Es gibt gerade mal wieder eine Fehde, die ist zu saftig, um sich nicht drüber zu amüsieren. In kurz: Die erfolgreiche YouTuberin Elle Darby fragt bei einem Hotel an, ob sie dort kostenlos wohnen dürfe, wenn sie dann kräftig für das Hotel trommle – in Vlogs, auf Instagram, etc. Das Hotel reagiert unerwartet: man zeigt Elles Anfrage hämisch kommentiert auf Facebook und schwärzt ihren Namen (absichtlich?) so, dass er mit ein wenig Justierung der Helligkeit doch noch zu lesen ist.

Ein Shitstorm bricht los, Elle wird als geizig-gieriges YouTube-Miststück an den digitalen Galgen gehängt, das Hotel bringt sogar noch T-Shirts mit Nachtretereien raus. Nachzulesen ist eine brauchbare Zusammenfassung hier.

Egal, wie ihr zu der Sache steht – ihr macht es euch zu einfach. Weil es komplizierter ist. Und darum werde ich im Folgenden auch gar nicht versuchen, euch von meiner Meinung zu überzeugen – ich werde stattdessen aufzeigen, dass es kaum möglich ist, eine homogene Meinung zu haben. Ihr werdet oft das Wort „andererseits“ lesen.

Natürlich habe ich auch zuerst gedacht: Was für ein Würstchen, diese Elle! Man hört im Kopf die Kieksstimme der blondierten (und anscheinend auch sonst hergerichteten) „Influencerin“, wie sie empört kostenlos will, was unsereiner teuer bezahlen muss.

Man möchte sich über sie empören, weil es einfach ist. Weil sie ein Feindbild darstellt. Weil diese ganzen YouTube-Spacken außerhalb ihrer eigenen Blase primär dadurch auffallen, dass sie unfassbar narzisstisch und unter der gut gelaunten Oberfläche unsäglich empfindlich und empathielos sind. Sie sind der Mittelpunkt ihres Universums, die Welt da draußen existiert ausschließlich zur Bedienung ihrer hedonistischen und pekuniären Interessen. Diverse von ihnen wurden schon mit der Hand in der Keksdose erwischt. Überrascht hat mich das nicht.

Andererseits: Was Elle Darby anbietet, ist tatsächlich ein legitimer Deal. Sie hat knapp 100.000 Abonnenten auf YouTube, erreicht mehrere Millionen Menschen. Wenn sie ein Hotel empfiehlt, ist das durchaus auch für das Hotel lukrativ.

Full Disclosure: Ich selbst habe Motel One vor zwei Jahren mal angeschrieben, ob sie ein Vlog direkt aus ihrer Lounge zum Fantasy Filmfest sponsorn möchten – mit kostenloser Unterbringung. Wurde nichts draus.

So gesehen kann ich Elle schlecht vorwerfen, was ich auch gemacht hätte. Ich bin sogar ziemlich sicher, dass das Hotel in Dublin von dem Deal mehr profitiert hätte als Elle Darby. Das ist nicht exakt zu beziffern, aber es gibt Gründe, warum Firmen Stars kostenlos Kleidung, Autos und Schmuck zur Verfügung stellen. Und innerhalb der Social Media-Sphäre ist Elle ein Star. Kein großer, aber dennoch. Der Mechanismus, den sie zu nutzen versucht hat, ist weder neu noch unmoralisch.

Dachte ich.

Andererseits: Dann habe ich mir ihr erstes Video nach dem Shitstorm angesehen, in dem sie versucht, genau so zu argumentieren, wie ich es gerade getan habe – der relevante Teil kommt ab 2:06:

„I decided to contact some hotels, asking if they would like to collaborate. Basically, I go visit them, I stay in the hotel, I feature them on Vlogs, I put them on my Instagram, I talk about their hotel, I write a review, whatever – in return for a ‚discounted‘ or complimentary stay. Because that same hotel would not be able to go to a magazine, or to a billboard, or to a television advert, for a free… review in something that could potentially bring them a lot more business.“

Wem der Denkfehler nicht sofort auffällt, dem sollte zumindest auffallen, dass Elle vor dem Wort „review“ am Ende sichtlich stockt. Ich glaube, sie selbst hat den Widerspruch bemerkt, sich aber dann entschieden, ihn unter den Tisch fallen zu lassen.

Was Elle Darby hier macht und möchte, entspricht dem Selbstverständnis vieler YouTuber, nicht aber dem Selbstverständnis von Anbietern, PR-Agenturen und Presse. Um es ganz klar zu sagen: Wenn Elle im Gegenzug für eine kostenlose Übernachtung über ein Hotel schreibt, ist das kein Review. Es ist Product Placement. Weil sie natürlich nicht anbietet, ein neutrales Review zu schreiben, das je nach Experience sogar negativ ausfallen könnte. Sie bietet an, für das Hotel zu werben.

Elle Darby hat nicht etwa nur Social Media-Präsenz offeriert, wie sie behauptet – sie hat ihre Meinung, ihren Ruf und ihre Persona für ein Hotelzimmer angeboten. 200, vielleicht 300 Euro für den Ausverkauf jedes Anscheins von Integrität.

Es ist die hässliche Seite der YouTuber-Generation, dass sie als eigene Begeisterung ver-kauft, was letztlich ge-kauft ist. Beauty-Produkte, Klamotten, Hardware, Software, Reisen und sonstige Annehmlichkeiten. Die „Stars“ der Szene beweisen eine erstaunliche Resistenz gegen die banale Erkenntnis, dass ungekennzeichnete Werbung eben nicht dadurch legitimiert ist, dass „mir das Zeug echt total gut gefällt“. Es gibt einen Grund, warum es Agenturen gibt, die primär davon leben, die Social Media Influencer mit den großen Firmen zusammen zu bringen. Der Multiplikator ist groß, der Aufwand klein. Social Influence ist ganz banal – ein Werkzeug.

Andererseits: Ist das nicht Old Media-Denke? Wächst hier nicht eine Generation von Konsumenten heran, denen es schlicht egal ist, ob Bibi die Uhr selbst bezahlt oder vom Hersteller geschenkt bekommen hat? Und gibt es nicht YouTuber, die durchaus manchmal dem geschenkten Gaul kritisch ins Maul schauen?

Gibt es in so einem Fall überhaupt Täter? Wenn ja, wer sind die Opfer?

Aber zurück zum Fall Elle Darby.

Wenn die YouTuber-Generation nach meiner Erfahrung etwas noch mehr kennzeichnet als ihre Me-Me-Me-Mentalität, dann ist es die völlige Unfähigkeit zur Selbstkritik. Natürlich musste sich Elle nach ihrem Rechtfertigungsvideo einiges anhören. Und Gegenwind ist sie nicht gewohnt, weil sie in ihren eigenen Social Media-Kanälen ja nur Freunde und Follower hat.

Und wie reagiert sie auf den Gegenwind? Mit Trotz und Selbstmitleid, logo:

Für mich der geradezu surreale Teil – die totale Selbstüberschätzung:

„Although this situation has been tormenting for me in a way, I am glad that it’s helped bring the blogging, vlogging – whatever – community together in some way. Awareness has been raised about this industry. Many people interact with each other online, there have been a lot of good things to come out of this situation. That is what I am really thankful for.“

Ja, da kann man schon mal drüber lachen.

Andererseits: Erwartungsgemäß hat Elle Darby die üblichen Morddrohungen und persönlichen Beleidigungen erhalten, die eierlose hirntote Tastenratten in so einem Fall absondern, weil sich ihr Selbstwertgefühl ausschließlich darüber definiert, wie toll sie auf andere eintreten können. Gerade wer sich in die Öffentlichkeit stellt, wie auch ich es mit meinem Blog tue, ist dem anonymen Mob ausgesetzt. Ausgesetzt, nicht ausgeliefert – man muss, man kann lernen, mit Anfeindungen umzugehen.

Andererseits: Sogar die Hetze und die Häme lassen bei Elle die Kasse klingeln. Das Video mit der „verzweifelten“ Rechtfertigung hat bereits mehr als zwei Millionen Views. Nach meiner groben Kalkulation bekommt Elle allein dafür von YouTube um die 10.000 Euro überwiesen. Daraus folgt: Obwohl sie fest verspricht, das Thema ruhen zu lassen, hat sie ein monetäres Interesse am Shitstorm. Hass bringt Geld.

Und so bleibe ich etwas ratlos zurück. Was Elle gemacht hat, war nicht unüblich – sie hat sich vielleicht nur etwas ungeschickt angestellt. Was das Hotel gemacht hat, sollte wohl Integrität beweisen – wäre aber integrer gewesen, wenn man es nicht öffentlich ausgeschlachtet hätte. Elles Reaktion wiederum zeigt eine völlige Unfähigkeit, eigene Fehler zu erkennen oder Kritik als etwas anderes als Gemeinheit wahrzunehmen. Das ist aber nicht ihr Problem, sondern das Problem ihrer Generation. Aber vielleicht denke ich das auch nur, weil ich nach Elles Worten einer von diesen „Typen um… na ich sage mal… so, 50 Jahre“ bin, die das alles eh nicht kapieren.

Wie schätzt ihr die Angelegenheit ein? Wer hat Recht? Hat überhaupt jemand Recht?

NACHTRAG: Auch heise.de hat über die Angelegenheit geschrieben, für sich aber eindeutig die schuldige Partei identifiziert.



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Heino
Heino

Schwierige Frage. Ich habe bis vor einem Jahr in der Beschwerdestelle eines großen Hotelportals gearbeitet und weiß daher, was Hoteliers sich so alles gefallen lassen müssen, daher kann ich die abschlägige Reaktion des Hoteliers verstehen. Wer weiß schon, wie viele solcher Anfragen von schmarotzerhaften „Kunden“ der erhält? Aber die Art, wie er das in die Öffentlichkeit getragen hat, war in meinen Augen überzogen und boshaft. Auch „Menschen um die 50“, die für die Influencer-Kultur kein Verständnis haben (und dazu zähle ich auch), sollten sich ausrechnen können, dass sie so einen Shitstorm auslösen und die betreffende Person massiven Anfeindungen aussetzen. Da haben sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckert

Lothar
Lothar

Der „Skandal“ ging an mir vorbei. Ich werde mir aber den Namen des Hotels besorgen und sicherstellen, dass ich dort nie aus Versehen einchecken werde. Man mag die Anfrage von der Dame verurteilen, für falsch halten oder was auch immer. Diese Anfrage so in die Öffentlichkeit zu bringen, zeigt mangelnde Bereitschaft an Wahrung von Diskretion, wenn es dem vermeintlichen Eigennutz dient (den Namen durch den „Skandal“ in Umlauf zu bringen).

Aus dem gleichen Grund kaufe ich auch nichts beii einem bestimmten Elektromarkt, der seinerzeit (ist schon eine Weile her), in einer Tageszeitung das Bild von einer Überwachungskamera von einem seiner Filialen halbseitig als Werbung schaltete, auf dem eine derzeit als Werbefigur vom Media Markt agierende Schauspielerin zu sehen ist, wie sie gerade am Zahlen ist.

Ich dürfte nicht genug Celebritypotential aufbringen, als dass ich da mal auf einem T-Shirt oder in einer Werbeanzeige auftauchen werde, aber Firmen, die so auf die Privatsphäre ihrer Kunden pfeiffen, werden von mir vermieden.

Comicfreak
Comicfreak

..Hat irgendwie was von Dschungelcamp: keiner ist sympathisch und alle haben es irgendwie verdient..

Dietmar

Sie sägt jedenfalls schon mal kräftig an den Nerven.

Jake
Jake

Hass bringt Geld.

So ist es. Wurde in der Vergangenheit ja schon oft aufgezeigt, dass YouTuber, die durch geschmacklose Aktionen, Tabubrüche o.ä. einen Shitstorm losgetreten hatten, von erhöhten Klickzahlen und in den meisten Fällen auch deutlich gesteigerten Abo-Zuwachsraten profitierten. Das lässt sich natürlich auch auf die Welt jenseits von YouTube ummünzen. Schon Oscar Wilde wusste: „The only thing worse than being talked about is not being talked about.“

Im Endeffekt hat sich der Hotelier dem gleichen Mittel bedient. Durch das Bloßstellen der YouTuberin und dem damit einhergehenden Shitstorm hat das Hotel wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit bekommen, als wenn Elle Darby dafür geworben hätte. Was davon moralisch zu halten ist, steht wieder auf einem anderen Blatt.

DJ Doena
DJ Doena

Elles Hauptproblem war, dass sie auf einen Hotelbesitzer getroffen ist, der entgegen ihrer anderlautenden Behauptung eben nicht „keine Ahnung von Social Media“ hat. Der Typ hat sich vorher schon mit Veganern rumgetrollt. Das war also nicht sein erstes Schlachtfeld.

Und wie er in seiner ersten Antwort basierend auf them „Hi there“ richtig angenommen hat, hat Elle diese Mail nicht mal personifiziert aufgesetzt, sondern gleich mal als Massenmail rausgehauen in der vagen Hoffnung, dass ihr irgendein Hotel die 5 Tage für umme anbietet. Sieht man auch schön an dem von dir zitierten Teil: „I decided to contact some hotels“ – ich möchte nicht wissen, wieviele „some“ Hotels sie in Dublin angeschrieben hat. Ich könnt mir glatt vorstellen, dass sie alle angeschrieben hat, die eine Mindeststernanzahl hatten.

Und Elle mag zwar ein großes Following haben, aber wer sind die Personen? Relatistisch betrachtet weibliche Fans im Alter zwischen 10 und 20. Zumindest der überwiegende Großteil. Ob die das Geld und die Freiheit haben, in näherer Zukunft (in zwei Jahren würde sich eh niemand mehr an das „Review“-Video erinnern und in der Youtube-Historie ist es lange begraben) dieses Hotel zu besuchen.

Werbung um der Werbung willen macht nur Sinn, wenn der Sinn besteht, den Käufer jetzt zu einem Kauf zu überreden oder eine gewisse Markenbindung aufrecht zu erhalten – der Käufer kauft es sowieso, aber wenn er regelmäßig die Werbung sieht fühlt er sich besser für seine Wahl und das bindet ihn ein Leben lang.

Aus all diesen Gründen sehe ich nicht, warum dem Hotelbesitzer eine Collab wirklich geholfen hätte.

Der+große+Dharma
Der+große+Dharma

Hätte sich die Dame das Hotel/Cafe vorher genauer angesehen, wäre ihr aufgefallen, dass Provokation dort quasi zum Geschäftsmodell gehört.
Ob die schon erwähnten Veganer:

„Any vegans attempting to enter the café will be shot dead at point blank range.
While we wouldn’t usually kill any of our customers, as you say yourselves „meat is murder“, so it’s fair game if we murder humans as well as animals. There is clearly no difference.“

Oder das irische Amt gegen Diskriminierung, wegen eines Schilds mit der Aufschrift:

„Under 65s only! I.D. required!“

Oder das „Korkengeld“ für im Cafe stillende Mütter:

„Following a recent customer query, we would like to advise all patrons that breastfeeding is allowed in The White Moose Café. However, female guests who choose to give children their own milk, as opposed to ours, shall incur a corkage charge of €5.“

Das alles wurde von maximaler Medienpräsenz begleitet.
Nicht umsonst steht am Eingang auch ein großes Schild:

„WARNING! Customers with no sense of humour are advised to enter at their own risk. Management DOES NOT accept responsibility for hurt feelings.“

Wobei anscheinend jetzt weniger gegen die Einzelperson geschossen wird:

„Some of the comments the girl (who I have never once named) is getting on her Insta are horrible. I don’t condone these comments and I think it’s time people laid off her. Insult me all you like, but leave the girl alone. She fucked up. She’s learnt her lesson. The end.“

Sondern eher gegen die „Bloggergemeinde“ (#bloggergate, #bloggersunite):

„**THANK YOU BLOGGERS**

I’d just like to say a huge thanks to all the bloggers for their hard work over the past two days. The publicity you’ve given us is absolutely priceless. But don’t worry bloggers, your work won’t going unnoticed. It will be featured in my book ‘How To Get Worldwide Publicity Without Spending A Cent’. I’m even thinking of dedicating a full chapter to you guys, including screenshots of some of your most entertaining public tweets, Facebook posts and negative reviews. It will be some chapter!

Keep the hateful comments and reviews coming and, you never know, it could be you who is featured in the book.

Thank you bloggers, I really appreciate this.

Paulie

P.S. You’re still barred.“

Gruß
Dharma

Feivel
Feivel

Der Name kam mir gleich bekannt vor. Da haben doch bei beiden Parteien die Sektkorken geknallt, als das medial zündete.

invincible warrior
invincible warrior

Ich finde es wichtig zu betonen, dass der Hotelier NIE den Namen der Bloggerin bekannt gegeben hat, sondern das eben durch das Internet geschah, die die Tuse anhand ihrer Abozahlen und anderer Kommentare identifiziert haben wollten. Das wurde dann durch sie selbst mit dem React Video bestaetigt. Imo hat der Hotelier richtig gehandelt, indem er allgemein gegen solche Anfragen geschossen hatte, und eben unterschaetzt hat, dass man die Tuse anhand der nicht anonymisierten Teile identifizieren konnte.

Sigur Ros
Sigur Ros

Man könnte meinen, der Hotelchef hieße Basil Fawlty….

jimmy1138
jimmy1138

Aus dem Link zu Youtube Werbeeinnahmenberechnungen

„On Average the YouTube channel can receive $18 per 1,000 ad views. This equates to $3 – $5 per 1000 video views. “

Also das bezweifle ich doch etwas – das würde bedeuten, daß das Video bei jedem dritten Videoaufruf eine Werbung bekommt. Ich hab jetzt einen schnellen Test – kein Anspruch auf Wissenschaftlichkeit – gemacht und da ist in 40 Aufrufen hintereinander (don’t judge me) einmal eine Werbung gelaufen. Und selbst da hab ich das „Skip Ad“ gedrückt – soferne nicht mindestens eine halbe Minute vergangen ist, wird dann mWn auch keine Werbung ausgezahlt.
Socialblade gibt Schätzungen an, wo obere und untere Schätzung eine Zehnerpotenz auseinanderliegen, also in etwa ein Unterschied zwischen Hartz IV und gehobene Mittelklasse… Und gerade seit der Adpocalypse im vergangenen Jahr, merke ich doch, daß Youtuber vermehrt ihre Fans dazu einladen (teilweise sogar fast anbetteln), ihnen doch ein paar Kröten per Patreon zu schicken oder einen Amazon Affiliate Link zu klicken – durch Views verdient wohl alleine nur eine kleine Elite recht gut.

Daniel+Spiegelberg
Daniel+Spiegelberg

Elle hat eine legitime Anfrage geschickt, das Hotel hat abgelehnt. Bis dahin alles so weit so normal. Dann hat das Hotel, bzw. der eine Mensch, der da für zuständig ist, einen abfälligen FB-Kommentar bzw. -Beitrag gepostet. Unnötig, überheblich, kleingeistig. Dann hat Elle das wiederum kommentiert, und damit einen Haufen YT-Clicks generiert, und, wenn das so ist, 10.000$ damit verdient. In passiv-aggressiver, lamoyanter mi-mi-mi-Weise. Peinlich, vorhersehbar, eklig.

Das ist eine Betrachtungssweise.

Eine zweite geht so: Anfrage, Ablehnung. Posting auf FB, Gegen-Posting auf YT. Elle verdient damit Geld, Elle zu sein, und das Hotel, dessen Existenz 99% des Publikums bis dato nicht bekannt gewesen sein wird, hat die volle Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich mehr davon, als sie mit einem, *hust* Review von Elle erzielt hätte. Man ist Tagesgespräch. Zudem haben ein paar Millionen was, worüber sie sich aufregen können.

Kurzum: Alle freuen sich. Keiner hat einen messbaren Schaden erlitten. Was will man mehr?

Interessant fände ich, ob die Parteien mit dem jeweiligen Ergebnis gerechnet haben. Dann sage ich: Hut ab vor so viel Online-Sozial-Kompetenz, bzw. diesem ausgeprägten Geschäftssinn. Möglicherweise handelt es sich aber auch um egozentrierte Arschgeigen, die das Glück der Doofen haben. Wer weiß.

Michael

Zum Fall als solches möchte ich gar nicht viel sagen. Aber ich frage mich, nachdem ich in Elles Videos reingesehen habe, wer es sich regelmäßig antut, 10 Minuten (und mehr) anzusehen, bei denen alle paar Sekunden ein harter Schnitt erfolgt. Ich finde das einfach nur unglaublich anstrengend.

Wahrscheinlich bin ich für dieses ganze Influencer-Ding auch schon zu alt.

Dietmar

Ja, diese Schnitte machen das Ganze noch unerträglicher. Diese junge Frau geht mit ihrem affektierten Gehabe ganz schön auf den Keks. Und mich wundert ja, weil sie sonst sehr schneidefreudig ist, warum sie ihr Zögern vor „review“ nicht auch geschnitten hat.

Tantejay

Am Telepolis-Artikel stört mich vor allem, dass sie Darby’s „Vergehen“ vor allem an den Schleichwerbungs-Paragrafen im *deutschen* Gesetzbuch festmachen. Das ist bei einer UK-Bloggerin unzulässig. Soweit ich weiß, gibt es eine analoge Gesetzgebung in Großbritannien nicht.

Die Frage ist eigentlich nicht so schwierig zu beantworten, wie sie auf dem ersten Moment aussieht.

Was will ich?

Kostenfreien Urlaub? Dafür ein bisschen rumsülzen, wie großartig doch alles ist? Viel Spaß, wenn du Leute findest, die da mitspielen: Schönen Urlaub.

Aber dann ist jegliche journalistische Glaubwürdigkeit halt durch den Rauchfang.

Oder ich will ein journalistisch einwandfreies Blog machen (so einwandfrei wie möglich) – dann kann ich solche Stunts nicht bringen *oder* muss sie als Werbeeinblendungen kennzeichnen.

So oder so: Beides ist legitim. Und man kann auch eine Zeitlang versuchen, *ohne* das durch die Bloggerei zu kommen. Aber früher oder später fällt man halt auf. Und dann hat man einen veritablen Shitstorm am Hals und wird öffentlich an den Pranger gestellt.

Dietmar

Die junge Frau implodiert, leider ohne zu scheitern, wie es auch Onision, Logan Paul oder Social Repose geht. Ich meine, das liegt daran, dass hinter dem Gehabe keine Substanz steckt. Ist aber auch nicht unbedingt notwendige Voraussetzung für Erfolg, muss man leider sagen.

Sigur Ros
Sigur Ros

Erinnert mich irgendwie an Gamergate – die Dame kann sich ja der tollen Anti-Online-Harrassment-Organisation von Zoe Quinn anvertrauen.

Stefan
Stefan

Geht es eigentlich noch jemandem so wie mir?

Ich kann mir diese Videos nicht ansehen. Diese Schnitte mitten im Satz. Die spricht Sätze, die bestehen aus vier Videoschnipseln. Und was es total grauenhaft macht, ist, dass sich die Kamera dabei nicht bewegt. Man müsste manchmal zwei Mal hinschauen, um genau zu sehen, ob das ein absichtlicher Cut oder ein technischer Dropout war. Kann ja mal vorkommen, dass zwei oder drei Frames im Orkus landen.

Alleine diese Machart macht es mir unmöglich, dem zu folgen, was sie (vielleicht) zu sagen hat.

Wenn sie schon nicht anständig frei reden kann, dann soll sie sich halt ein Manuskript schreiben und sich gefälligst einen Teleprompter kaufen. Aber nicht so ein unprofessionelles Geschnipsel abliefern.

(Nebenbei: Was macht das eigentlich mit den Sehgewohnheiten von jungen Menschen, wenn sie sich ständig so einen zusammengestöpselten Müll ansehen? Sind die überhaupt noch fähig, einen Film wie 2001 – A Space Odyssey anzusehen? Filme mit langen Einstellungen, in denen kaum geredet wird? Filme, die bewusst so gestaltet wurden. Denn die labert einen einfach gnadenlos mit ihrem hirnlosen Gewäsch zu und das Mundwerk von dem Mädel wird man mal extra totschlagen müssen. Die labert ohne Punkt und ohne Komma.

Frank Zappa hat mal ein Lied gemacht, „I’m the Slime“. Weiter ging es „oozing out from your TV-Set“. Und das hier ist jetzt 35 Jahre später der Schleim, der unten aus dem YouTube raustropft.)

Mencken
Mencken

Schwierig zu beurteilen, ohne den Ablauf und die Form der Anfrage zu kennen oder zu wissen, ob da absichtlich schlecht geschwärzt wurde.

Hat auf jeden Fall nicht die falsche Person getroffen, aber wirkt insgesamt wie ein klassischer Fall von Selbstdarstellerin trifft auf Selbstdarsteller. Geschadet hat es beiden vermutlich letztendlich nicht.

Udo

Von daher frage ich mich, ob es vielleicht möglich wäre, dass die ganze Sache abgesprochen war…

Marcus
Marcus

„Wenn die YouTuber-Generation nach meiner Erfahrung etwas noch mehr kennzeichnet als ihre Me-Me-Me-Mentalität, dann ist es die völlige Unfähigkeit zur Selbstkritik. “

Also ist die Mentalität nicht nur „Me-Me-Me“, sondern auch „Mimimi“?

I’ll show myself out.

trackback

[…] Dietmar Kostenlos, aber nicht umsonst: Social Media Influencer als Produktparasiten […]

Michael
Michael

Sie hat sich einfach den Falschen ausgesucht. Er weiss, wie Social Media geht und spielt halt mit. Seine Sicht der Dinge: https://paulvstenson.com/2018/01/26/the-truth-behind-bloggergate/

Dietmar

Das war sehr unterhaltend, danke!

Der große Dharma
Der große Dharma

Defintiv sehr unterhaltsam, danke für den link.
Da ich null Ahnung von Marketing, Monetarisierung von Marktwerten etc. habe, hier eine Frage an jemanden der sich damit vielleicht besser auskennt: kommen die Zahlen, die Paul Stenson nennt ungefähr hin?

Gruß
Dharma

noyse
noyse

ich dachte immer für sowas nimmt man sich deswegen Agenturen die dann ein Haufen Hotel bereit halten die für ein bisschen Review solche Blogger frei unterbringen oder Rabatte geben. ich glaube aber auch das dieses rabatte holen in den usa und England viel verbreiteter ist (stichwort couponing) bei uns ja eher nicht. da kommt kaum jemand auf die idee beim preis zu verhandeln.

plumtree
plumtree

Ich bin ja einer von den alten Säcken über 50, die diesen Influencer Kram nicht mehr so recht verstehen.
Was ich aber gut verstehe, dass eine 22 jährige (ob man die nun mag oder nicht) auch das Recht hat mal auf die Fresse zu fliegen – und zwar ohne das sie hinterher komplett ohne Hosen dasteht.
Will sagen, in dem Alter macht man mal Fehler, legt sich mit dem Falschen an usw.
Daraus nun eine solche Riesengeschichte mit Shitstorm und sozialer Ächtung zu machen scheint mir ein unangemessen hoher Preis zu sein.

Mir fällt zunehmend auf, dass die Fehlertolerant im Netz inzwischen gegen Null tendiert. Wer nur minimal falsch liegt, egal bei was oder ob es nur von einigen für falsch gehalten wird, benötigt schon ein sehr dickes Fell und erlebt einen „Shitstorm“ der den Tatbestand der Beleidigung und Ehrabschneidung oft in hohem Mass erfüllt.

Karsten
Karsten

Das Batband-Video ist mit einem Timestamp *hinter* dem eigentlichen Review verlinkt. Passiert mir auch gerne, daher der Hinweis 🙂