Schon wieder schreibe ich über die Konsole, über die gar nicht mehr schreiben wollte – und es ist immer noch ein „work in progress“. Diesen finde ich allerdings so spannend, dass ich euch die neusten Entwicklungen nicht vorenthalten möchte.

Als wir das letzte Mal vom SNES Classic Mini gesprochen haben, hatte ich gerade haufenweise Spielautomaten-Games auf der Konsole zum Laufen gebracht. Es fiel angesichts der Speicher-Beschränkung auf 256Mb folgende Aussage:

„Es ist eine vergebliche Hoffnung, aber eine Erweiterung des SNES Classic Mini um nur 1 Gigabyte Speicher – das wär’s.“

Außerdem äußerte ich Verdruss, dass sich mein großartiger USB-Arcade Stick nicht an die Konsole plömpeln ließe, wo er bei Kampfspielen gute Dienste leisten könnte:

Seither sind genau vier Wochen ins Land gegangen – und alles, was ich dazu geschrieben habe, ist praktisch Makulatur. Den fleißigen Moddern und diesem preiswerten Stück Hardware ist zu verdanken, dass das SNES Classic Mini noch mal einen echten Quantensprung macht:

Ich schreibe auch deswegen darüber, weil die Konsole in diesen Tagen wieder im Handel verfügbar sein soll und es keinen Grund gibt, a) sich in den Schlaf zu weinen oder b) Abzockern bei Ebay ein Vielfaches des eigentlichen Kaufpreises abzudrücken.

Um es auch Laien verständlich zu machen, erkläre ich die möglichen Modifikationen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden.

Level 0

Die Konsole „out of the box“. 21 Spiele, fast alles Klassiker. Reicht alleine schon, um für SNES-Enthusiasten den Preis zu rechtfertigen. Einstöpseln, spielen.

Level 1

Der Kernel der Konsole wird mit Hakchi manipuliert und ermöglicht die Hinzunahme weiterer Spiele aus dem SNES-Katalog. So kann man seine persönliche „Playlist“ zusammen stellen. Dürfte man auch als ungeübter Fan in ein paar Minuten schaffen.

Level 2

Man spielt neben dem neuen Kernel so genannte hmods auf, die es ermöglichen, andere Systeme zu emulieren. Das können Konsolen wie das Atari VCS oder die Sony Playstation sein, aber auch Automaten aus der Spielhalle und die verschiedenen Versionen des Gameboy. Etwas Fummelei ist nötig, etwas Geduld, also sollte man sich einen Nachmittag dafür Zeit nehmen.

Level 3

Hier wird’s interessant. Man kann seit Neustem mit dem oben gezeigten Adapter den eigentlich nur zur Stromversorgung gedachten USB-Port um ein Hub mit weiterer Hardware erweitern. Und tatsächlich kann das SNES Classic Mini einen USB-Stick in diesem Hub als externen Speicher erkennen! Das bedeutet, dass es keine nennenswerte Grenze mehr gibt, wie viele Spiele man in die Konsole einspeist. Full Motion Video, CD-Soundtracks, gigabytegroße Spielewelten? Kein Problem.

Es braucht allerdings Zeit und noch mehr Geduld, das alles hinzubiegen. Die Software ist noch nicht sehr komfortabel zu nutzen und ich würde Laien abraten, sich daran abzurackern. Patton hat ein gutes Video produziert, wie man sich das vorstellen muss:

Da der Speicherplatzbedarf der Spiele nun keine Rolle mehr spielt, kommen auch Arcade-Games und Konsolen in Betracht, die vorher gar nicht startbar waren. Das ermöglicht, die Hardware des SNES Classic Mini vollends auszureizen. Dass die kleine Kiste mehr kann als Super Mario Brothers, haben wir ja schon gesehen:

Aber selbst damit sind die Möglichkeiten, das SNES Classic Mini zu modden, noch nicht ausgereizt. Zuerst einmal rumort es in der Szene, dass die Verwendung des USB-Hubs in eine neue Version von Hakchi direkt eingebaut werden soll. Das würde die Nutzung auch für weniger begeisterte Frickler nachvollziehbar machen.

Level 4

Der nächste Schritt wird sein, an die verbleibenden USB-Ports weitere Hardware anzuschließen, um jene Spiele zum Laufen zu bringen, die bisher an dem limitierten SNES-Controller scheiterten. Eine Maus, eine Tastatur, ein Arcade Stick, ein Trackball? Theoretisch alles möglich. Kyle hat bereits die Spiele auf dem NES, die eine Lichtpistole brauchen, erfolgreich auf Mausbetrieb umgestellt:

Das SNES Classic Mini wird immer mehr zum reinen Hardware-Kern, der mit neuer Software, neuen Controllern und externem Speicher zu einer ultimativen Emulations-Konsole ausgebaut wird. Ich kann damit praktisch meine gesamte Gamer-Jugend am HD-Fernseher bequem nachspielen. Und mittlerweile wage ich gar keine Voraussage mehr, was die Grenzen des Systems angeht.

Ich bin so besoffen von den Möglichkeiten, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, nach dem nächsten großen Update erstmals ein eigenes YouTube-Video zu diesem Thema zu produzieren.

Wer nicht ganz so begeistert davon ist, sich das SNES Classic Mini in Handarbeit aufzubohren, der kann auch ein fertiges System auf Raspberry Pi-Basis mit Arcade-Stick kaufen. Kostet um die 150 Euro, also vergleichbar mit dem SNES Classic Mini samt USB-Hub und Arcade-Stick. Dann ist man zwar erstmal auf die vorab installierten Spiele festgelegt, aber für Retro-Feeling im Partykeller reicht das allemal:

Eigentlich hatte ich vor, mein SNES Classic Mini zu Weihnachten preiswert an einen meiner Leser zu verhökern. Das könnt ihr vergessen. Das Ding ist und bleibt MEINS, zumindest so lange, wie die Modderszene immer wieder neue Fertigkeiten aus der kleinen Konsole kitzelt…



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Kaio
Kaio

Was ein Zufall, eben beim Wochenendeinkauf bin ich nochmal in den örtlichen Elektro-Markt um mir eine Steckdosenleiste zu kaufen. Und was sehe ich da im Regal einfach so rumliegen nachdem er so lange nirgends zu bekommen war? Genau, ein SNES Classic Mini. Konnte nicht widerstehen und hab ihn direkt mitgenommen. Und passend dazu jetzt hier der Artikel. Schicksal? 😀

Nune
Nune

Ich finde das Thema auch spannend. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Aber so langsam scheint das so kompliziert zu werden… mit dieser ganzen Peripherie in Form von USB-Adaptern… dass es fast auch wieder ein leicht angepasster Mini-PC mit entsprechenden Emulatoren tun könnte. Das Flair geht vielleicht etwas verloren. Von der technischen Seite ist das natürlich trotzdem sehr beeindruckend.

Marko

@ Nune: Genau deshalb hab ich mir einen Extra-Emulatoren-PC mit ordentlicher Geforce-Grafikkarte zusammengestellt, da emuliere ich quasi alles drauf, was irgendwann mal spielbar war (und mich interessiert). Zudem hab ich mir für viele Systeme die entsprechenden Controller besorgt (bzw. USB-Versionen davon) – der große Arcadestick ist eine tolle Sache, aber an einen n64-Emulator gehört ein n64-Pad, an den c64 der Competition Pro, usw. usf. Die meisten Controller sind dazu kabellos, so dass ich sie schick an die Wand hängen kann. Bei Bedarf aktiviere ich sie einzeln per USB-Hub, in dem die entsprechenden Empfangsgeräte stecken. Nachdem ich mich auch schon mit diversen Hardware-Emulatoren beschäftigt hatte, ist diese PC-Station für mich am befriedigendsten und einfachsten, auch, weil sie leistungstechnisch bei keinem der emulierten Systeme auch nur hakelt. Und die Controller an der Wand sind wunderschön. 😀

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Ha, diese fetten Arcade-Sticks mit x-hundert vorinstallierten Spielen gab es in Hongkong zuhauf, aber aufgrund der Größe und des Gewichts waren die leider keine Kaufoption 🙁
Das Mini-SNES gab es hingegen bereits mit 400 vorinstallierten Spielen zu kaufen XD

dopey
dopey

Ich freu mich, dass du wieder über das SNES Mini schreibst. Bitte halte uns weiter auf dem Laufenden! 🙂