GB 2017. Regie: Johannes Roberts. Darsteller: Matthew Modine, Mandy Moore, Claire Holt, Yani Gellman, Chris Johnson, Santiago Segura

Offizielle Synopsis: Hai-Alarm im Tropenparadies! Eigentlich wollten Kate und Lisa bei ihrem Mexikotrip einfach nur die Sau rauslassen und sich vielleicht noch einmal selbst beweisen, dass sie keine Langweiler sind. In feuchtfröhlicher Feierlaune entscheiden sich die beiden dann vor Ort aber natürlich genau für die falschen Jungs, den falschen Ausflug und das falsche Boot, um ein wildes Abenteuer zu erleben. Was als Käfigtauchgang runter zu einer Gruppe zähnefletschender Haie beginnt, wird so schnell vom Urlaubshighlight zum Horrortrip ihres Lebens. Denn – ihr ahnt es – 47 Meter unter dem Meeresspiegel stranden unsere Mädels und sitzen in ihrem rostigen Tiefseegefängnis fest.

Kritik: Johannes Roberts ist ein Regisseur, den ich zugleich liebe und hasse. Ich liebe die Tatsache, dass er seit Jahren zuverlässig durchaus abwechslungsreiche B-Thriller abliefert, die eine große Liebe zum klassischen Terrorkino zeigen – auf dem FFF war er mit „F“ und „Storage 24“ vertreten. Zusammen mit „47 meters down“ hat er damit drei sehr unterschiedliche Filme präsentiert, die auf jegliche postmoderne Horror-Hipness verzichten und stattdessen auf reduzierte Szenarien, gute Darsteller und klassische Suspense setzen.

Das Problem? Roberts ist kein guter Regisseur und obwohl er die Mittel und Mitstreiter hat, kleine Perlen zu produzieren, kommen am Ende meistens nur halbgare Pseudo-Schocker dabei raus, die in der Theorie besser funktionieren als in der Praxis.

Allerdings ist „funktionieren“ ein relativer Begriff: „47 meters down“ bekam in den USA einen vergleichsweise breiten Kinostart und konnte mit 44 Millionen Dollar erstaunlich gut abräumen – im Verhältnis von Budget zu Einspielergebnis hat er sogar den ähnlich gelagerten Studiofilm „The Shallows“ übertroffen. Kein Wunder, dass uns nächstes Jahr „48 meters down“ erwartet (not kidding!).

Leider zeigt „47 meters down“ genau die Probleme der früheren Roberts-Filme. Aber fangen wir mit den positiven Aspekten an: es ist nicht „Sharknado“. Überhaupt ist es kein billig zusammen geschusterter Schlonz im Aylum-Stil, in dem drittklassige Knallchargen von dilettantischen CGI-Haien gefrühstückt werden. „47 meters down“ nimmt sein Szenario ernst wie „Open Water“ und „Jaws“ und sich die Zeit, seine beiden Protagonistinnen so ausführlich zu etablieren, dass uns ihr Schicksal tatsächlich schert.

Für einen Film dieser Preisklasse sind die Hai-Attacken wirklich gut gemacht, die Übergänge von Stock Footage zu CGI fließend und niemals störend. Manch einzelner „quick cut“ lässt den Zuschauerpuls adäquat hochschnellen, besonders gegen Ende.

Nicht unterschätzen sollte man auch die Wirkung der kristallklaren Kameraarbeit, die den Film deutlich teurer wirken lässt, als er eigentlich war. Die Unterwasserszenen sind zugleich authentisch (auch wenn größtenteils im Tank gedreht wurde) und absolut transparent. Ein Hoch auf die digitale Produktionsstrecke. Vor 20 Jahren wäre so ein perfekter Look nicht möglich gewesen.

Claire Holt und Ex-Popsternchen Mandy Moore schlagen sich erstaunlich gut, auch wenn man sich fragt, was zur Hölle Matthew Modine in so einem Streifen verloren hat, zumal in einer Rolle, die von jedem namenlosen Knittergesicht hätte gespielt werden können. Es ist ein weiter Weg nach unten von „Birdy“ und „Die Piratenbraut“…

Aber wie schon bei „Storage 24“ ist Johannes Roberts das Problem seines eigenen Films. „47 meters down“ ist schlampig inszeniert, braucht zu lange, um in die Gänge zu kommen, torpediert die eigene Glaubwürdigkeit mit zu vielen Ungereimtheiten – und löst das Versprechen von Hai-Terror bis zum Ende nicht ausreichend ein. Was oberflächlich slick und modern wirkt, entwickelt nie einen Flow. Da ist die Laufzeit von knapp unter 90 Minuten ein echter Vorteil.

Machen wir uns nichts vor: Jeder, der im Leben mal einen Tauchschein gemacht hat (und dazu gehöre auch ich), wird alle fünf Minuten „bullshit!“ schreien. Das Konzept und damit die Spannung ist nie wirklich plausibel. Es wird halt herbei fabuliert, was Roberts für nötig hält, um „47 meters down“ irgendwie am Laufen zu halten. Der Film hat keine Handlung, sondern eine lose Abfolge von Szenen, die irgendwie einen Film ergeben sollen, sich damit aber letztlich schwer tun. Und am Schluss schießt er sich mit einem „fake ending“ massiv selber in den Fuß.

Schade. Ich hätte mich über einen soliden B-Thriller im „Open Water“-Stil gefreut, aber hier stimmen nur die Zutaten, die vom falschen Koch zusammen gerührt wurden.

Fazit: Hai-B-Horror, der sich endlich mal wieder erfreulich ernst nimmt, aber an einem unorganisierten und schlecht umgesetzten Drehbuch krankt. Darsteller und die technische Expertise von Kamera und Effekten hätten Besseres verdient. Als „Open Water“-Variante schafft das aber immer noch 6 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Leidlich spannend, aber mit entsetzlich vielen sachlichen Fehlern gespickt.“



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz