Es wird ein neuer Kleiderschrank von der Spedition angeliefert. Zuerst einmal verpackt für den Keller – der alte Kleiderschrank ist noch nicht abgebaut und verschifft. Dummerweise müssen die beiden starken Kerle deshalb die großen Pakete ächzend die Kellertreppe runter wuchten. Ich stehe daneben, froh über meine Position als Supervisor ohne Tragepflicht.

Was dann passiert, lässt sich erschreckend akkurat mit dem Titel eines alten Disney-Films umschreiben:

In der Tat höre ich zuerst ein hässliches Knirschen, dann ein lautes Zischen – und im nächsten Moment wölkt die Apokalypse aus dem Keller nach oben ins Treppenhaus. Wütend weiß wabert es mir entgegen. Gas? Wasserdampf? Frühnebel?

Wir evakuieren sofort die Lokalität, ich rufe meiner Frau zu, sie soll Notdienst und Hausbesitzer informieren. Mit einer Mischung aus Todesverachtung und Dummheit, die nur echte Männer auszeichnet, schnappe ich mir eine Rolle Panzertape, halt den Atem an und kämpfe mich in das Inferno. Vielleicht gibt es ein Leck, das ich stopfen kann. Vielleicht werde ich dabei umkommen und man wird eine Straße nach mir benennen. Zuerst einmal reiße ich aber die Tür zum Heizungskeller und von dort in den Garten auf, um Durchzug zu schaffen. Vorne aus der Haustür, hinten in den Garten schießt nun eine Staubfontäne, die auf eine mittelschwere Explosion schließen lässt. Es steht zu erwarten, dass irgendein Nachbar die Feuerwehr rufen wird.

Auf der Suche nach der Quelle des Chaos stelle ich fest, dass das Zischen nachgelassen hat. Die Wolken wolken zwar noch, werden aber nicht mehr von unsichtbarer Hand gestoßen, sondern nur noch vom Durchzug geschaukelt. Bevor mir der angehaltene Atem entgültig ausgeht, entdecke ich neben der Wand und einem der Schrankpakete etwas, das Otto Waalkes in einem Sketchklassiker mal eine rote Trompete nannte.

Ich wusste nicht, dass wir einen Feuerlöscher haben.

Haben wir jetzt auch nicht mehr.

Wie es aussieht, hat der Packer das Schrankteil so unglücklich auf den Feuerlöscher gekantet, dass bei dem alle Sicherungen abgebrochen sind und er seinen Inhalt aus mehreren Kilo Löschpulver eilends in die Gegend gehustet hat. Wäre es nicht so ärgerlich, dass nun das Kellerabteil und Teile des Treppenhauses von Pulverschnee überzogen sind, wäre ich ob der flächigen Abdeckung rechtschaffen beeindruckt. Das Ding hat seinen Job gemacht. Ungefragt und unnötig vielleicht, aber immerhin.

Nach vier, fünf Minuten legt sich der Nebel. Zurück bleibt cremeweißer Staub auf wirklich allem, meine Haare inbegriffen. Ich bin ehrlich dankbar, dass ich meine Sammlung von Original-Artworks im Keller mit einer Plastikfolie abgedeckt habe. Die hätte leicht Schaden nehmen können.

Ich beruhige die LvA – weder den Notdienst noch den Hausbesitzer braucht es. Die Packer, die verunsichert und schuldewußt im Treppenhaus stehen, bitte ich, ihre Arbeit zu beenden und dann erleichterten Gewissens heimzufahren. Ein Drama, sicherlich, aber deshalb lange noch kein Drama. Ich schreibe eine kurze Mail an die Nachbarn und den Vermieter, was passiert ist und dass wir uns um die Beseitigung des Löschpulvers kümmern werden. Die LvA holt bereits den Staubsauger und zwei Ersatzbeutel. Nach einer halben Stunde ist der Keller soweit begehbar, dass ich an eine Dusche denken und der Putzfrau eine SMS schicken kann. Sie wird heute eine Extraschicht einlegen.

Ein wenig enttäuscht bin ich über den Mangel an tatü-tata. Keiner der Nachbarn hat reagiert, keiner hat die Feuerwehr gerufen oder wenigstens zum Gaffen vorbei geschaut. Als wären Staubfontänen, die urplötzlich aus einem Hauseingang schießen, Alltag in Baden-Baden. Move along, nothing to see here.

Wir haben hatten einen Feuerlöscher. Man lernt nicht aus.



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noyse
noyse

hoffe du hast keine teuren elektronischen Geräte im Keller. Das Pulver kriecht überall rein, in der regel sind die eingepulverten Geräte hin.

hilti
hilti

Oha, dann mal hoffen, dass die Heizung nicht auch eingenebelt wurde.

Daniel+Spiegelberg
Daniel+Spiegelberg

Alta! Aus Deinem Keller quillt eine Wolke unklarer Zusammensetzung hervor. Du hast keine Ahnung, um was es sich da handelt. Und Dein Plan ist es, mit angehaltenem Atem und einer Rolle Panzerband nach dem Rechten zu sehen? Geht’s noch? Du hattest keine Ahnung, um was es sich da handelt. Es hätte sonst was sein können. Gas, zum Beispiel. Eine Minimal-Induktion durch Deine Schuhe hätte das Haus in Schutt und Asche gelegt, Dich und die LVA und die Möbelpacker gleich mit. Wäre es eine geborstene Heißwasser-Leitung gewesen, hätte der Dampf dir mühelos das Gesicht vom Schädel gepellt. Dewi! Die Welt ist größer als Du! Für derlei gibt’s die Feuerwehr. Was war’s? Depperter Heldenmut? Falscher Machismo? Oder einfach nur Todeswunsch? Falls Letzteres, da hat der Onkel Doktor tolle Pillen gegen. Mann! Ein Soppaman-Tattoo auf dem Arm macht keinen Mann aus Stahl aus Dir. Wenn ich Deine Ehefrau wäre, würde ich Dir jetzt noch den Arsch versohlen. Stundenlang. Mit wachsender Begeisterung. Du wirst hier noch gebraucht!

Robert
Robert

>Gas: Unwahrscheinlich, ist nicht weiß, sollte den „Gasgeruch“ haben.
>Heißwasserleitung: Hätten die Möbelpacker vor Torsten gemerkt.
weitere vorschläge?

Oschmie
Oschmie

Du wirst es inzwischen selbst gegoogelt haben aber da die Dinger immer noch im Supermarkt angeboten werden: Pulverlöscher gehören nicht in geschlossene Gebäude, es sei den als Vorstufe für den Abriss. Die Kollateralschäden sind enorm. Als Alternative bietet sich ein Schaumlöscher an. Ich hoffe, das geht glimpflich für euch ab.