Spanien 2017. Regie: Paco PlazaDarsteller: Sandra Escacena, Ana Torrent, Leticia Dolera, Sonia Almarcha, Maru Valdivielso, Bruna González, Carla Campra, Claudia Placer, Consuelo Trujillo, Iván Chavero

Offizielle Synopsis: Überfordert vom Alltag, will sich die jugendliche Verónica in einer Séance Beistand von ihrem verstorbenen Vater holen. Doch gemeinsam mit ihren Freundinnen Rosa und Diana holt sie statt dem Herrn Papa etwas ganz anderes aus dem Reich der Toten.

Kritik: Ist „Night of the Virgin“ ein transgressives, aggressives Beispiel für die innovativen Kräfte des kontemporären spanischen Films, dann ist „Verónica“ ein Beispiel für dessen schleichende Banalisierung durch das Schielen auf die internationalen Märkte (siehe auch „Summer Camp“). Es werden nur die üblichen Klischees des Genres bedient (selbst die blinde Nonne ist ja wahrlich nicht innovativ) – und selbstverständlich basiert das alles auf einer wahren Geschichte aus den frühen 90ern, wie uns Vor- und Nachspann versichern.

Angefangen bei dem Ouija-Brett, mit dem drei junge Mädchen verbotenerweise spielen, über die ersten schauerlichen Schatten bis hin zu den knallenden Türen und Geisterstimmen – hier ist wirklich gar nichts neu. Der ganze Plot läuft linear, ohne ausreichend zu eskalieren, die meisten Entwicklungen sind entsetzlich vorhersehbar, wenn man seit mehr als fünf Jahren Gruselfilme schaut.

Das ist umso bedauerlicher, da „Verónica“ sich auf der technischen wie darstellerischen Seite keine Fehler leistet. Die Welt von 1991 ist sehr überzeugend nachgebaut, was auch durch den Soundtrack voller Songs der Band Heroes del Silencio (hierzulande durch „Entre dos tierras“ bekannt) unterstützt wird. Sandra Escacena ist sehr überzeugend als die erst von ihrem tristen Leben, dann von den Geistern überforderte Verónica.

Aber das hilft halt nix, wenn am Ende nur Klischees gerührt werden und die „based on a true story“-Nummer das eher fade Ende diktiert. Einen Extrapunkt gibt es allerdings für die Idee, im Nachspann die Bilder von den tatsächlichen Tatorten zu zeigen und damit zu dokumentieren, wie genau man die Vorlagen getroffen hat.

Fazit: Geisterhorror mit Startschwächen, der zwar von authentischen Locations und Figuren profitiert, letztlich aber zu wenig Fleisch mitbringt, um am Ende überzeugen zu können. Weil auch nix wirklich falsch ist, vergebe ich 6 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Solider Grusel.“

Next up: Schneeflöckchen



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Marcus
Marcus

Ein wenig origineller, wenig subtiler, aber schauspielerisch und atmosphärisch makelloser Grusler mit teilweise überdurchschnittlich effizienten Schockeffekten. I like it. 8/10.

Thies
Thies

Inzwischen als DVD/Blu-ray/VOD erhältlich. Als Ausleihe sicherlich einen Hingucker wert. Aber bitte keine Wunder erwarten.

Thies
Thies

In den USA wurde der Film von Netflix erworben. Und das Marketing-Team leistet offenbar Überstunden, denn angeblich wurde das Live-Tweeting der Sichtung des Films zum Twitter-Trend – als ob der Film eine Mutprobe wäre die man absolvieren müsste.

Don’t believe the hype (but watch it anyway if you want)!