Südkorea 2017. Regie: Jung Byung-gil. Darsteller: Kim Ok-bin , Kim Seo-hyeung, Shin Ha-kyun, Sung Jun, Jo Eun-ji

Offizielle Synopsis: Sook-hees Kindheit als traumatisch zu bezeichnen, ist stark untertrieben. Kein Wunder, dass sie sich zu einer wahren „Crazy Bitch“ entwickelt! So erregt die junge Frau die Aufmerksamkeit einer geheimen Regierungsbehörde, die sie zwangsweise zur Profikillerin ausbildet. Der nicht verhandelbare Deal: „Du tötest zehn Jahre lang jeden, den wir dir auf die Abschussliste setzen, dann erhältst du die Freiheit.“ Vorher jedoch erhält Sook-hee eine neue Identität samt Gesichts-OP und gnadenlosem Drill. Wieder auf die Menschheit losgelassen (im wahrsten Sinne des Wortes), trifft sie unerwartet auf zarte Gefühle und alte Widersacher.

Kritik: Ich geb’s zu – mit den letzten drei Kritiken habe ich mir erheblich zu viel Zeit gelassen. Das Problem: Der Post-Festival-Crash. Während es im Verlauf des Festivals einfach ist, fünf Reviews am Tag rauszuhauen, fällt man hinterher schnell in ein Loch. Was man bis dahin nicht geschafft hat, bleibt liegen. Weil man die Schnauze voll hat.

Aber natürlich wollen auch die letzten drei Filme besprochen werden, zumal ich damit tatsächlich meinen Festivalrekord brechen werde – 52 Filme in toto. Geile Sache. Morgen schreibe ich dann auch noch einen abschließenden Kommentar zum Festivaljahr 2017 und update meine Masterliste.

Fangen wir mit „The Villainess“ an, einer Neuauflage des „Femme Nikita“-Plots, der ja in den 90ern schon US-Remakes, Hongkong-Remakes und gleich zwei TV-Serien nach sich zog. Die Mechanismen sind bekannt, die zur Killermaschine ausgebildete Frau bekommt irgendwann Gewissensbisse und der Ausstieg aus dem Mordsgeschäft ist mit hohem Bodycount verbunden.

Die größte Enttäuschung ist, dass „The Villainess“ dem Motiv nichts Neues hinzu zu fügen hat. Der Film hakt pflichtschuldig sowohl die Plot Beats als auch die emotionalen Checkpunkte ab, wirkt selbst in den melancholischen Szenen nicht mehr als pflichterfüllend. Haben sich weder die Welt noch das Kino in den letzten 20 Jahren ausreichend verändert, um der Story ein paar neue Wendungen zu spendieren?

In technischer Hinsicht ist der Streifen sein eigener bester Freund und sein schlimmster Feind. Regisseur Jung Byung-gil inszeniert die Action knallhart, in dem er die Fights und Shootouts nicht zu Tode schnippelt, sondern mit einer hyperkinetischen Kamera permanent dabei bleibt. Das sorgt gleichzeitig für Irritierung und Übersicht beim Zuschauer und verleiht „The Villainess“ in Sachen Spektakel eine erstaunliche Dynamik.

Leider wird der Rest des Films dafür durch den Mixer gejagt. Ständig und für den Zuschauer undurchschaubar wechseln die Zeitebenen, uns unbekannte Figuren tauchen auf und ab, zwei zu ähnliche Handlungsstränge werden parallel erzählt, während unsere Protagonistin von zwei verschiedenen Darstellerinnen verkörpert wird. Das macht einen eigentlich relativ straffen Plot völlig konfus und nimmt immer dann, wenn „The Villainess“ den Fuß vom Gas nimmt, jeden Vorwärtsdrang aus der Dramaturgie. Statt abzubremsen kommt der Film zum Stillstand, man quält sich durch endlose Szenen schweigender Figuren in austauschbaren Locations.

Kurzum: Ich kam nie wirklich in den Film rein und wollte bald wieder raus.

Fazit: „Femme Nikita“-Variante, technisch auf der Höhe der Zeit, aber erzählerisch konfus und dafür mit 129 Minuten einfach erheblich zu lang. Angesichts der vielen, vielen bereits existierenden Versionen dieses Stoffes überflüssig wie ein Kropf und nur dank einer gewissen Dynamik in den Actionszenen mit 4 von 10 Punkten im gelben Bereich.

Fragt Philipp: „Gut choreographierte Kämpfe, ein paar interessante Wendungen. Gut gemachter Actionstreifen.“



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