USA 2017. Regie: Trey Edward Shults. Darsteller: Joel Edgerton, Riley Keough, Kelvin Harrison Jr., Christopher Abbott, Carmen Ejogo

Offizielle Synopsis: Wie weit würden wir gehen, um unsere Familie zu beschützen? Sehr weit, wenn man der von Joel Edgerton entschlossen und massig dargestellte Paul ist, der für sich und die Seinen eine Hütte im Wald zur Trutzburg ausgebaut hat. Sie soll einen tödlichen Virus und die von ihm Befallenen draußen halten. Doch nicht das Leben ist das höchste Gut oder der schlimmste Verlust der Menschheit. Vielmehr ist es das Vertrauen in andere, oder eben die Angst davor. Ob die Gefahr also von außen oder von innen kommen mag, spielt letztendlich keine Rolle mehr. Aber sie kommt in der Nacht.

Kritik: „It comes at night“ kam (überraschend) nicht nur nachts, sondern auch wieder mal mit der Empfehlung der Veranstalter. Warning, Will Robinson, Danger!

Machen wir es zum Abschluss des Filmfestival-Marathons nicht gar noch lang: Der Film ist ein müdes Drama nicht über die globale und tödliche Epidemie, sondern über den Verfall der sozialen Strukturen, über die immer kleiner werdenden Sphären und über den schließlich finalen Akt der Menschheitsgeschichte. Die Infektion und die Infizierten sind dabei wieder mal nur Aufhänger, nicht aber Fokus der Geschichte.

Nun haben wir Dystopien über im Wald vor sich hin siechende zivilisatorische Überbleibsel auf dem Festival wahrlich genug gesehen, und die Idee von „It comes at night“, sich auf die Paranoia und die Angst zu konzentrieren, generiert nicht genug Eigenantrieb, um dem Subgenre wieder etwas Schub zu geben. Wir schauen halt 90 Minuten zwei Restfamilien zu, die in einer hoffnungslosen Situation sich selbst zum Feind werden. Mit erwartbaren Ergebnissen.

Und hätten wir das nicht auf dem Festival jedes Jahr in zwei bis drei Varianten – „The Walking Dead“ hat die Prämisse in diversen Staffeln und Dutzenden von Episoden wahrlich ausgiebig durchgekaut. Dass nach dem Zusammenbruch kaum noch soziale Strukturen erhalten werden können – wir haben es kapiert.

So mäandert „It comes at night“ vor sich hin, trübsinnig und antriebslos, düster und frei jeder Hoffnung. Es kommt, was kommen muss – und dann der Nachspann. Die Anwesenheit von Joel Edgerton und Elvis-Enkeltochter Riley Keough sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass in Sachen Budget und Aufwand nur mit Wasser gekocht wird. Action oder nennenswerten Splatter darf man auch nicht erwarten. Es ist ein Drama. Im Wald. Über den Zerfall der Familie.

Fazit: Dröges und gänzlich ohne Überraschungen inszeniertes Stubenstück mit wenigen Darstellern und noch weniger Ideen, aus dem ausgelutschten Subgenre noch etwas Saft zu quetschen. Ein Film nur für Komplettisten des Themas „Survival im Wald nach der Apokalypse“ – wenn es die denn gibt. Angesichts der darstellerischen Leistungen gerade noch 3 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Zum einschlafen langweilige erste Hälfte. Danach passiert zwar etwas, aber nichts, das mich auch nur ansatzweise interessiert hätte. Zumal wir das alles schon hatten.“



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