USA 2017. Regie: Dan Bush. Darsteller: James Franco, Taryn Manning, Francesca Eastwood, Scott Haze, Jeff Gum

Offizielle Synopsis: Die Dillon-Geschwister wissen, wie man eine Bank ausraubt: Einfach den Großbrand in der Nachbarschaft als Ablenkung nutzen und in Feuerwehrmontur Wachmann, Kundschaft und Angestellte der Bank unter Kontrolle bringen. Alles läuft also nach Plan, bis die Dillons feststellen, dass in den Geschäftsräumen kaum Geld lagert! „It’s in the vault in the basement“, verrät der Manager. Doch „Vault“ bedeutet nicht nur Tresorraum. „Vault“ bedeutet auch Gruft…

Kritik: Das mag stimmen – aber mit einer Gruft hat die „Vault“ in „The Vault“ leider nix zu tun. Da ist dem Texter vom Fantasy Filmfest Programmheft mal wieder der Gaul der Zuschauerköderung durchgegangen. Es ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn sich die Veranstalter um Inhaltsangaben drücken oder fleißig und frech Interpretationen liefern, die dem Zuschauer überlassen bleiben sollten und die noch dazu gerne falsch sind. Hinter so mancher vager Beschreibung versteckt sich ein Rohrkrepierer.

Oberflächlich weist „The Vault“ viele Ähnlichkeiten zu „The Autopsy of Jane Doe“ auf: auf begrenztem Raum wird ein scheinbar überschaubarer Vorgang angestoßen (Autopsie dort, Banküberfall hier), in den erst nach dem ersten Akt als Twist okkulte Phänomene eingeführt werden. Aus dem Medical Mystery bzw. dem Geiseldrama wird ein Hybrid-Horrorfilm gestrickt, der zusätzliches Gewicht durch eine überraschend hochwertige Besetzung erlangt (Brian Cox dort, James Franco hier).

Der Unterschied zwischen „The Autopsy of Jane Doe“ und „The Vault“ ist allerdings, dass es dort funktioniert, hier allerdings nach hinten losgeht wie ein feuchter Furz.

Die Idee ist ja gar nicht schlecht: In einem alten Bank-Tresor befinden sich nicht nur Sachwerte, sondern auch übernatürliche Überbleibsel eines misslungenen Geiseldramas von vor 35 Jahren. Nun sitzen die Gangster in der Falle: draußen die Bullen, drinnen die Geister. Kurioserweise hat ein Freund von mir vor Jahren mal ein ähnliches Szenario entwickelt: ein „safe house“ des Zeugenschutzprogramms wird von Gangstern belagert, während der FBI-Beamte und die Zeugin drinnen feststellen, dass sie in einem Geisterhaus gelandet sind. Regen und Traufe – was tun?!

An der Idee hapert es also nicht, die ist pfiffig, aber die Ausführung ist mit mager noch freundlich umschrieben: Mit dem Auftauchen der Geister wird lediglich der Bodycount unter den Gangstern eingeleitet. Weder zieht die Spannungsschraube an, noch macht sich irgendjemand nennenswerte Mühe, das Wieso und Warum der paranormalen Angriffe zu klären. Das okkulte Element ist letztlich nur ein McGuffin, eine Nebelkerze, weil es der Film sonst nicht auf 90 Minuten bringen würde. Letztlich hätte der Gegner auch Steven Seagal als ein von den Gangstern übersehener Kaffeemaschinen-Reparateur sein können.

Entsprechend nutzt der Film an keiner Stelle das grausige Potenzial seiner Kreaturen, sie sind nur das herbei fabulierte Hindernis für die arschlöchrigen Bankräuber, denen es für meinen Geschmack nicht schnell genug an den Kragen gehen kann.

Zu allem Überfluss ist „The Vault“ auch noch erschütternd billig gedreht, vergleichbar mit Mike Mendez‘ Totalausfall „The last heist“. Die Beteiligung von James Franco ist im besten Fall ein gnädiger Freundschaftsdienst, im schlechtesten Fall ein blöder Witz: mehr als einen Drehtag kann er kaum dabei gewesen sein, über lange Strecken sieht man ihn lediglich im Fünfminutentakt stumm auf dem Boden sitzen, ohne Interaktion mit den anderen Charakteren. Verschenkte „Starpower“, fast schon Zuschauerbeschiss.

Fazit: Die im Ansatz gute Idee, ein Geiseldrama mit einem Geisterfilm zu paaren, wird durch ein fahriges Skript, eine fahrige Regie und einen sichtlich nur sehr begrenzt zur Verfügung stehenden James Franco massiv und spannungsfrei an die Wand gefahren. 2 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Eine schöne Idee. Leider verzettelt sich der Film etwas und holt nicht viel dabei heraus.“

Guter Trailer, von den man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen sollte:

Next up: Night of the Virgin



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ThiesMarcusWill TippinPeroyTantejay Recent comment authors
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Tantejay
Tantejay

„ein „safe house“ des Zeugenschutzprogramms wird von Gangstern belagert, während der FBI-Beamte und die Zeugin drinnen feststellen, dass sie in einem Geisterhaus gelandet sind. Regen und Traufe – was tun?!“

Kurze Ansage: „Mom, wir haben was zu erklären“ – rausgehen, „geht ihr doch da rein, ich ganz sicher nicht. Erschieß mich, ich hab dann genügend Gelegenheit, dir den Rest des Lebens zur Hölle zu machen. Und nach DEM da drin: Glaub mir, ich weiß, wie das geht“ 😉

Peroy
Peroy

Das ist das unverständlichste, was ich heute gelesen habe… aber ich bin auch schon seit zwei Stunden betrunken, von daher…

Will Tippin
Will Tippin

Ich bin stocknüchtern und hab trotzdem nichts verstanden.

Marcus
Marcus

Bitte was?

Thies
Thies

Was auch immer der Grund für Francos Mitwirken in diesem Film war – ein Vertragspunkt war mit Sicherheit: „mehr als ein Gesichtsausdruck ist nicht drin.“