Last time on „Flash Gordon conquers Mars“…

… war ich nach Spanien erstaunlich gut wieder in meinen Laufrhythmus gekommen, hatte schließlich sogar mit 6 Kilometern in 40 Minuten einen neuen Rekord aufgestellt. Die Herausforderung für die nächste Staffel: auch während des Fantasy Filmfest nicht schlabbern. Das ist schon zeitlich hakelig, denn ich sitze zwischen 10 und 12 Stunden am Tag im Kino, schreibe zwischen 2 und 3 Stunden Reviews und brauche locker noch 1 Stunde für die Fahrt vom und zum Festival. Da bleibt allenfalls noch Zeit für eine Mütze Schlaf, nicht aber für Jogging, was inklusive Umziehen und Duschen mindestens 90 Minuten frisst.

Aber ich war trotzig entschlossen, es wenigstens zu versuchen.

Der letzte Lauf vor München sollte noch einmal ein kurzer sein – 4 Kilometer im Stadion, etwas schneller als sonst, um auch mal am Tempo zu feilen. Angesichts der großartigen 6 Kilometer zwei Tage davor war ich zuversichtlich.

5.9.2017:

Na also! Über 9 Stundenkilometer. Das fühlt sich gut an. München kann kommen.

Tatsächlich habe ich in München zwei Tage später am Abend Zeit, weil ich die Filme im Programm bereits kenne und die Reviews schon in Baden-Baden geschrieben habe. Außerdem liegt mein Hotel in der ersten Woche direkt an der Isar – ideale Voraussetzungen für einen Abendlauf. Spontan entscheide ich mich, nach rechts zu laufen, flußabwärts in Richtung Englischer Garten. Im Ohr: „The drowned world“ von J.G. Ballard.

Was ich unterschätze: Das bewaldete Isar-Ufer ist um diese Jahreszeit stockduster. Teilweise muss ich stehenbleiben, weil ich den Weg nicht erkennen kann. Licht kommt nur in die Sache, wenn mir andere Jogger mit Stirnlampe entgegen kommen. Zähneknirschend lege ich meine Vorurteile ad acta und beschließe, mir demnächst auch so ein Teil zu kaufen.

7.9.2017:

Keine schlechte Zeit angesichts der unbekannten Strecke und der Vorsicht, mit der ich laufen musste. Aber da geht noch mehr.

Die nächsten Tage ist das Festivalprogramm pickepackevoll, da geht nix. Und meine Knie finden das auch ganz prima. So langsam muss ich einsehen, dass da eine körperliche Schwachstelle liegt, die beobachtet sein will.

Ein kurzer Termin am Montag führt mich direkt zum Olympiapark. Ich nutze die Gelegenheit, im Anschluss durch die Anlage zu joggen. Überall Security – morgen spielen die Rolling Stones. Weil ich nicht weiß, wo ich wie weit laufen kann, nutze ich die günstige Gelegenheit, als ich ein kleines Stadion sehe, das nicht abgeschlossen ist.

11.9.2017:

Insgesamt eine eher schwache Leistung, ich merke deutlich, dass mein Körper am frühen Vormittag nicht auf Hochtouren läuft. Ich wundere mich allerdings, dass die Analyse satte 86 Meter Höhenunterschied auflistet. Die Strecke war doch relativ eben?! Ein genauerer Blick in den Datensatz gibt Antwort:

Das kleine Stadion, in dem ich gelaufen bin, hat ein auffälliges Gefälle, darum die Ausschläge bei jeder Runde. Kuriose Sache.

Den nächsten Lauf plane ich genauer. Ein Film Pause bedeutet ein Fenster von zwei Stunden. Allerdings will ich nicht verschwitzt ins Kino kommen und in Woche 2 bin ich bei einer Freundin außerhalb untergebracht. Was tun? Kumpel Philipp hat die ideale Lösung: Umziehen und Duschen im Müllerschen Volksbad gleich nebenan! Tatsächlich gelingt es mir, die Kassiererin zu überreden, mich erst rein und dann raus zu lassen, ohne dabei die Eintrittskarte zu entwerten.

Diesmal geht es nicht flußabwärts, sondern flußaufwärts. Als ich vor 10 Jahren noch in Giesing gewohnt habe, hatte ich das schon mal probiert – und kam immerhin fast bis zum Tierpark Hellabrunn. Ich verzichte heute auf den Brustgurt, auf die Kopfhörer, schalte sogar die Stimme von Runtastic ab. Ich laufe nur für und gegen mich.

Und ich laufe. Und laufe. Nach drei Kilometern habe ich das Gefühl, ich hätte einen Elektro-Hilfsmotor wie ein Pedelec. I don’t know what it is, but it just won’t quit. Die Endorphine in meinem Kopf flüstern: so kannst du bis zum Morgengrauen laufen.

Als ich umdrehe, eher aus Zeitgründen als aus Erschöpfung, bin ich in Harlaching.

13.9.2017:

Knapp 15 Kilometer. Nicht schnell, aber weit. Als ich wieder am Müllerschen Volksbad ankomme, fühle ich mich nicht mal ausgepowered. Es wäre noch mehr gegangen, aber ich bin schon zu spät fürs Kino. Unter der Dusche im Schwimmbad denke ich allerdings, dass es viel angenehmer wäre, den Rest des Abends im Pool zu liegen.

15 Kilometer, 113 Höhenmeter. Ich laufe den ganzen Abend wie auf Wolken.

Englischer Garten, Isar, Olympiastadion – wenn man schon die Prachtstrecken läuft, kann man zum Abschluss auch noch richtig angeben: Nymphenburger Schloss. Leider geht es miserabel los: Ich verfahre mich auf dem Weg dorthin (der Westen ist nicht mein Kiez), finde den Eingang zu Anlage nicht, meine Lungen pfeifen die ersten 2 Kilometer unangenehm.

15.9.2017:

Zurück am Motorroller schaue ich auf das Handy und stelle fest, dass Runtastic irgendwann in der zweiten Hälfte den GPS-Kontakt verloren hat – die orangene Linie ist falsch, das Ergebnis damit auch. Statt der errechneten 7,2 Kilometer zeigt das Display gerade mal 5 an. Ich korrigiere die Daten notdürftig von Hand, um die Statistik nicht zu versauen. Nicht ideal, aber hey – 7,2 Kilometer sind 7,2 Kilometer.

Insgesamt bin ich sehr zufrieden, denn ich habe in München mein Training beibehalten, obwohl ich jeden Tag fünf Filme im Kino anschauen und besprechen musste. Es geht also auch unter erschwerten Bedingungen.

Zurück in Baden-Baden bestelle ich erstmal Kompressions-Knieschoner, um meinen Schmerzen entgegen zu wirken. Ich lese mich ein: Das Problem ist bei Jogging-Anfängern nicht ungewöhnlich und erstmal auch kein Grund zur Sorge.

Am Montag ist es Zeit, mal den neuen Asphaltbelag gegenüber zu testen, wo ich bisher meine Standard-6-Kilometer immer auf Kies gelaufen bin. Nach den Erfolgen in München gehe ich es sehr ruhig an, höre dazu „easy listening“-Hits der 60er und 70er, die eher geeignet sind, vor dem Kamin einzuschlafen.

Und dennoch…

18.9.2017:

Zweitbeste Zeit über 6 Kilometer. Sieht so aus, als würde sich meine „Grundgeschwindigkeit“ verbessern. Nicht überraschend, aber doch erfreulich. Ich trinke erstmals nach dem Lauf ein Proteinshake, um die Regeneration zu fördern.

Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme. Als ich Anfang Juni mit Runtastic angefangen habe, fragte mich das Programm, ob ich mir ein Jahresziel setzen möchte. Eher willkürlich legte ich die Messlatte auf 450 Kilometer in 7 Monaten. Davon sind jetzt, nach der Hälfte der Zeit, gerade mal 184 Kilometer übrig. Ich habe in 42 Läufen 30.000 Kalorien verbrannt und 10 Kilo abgenommen.

Let’s see where this takes me.



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Uli
Uli

Was mich mal interessieren würde: Planst du in einer fremden Stadt deine Strecke eigentlich vorab auf einer Karte oder läuft du einfach los?

Jake
Jake

„Licht kommt nur in die Sache, wenn mir andere Jogger mit Stirnlampe entgegen kommen. Zähneknirschend lege ich meine Vorurteile ad acta und beschließe, mir demnächst auch so ein Teil zu kaufen.“

Gute Entscheidung. Geht ja auch nicht nur darum, dass man sieht wo man hintritt, sondern auch ums gesehen werden. Da meine Winter-Laufstrecke abends stellenweise komplett unbeleuchtet ist und viel „Begegnungsverkehr“ mit Radfahrern und anderen Läufern vorherrscht, trage ich zusätzlich zur Stirnlampe sogar noch eine solche Reflektionsweste:

https://www.runnerspoint.de/de/p/nathan-streak-reflektionsweste-unisex-sonstiges-zubehor-16864

Stefan

Langsam wird es Zeit, mal hierüber nachzudenken.
https://www.runme.de/deutschland/mrrc-silvesterlauf-muenchen/
Ja, sowas ist ein echter Beziehungsturbo.

Christian
Christian

„Ich wundere mich allerdings, dass die Analyse satte 86 Meter Höhenunterschied auflistet. Die Strecke war doch relativ eben?!“

Kurzer Exkurs: Mit GPS werden üblicherweise keine Höhenmeter gemessen, da GPS aufgrund der Satellitengeometrie in der Höhenmessung 2-3x schlechter als in der Lagemessung ist. Im Laufsport würde eine Positionsmessung, die ständig +/- 15 m um die tatsächliche Position schwankt, das Höhenergebnis drastisch verfälschen.
Üblicherweise wird daher die GPS-Höhe verworfen und die Höhe anhand der GPS-Lage und einer topographischen Datenbank ermittelt. Die Datenbankhöhen kommen hierbei meist aus dem SRTM-Datensatz. Das heißt, alle 90×90 bzw. bei besseren Programmen alle 30×30 m gibts gemessene Höhen, alle Zwischenwerte werden interpoliert. Damit ergibt sich zwar keinen genauer Höhenverlauf, aber dennoch ists meist besser als bei reiner GPS-Höhenbestimmung.
Großes Problem: das Shuttle-Radar konnte bei der Messung nicht unterscheiden, ob es gerade die Erdoberfläche oder dichte Baumkronen erfasst. D.h. befindet sich an einem Messpunkt dichter Bewuchs, kann die gemessene Höhe mal locker 10 m über der Erdoberfläche sein.

Wenn nun am Rand deines Stadions ein paar Bäume dicht beieinander stehen, kann es sein, dass Runtastic nun anzeigt, dass du bei jeder Runde virtuell 10 m hoch und runter gerannt bist, obwohl die Tartanbahn in Wirklichkeit bretteben ist. Auch kann es solche Außreiser geben, wenn zwischen Stationrasen und Tribüne eine falsche Höhe linear interpoliert wurde.

Wenn man auf die gemessenen Höhenmeter wert legt (z.B. beim Trail- oder Crosslauf), kommt man um eine barometrische Messung kaum herum. Das bieten dann die Laufuhren aus dem Premiumsegment. Da viele Smartphones mittlerweile ein Barometer haben, gibt mittlerweile es auch Laufapps, die das können, leider nur recht wenige (ich kenne nur iSmoothRun fürs iPhone).