett hatte – Matratze auf dem Boden tat’s auch.

Besser geworden ist es eigentlich erst, als ich mich dank der LvA mit der Frage konfrontiert sah, wie ich nicht nur leben, sondern auch wahrgenommen werden möchte. Der Sprung vom chaotischen Jugendzimmer zur erwachsenen Autorenbutze war dann auch entsprechend drastisch:

Alles, was ihr oben in der kleinen Wohnung gesehen habt, habe ich hier bereits durch IKEA-Fernsehsessel, Macbook und Wlan ersetzt.

Röhrenfernseher, Videorekorder, PC-Schreibtische, Lautsprecher, Kassetten, Stereoanlagen, Nachschlagewerke, Schallplatten/Musik-CDs, DVD-Player, Aktenordner mit Kontoauszügen – alles Dinge der Vergangenheit, Übergangsware, Plunder.

Die Reduktion (bzw. die Verlagerung auf die Festplatte) des „Krams“ durch die Digitalisierung ist mir sehr recht, denn sie erlaubt die Einrichtung einer Privatsphäre, die nicht mehr so brutal vom Hobby geprägt ist. Wer sich nicht gerade vor meine Bücherwand stellt, kann heute eigentlich an der Wohnung selbst nicht mehr ablesen, was ich mache und was ich mag. Ich habe in vielerlei Beziehung mein Leben aufgeräumt. Und das gefällt mir.

Jetzt seid ihr dran: Sind die chaotischen Computer-Ecken auch bei euch ausgestorben oder wühlt ihr euch noch mit Freuden durch Stapel von CDs, Post, Ausdrucken, Mousepads und Zeitschriften, während unter der Tischplatte der Tower schnurrt?



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frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

Schreibtisch mit iMac (mit seit Monaten un- und seit Jahren kaum benutztem DVD-Brenner), MBP (an dem ich gerade schreibe, weil der iMac gerade eine SSD bekommt), kein optisches Medium in Sichtweite außer der Kiste TeX-live-DVDs im Regal hinter mir. So wenig Ausdrucke, dass der fette Farblaser seit ’nem Jahr auf der Abschussliste steht (BTW: braucht wer ’nen Color-Laserjet 4700?). Vor ungezählten Jahren (>15) zum Ball und inzwischen fast ausschließlich zum Pad gewechselt, nur im Regal stehen zwei historische Mousepads: eines mit Aufschrift „Gib DOS keine Chance“ und das, das ich damals von der Uni Hawai’i mitbrachte. Zeitschriften sehr gelegentlich, wenn mir im Bahnhofsbuchladen was interessantes über den Weg läuft. Und der letzte Tower, ’ne alte Linux-Spielkiste, wurde vor Jahren hier ’rausgetragen; der letzte ernsthafte Arbeitsrechner in Towerform war ein Prä-Intel-Mac Pro.

Der Schreib- oder eigentlich einfach Bürotisch wird mich auch noch einige Zeit begleiten (bzw. derzeit zwei davon), weil ich ja auch noch andere Dinge mit Rechnern tue als damit zu schreiben. Rechts neben mir steht ein abgelegter iMac, auf dem mal MacOS, mal Linux läuft, ein Mac mini für ähnliches liegt im Regal, ein Lötplatz soll nach der dieses Jahr fälligen Renovierung entstehen … frag mich dann nochmal. 😉

Dietmar

Erwachsen wurde ich wohnungstechnisch auch erst durch meine Frau. Unter anderem dafür sind sie da… 😉

DJ Doena
DJ Doena
Thorben

Während ich das hier lese und tippe sitze ich mit meinem Laptop auf dem Sofa. Habe alles auf einen Laptop, eine NAS und einen Laserdrucker reduziert. Das Beste was ich machen konnte, sitze so selten mit dem Rechner am Schreibtisch – viel lieber auf der Couch.

CD-Sammlung heißt Spotify oder iTunes – alles nur noch digital. DVDs nur noch auf Platte, das einzige was ich mir noch gönne ist ein Regal mit Steelbooks und special Editions von Blurays die ich mag.

Ist deutlich aufgeräumter als noch vor 10 Jahren…

Heino
Heino

Einen Desktop-PC nutze ich auch nicht mehr, der rottet im Keller vor sich hin. Dafür habe ich letztes Jahr meinen zweiten Laptop gekauft (nachdem bei dem ersten der Tastaturcontroller über den Jordan ging und sich die Reparatur nicht gelohnt hätte) und einen Multifunktionsdrucker. Ansonsten habe ich noch ein Tablet, mehr brauche ich nicht.
Ich habe leider keine Fotos von meinen früheren Wohnungen gemacht, sonst könnten wir da viele Parallelen sehen, mit dem Unterschied, dass ich meine erste Wohnung 14 Jahre hatte, danach in relativ rascher Folge 3 mal umgezogen bin und seit gut 2 Jahren mit meiner Partnerin zusammen lebe und es seitdem auch so was wie System in der Möblierung gibt. Ich hatte zwar immer ein Bett, aber der Rest der Inneneinrichtung war mir ziemlich egal.

Nikolai
Nikolai

Die Boxen müssten „Wave Master 240 StereoSpeaker “ sein, die hatte man damals einfach.

Dietmar

Ich nutze wieder einen Desktop-PC: Mein Notenschreib-Programm ist nicht windows-10-compatibel, läuft also nur auf dem PC. Nach Jahren der Abstinenz habe ich mir wieder vorgenommen zumindest zu arrangieren, allerdings nur noch für mein Orchester und nicht mehr, um in der Szene irgendwie etwas zu bewirken und meine Sachen verlegen zu lassen. Unser Thema dieses Jahr ist „nordische Musik“. Der pop-musikalische Bereich wird von einem verlegten Abba-Medley, das wir schon im Programm haben, und zwei neuen Medleys über U2 und a-ha von mir abgedeckt. So der Plan. Mit U2 habe ich schon begonnen.

Nikolai
Nikolai

Da hätte ich eine kurze Frage. Der Begriff „Desktop-PC“ definiert doch nicht welches Betriebssystem darauf läuft? Oder irre ich mich da irgendwie? Man könnte doch auch auf einem Laptop Windows 98/XP laufen lassen.

Dietmar

Entschuldigung, Deine Antwort ist bei mir irgendwie untergegangen: Ich habe keinerlei Ahnung, ob ich den Begriff Desktop-PC richtig verwende. Nicht einmal, ob es ihn überhaupt gibt. Ich bin das Gegenteil von @Lars.

Ich könnte sicher mein Surface mit Windows 98/XP laufen lassen (soweit verstehe ich das noch. Irgendwie…) Aber die Systeme werden nicht mehr mit aktuellem Virenschutz versehen, wenn ich richtig informiert bin, habe damit also Sorge zu surfen.

Der PC wird in nächster Zeit vom Netz getrennt; den braucht Junior eigentlich nur für gelegentliche Spiele und ich eben für das Arrangieren.

S-Man
S-Man

„Der Tower“? 🙂 Nein.
Unter meinem Schreibtisch sind 2 Tower. Über dem höhenverstellbaren IKEA-Schreibtisch werden 2 Monitore von flexibel einstellbaren Armen gehalten. Und auf dem Schreibtisch? Papierchaos. Und eine Katze.

Laptops kommen in der Wohnung quasi nie zum Einsatz.

Ich habe keinen Stil. Nirgends in der Wohnung. Sieht alles zusammengewürfelt aus. Einheitlich ist nur die Wand mit der Bibliothek. Nur eine Sache, weil ich gerade dein Reservoir Dogs-Bild sehe, geht gar nicht: Bilder ohne Rahmen. Bei mir wird einfach alles gerahmt. Oder nicht aufgehängt.

Aber so langsam nervt es mich 😉

Montana
Montana

Hihi, ja. Gravis Gamepad? Hatte ich damals auch. War so ziemlich das einzige PC-Gamepad. Mit Gameport-Anschluss für die Soundkarte. 😀 Das D-Pad war aber Mist verglichen mit SNES oder auch PSX. Immerhin konnte man einen blauen Nuppsi draufschrauben als Mini-Joystick. Trotzdem besser als Analog-Flightsticks, damals offenbar das Eingabegerät der Wahl vieler PC-Spieler – neben der Maus natürlich.

Ansonsten: Jupp, unter der Tischplatte schnurrt der Tower. Laptop ist nur dritte Wahl unter den Rechenknechten, noch nach dem Smartphone. Und was Datenträger angeht, bevorzuge ich tatsächlich physische Datenträger. Aber gerade beim Gaming wird das immer sinnloser. Was nutzten mir DVDs, wenn ich das Spiel sowieso erst online aktivieren und gigabyteweise Patches laden muss? Also besser gleich zum Online-Vertrieb.

Was Innenausstattung betrifft habe ich bis heute weder Auge noch Ambitionen. Aber ohne Bett? Niemals!

An den Jahresangaben scheint was faul. 1997 Zorneding, 1,5 Jahre später Ysenburgstraße und wieder 1,5 Jahre an der Berliner Straße war es dann erst 1998? Und warum gab es 1997 kein Internet? Kein Provider im Ortsnetz? Also eher eine Frage des Preises als des Prinzips. Ich war 1997 mit „richtigem“ Internet eher ein Spätzünder im Freundeskreis. Usenet auf dem Amiga zähle ich mal nicht mit.

comicfreak
comicfreak

..ich schick dir nachher mal Fotos der ranzigen Ecke, die Junior mir in meinem Arbeitszimmer noch zugesteht.

Lars
Lars

Bei mir steht nach wie noch ein Tower unterm Schreibtisch, da mir Notebooks nicht leistungsfähig genug sind bzw. das Preis-/Leistungsverhältnis einfach nicht aufgeht. 32 GB Arbeitsspeicher bekommt man in Notebooks nur für extreme Preise (und 32 GB sind schon die untere Grenze, wenn man mit mehreren virtuellen Maschinen hantiert). Zudem kann man beim Tower bei Bedarf einfach aufrüsten ohne alles wegschmeißen zu müssen – ich habe zum Beispiel letztes Jahr meine Graphikkarte aufgerüstet und bin damit dann in der Hinsicht wieder für die nächsten Jahre gut aufgestellt. Dazu kommen dann noch drei Bildschirme, Halter/Ladestadion fürs iPhone, Laserdrucker (der aber vor sich hinstaubt) und Scanner.
Mein Notebook (in Form eines Surface Pro) ist wirklich nur das vierte Arbeitsgerät nach Desktop, iPad und iPhone (in der Reihenfolge).

Ich bin mir aber bewusst, dass ich da durchaus die Ausnahme bin, da ich Informatiker bin und auch privat gerne mit Technik arbeite (der Spruch „Mach Dein Hobby zum Beruf und Du musst keinen Tag mehr arbeiten“ stimmt bei mir an vielen Tagen wirklich ;)).