Der respektierte Herr Niggemeier Stuckmann hat bei Übermedien eine unfassbare Fleißarbeit geleistet und sich mit der totalen Unübersichtlichkeit und Tranigkeit der Mediatheken von ARD und ZDF auseinander gesetzt. Jeder, der schon einmal durch die abgabenfinanzierten digitalen Korridore geirrt ist, wird ihm zustimmen. Kein visuelles Konzept, keine Userführung, keine nachvollziehbaren Strukturen. Es lässt sich kaum bestreiten: müssten die Angebote verkauft werden, hätte man das ganz anders gemacht. Aber hier ist der Kunde ja nur Untertan, der soll froh sein, dass er überhaupt was jenseits der Mattscheibe anschauen darf.

Nun ist das nicht exklusiv das Defizit von ARD und ZDF: Mein Versuch herauszufinden, welche Angebote aus den Thementagen zum Deutschen Film im Dritten Reich ich bei arte aktuell noch einsehen kann, ist kürzlich spektakulär gescheitert.

Das ist sehr schade, denn wenn man sich mal durch das Archiv wühlt, findet man viele, viele interessante Sendungen. Die Mediatheken sind wie Delikatess-Supermärkte, die ihre Ware verstecken.

„Wenn’s da nich steht, ham wa’s auch nich, wa?“

Ich selbst bin mittlerweile dazu übergegangen, im Zweifelsfall alternative Web-Angebote zu nutzen, um Sendungen zu finden und sogar herunter zu laden. Das kann doch nicht im Sinne der Erfinder sein.

Wenigstens hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer in der Talkshow „mal ehrlich…“ in Aussicht gestellt, dass Inhalte deutlich länger und breiter aufgestellt verfügbar sein sollen. Ich erwarte eigentlich, dass die öffentlich-rechtlichen Sender damit anfangen, in der digitalen Sphäre eine Art Klassiker-Sparte mit Kultsendungen aus den letzten 70 Jahren aufzubauen. Wofür haben sie denn die Sender-Archive voll bis unter die Dachkanten?!

Nun muss man aber auch loben können, wenn Lob angemessen ist. Schon hinter den Kulissen der eben genannten Talkshow erwähnte der SWR-Intendant Boudgoust, dass man auf die neue ARD-Audiothek verweisen könne, die Beiträge der ÖR-Radiosender unter einen Hut bringe. Weil Radiosendungen in der Regel noch weniger Publicity bekommen als TV-Programme, habe ich mir die app auf dem iPhone installiert.

Und ja – da ist viel Schönes dran. Die ARD hat sich sehr augenscheinlich an den Angeboten der BBC orientiert. Hier findet man jede Form von Radiounterhaltung übersichtlich sortiert, ob man nun Nachrichten, Hörspiele, Comedy oder Features hören möchte. Alle notwendigen Informationen sind auf einen Blick erkennbar, Sendungen lassen sich auch offline speichern, sogar die von mir oben geforderten Archiv-Aufnahmen sind präsent. Da kann man fix mal reinhören oder gleich einen ganzen 10 Kilometer-Lauf mit überbrücken.

Auch hier gilt: Wer sich einlässt, ein wenig stöbert, keine Schwellenangst hat, der wird überrascht sein, wie breit und durchweg interessant das Angebot ist. Die Audiothek ist eine gute Visitenkarte und Existenzberechtigung eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Es wäre zu wünschen, dass die Audiothek nicht nur Radiofans begeistert, sondern auch Gelegenheitshörer und jüngere Zielgruppen, die erkennen, dass hier jenseits von YouTube und Netflix ganz viel Futter für die grauen Zellen winkt. Tatsächlich gestehe ich, dass die Recherchen für diesen Beitrag meine Meinung zum Thema ÖR ein wenig justiert haben: da steckt mehr drin, als man meint. Zu schade, dass es oft nicht angemessen präsentiert wird.

Müsste ich meckern, dann würde ich vielleicht anmerken, dass ich nicht ganz verstehe, warum es die Audiothek nur als app gibt und nicht als normales Web-Portal. Warum sollte ich daheim am Rechner mein iPhone anschalten müssen, um das übersichtliche Angebot zu nutzen?

Hört mal rein – ich will eure Meinung wissen!



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Spandauer
Spandauer

Als Autor bei Übermedien wird Stefan Stuckmann und nicht Stefan Niggemeier genannt.
Ansonsten finde ich die Kritik an den Mediatheken etwas übertrieben, es ist nicht immer ganz einfach etwas zu finden, aber es geht.
Bei der ARD kann man z.B. die Sendungen der Vortage relativ einfach finden.

comicfreak
comicfreak

ich lad mir mal die gesammelten Tatort-Hörspiele runter..
Aber dieses händische Suchen ist wirklich die Pest und statt des download-Buttons kommen drei Anleitungen ^^

dopey
dopey

Der Inhalt hinter dem Link „interessante Sendungen“ wurde mittlerweile depubliziert. 😉

Hendrik

Ich persönlich mag die ARD Audiothek zwar, aber warum zum Teufel gibt es bei den Hörspielen nicht die Hörspiele von NDR Info? Da lief gestern Abend zB Fräuleins Smillas Gespür für Schnee. Wollte ich mir nun heute über die Audiothek anhören – aber Pustekuchen. NDR Info hat nur seine „seriösen“ Formate da mit drin und die „NDR drama Box“ enthält anscheinend nur die Hörspiele von NDR Kultur, nicht aber die Krimi Hörspiele von NDR Info. Das ist wieder typisch Mediatheken-Chaos der ÖR.