England/Rumänien 2017. Regie: Xavier Gens. Darsteller: Sophie Cookson, Florian Voicu, Brittany Ashworth, Corneliu Ulici, Matthew Zajac, Alexis Rodney

Offizielle Synopsis: Eine junge Nonne stirbt bei einem brutalen Exorzismus in einem Kloster. Vor Gericht beharrt der verantwortliche Priester darauf, dass nicht er, sondern der Teufel höchstselbst die Frau dem Leben entrissen hat. Journalistin Nicole, die dem Thema Glauben aus persönlichen Gründen extrem skeptisch gegenüber steht, will mehr wissen. Eine Entscheidung, die sie sehr schnell bereut. Das Grauen, das in der kleinen Gemeinde über sie hereinbricht, übersteigt ihre schlimmsten Vorstellungen und zwingt sie zum Kampf mit einer Macht, von der sie niemals dachte, dass sie überhaupt existiert.

Kritik: Vorab, weil es mich nicht zum ersten Mal nervt: Wieder haben wir es hier mit einer Protagonistin zu tun, die nicht an Gott glaubt, weil der mal in ihrem Leben gemein zu ihr gewesen ist. Atheismus scheint selbst im heidnischen Hollywood etwas zu sein, für das man einen Grund haben muss. Dabei ist Atheismus lediglich die Zurückweisung des Gottesglaubens mangels Beweisen. Andererseits: Da „The Crucifixion“ Dämonen und damit den Allmächtigen ja als wahr postuliert, wäre es schwerer erklärbar, NICHT zu glauben. Demnach gehe ich da grummelig mit dem Schwamm drüber.

Zumindest gibt es diesmal endlich wieder genuine Genre-Elemente, das Phantastische wird nicht nur von den FFF-Veranstaltern und den Filmemachern behauptet, sondern tatsächlich geliefert. Der hausbackene Plot wirkt allerdings wie aus der Hoch-Zeit des Okkult-Thrillers in den 70ern: Mutige Journalistin recherchiert einen Exorzismus mit fatalem Ausgang, die Bewohner des trüb osteuropäischen Dorfes blocken ab, am Ende erfährt sie die Existenz des Bösen im wahrsten Sinne am eigenen Leib. So weit, so Omen. So weit, so Exorzist. So weit, so Amityville.

Die Oldschool-Mentalität ist dabei auch in den verwendeten Mitteln zu spüren: Spannung wird primär über relativ milde Buh-Momente gebaut – Türen fallen zu, Fenster klappern, Autos hupen. Selbst der Dämon ist vergleichsweise höflich, brüllt nur mit schwarzen Augen ein wenig herum und lässt die Besessene schweben. Da kennen wir im Zeichen von Kreuz und Erbsensuppe ganz andere Nummern…

Erfreulich ist dabei die Nutzung teilweise beeindruckender, teilweise erschreckend nach Filmkulisse aussehender Dörflichkeiten in Rumänien – es muss also doch nicht jeder Horrorfilm in Neuengland oder den Südstaaten spielen.

Die Spannungskurve bleibt dabei relativ sediert, weil wir weder Nicole als taffe Journalistin wirklich ernst nehmen können, noch eine wirklich nachvollziehbare Bedrohung aufgebaut wird. Die Perspektive des Drehbuchs ist zu sehr von außen, zu sehr beobachtend, ähnlich wie bei John Sinclair-Romanen, in denen der Geisterjäger ja auch nur selten persönlich emotional involviert ist. Es stören Figuren wie der Chefredakteur, den Nicole alle 15 Minuten Filmminuten anruft, um die letzten 15 Minuten zu rekapitulieren. Ein Erklärbär der ganz offensichtlichen Sorte.

Typisch für eine Produktion aus amerikanischer Feder ist auch die Schlampigkeit in Details: rumänische Folklore ist so authentisch wie in der Geisterbahn und über die Veränderungen im Ostblock wissen die Autoren nur so ungefähr Bescheid. Es muss wohl reichen, was man in der Wikipedia querlesen kann.

Kurioserweise war mein Fazit direkt nach dem Screening, dass „The Crucifixion“ zwar kein Kinogold ist, aber wenigstens nicht in der aufdringlichen Schockhorror-Liga wie die ganzen „Conjuring“-Varianten spielen will. Dann fand ich heraus, dass die Autoren die ersten beiden „Conjuring“-Filme geschrieben haben und der Regisseur für den Schockhorror „The Divide“ verantwortlich war. In Sachen Aufbau und Dramaturgie erinnert „The Crucifixion“ allerdings deutlich mehr an die unspektakuläre TV-Film-Vergangenheit der Hayes-Brüder.

Fazit: Ein B-Grusel der alten Schule, dessen Unzulänglichkeiten in Sachen Hardcore-Horror ihn eher noch sympathischer machen und der an die Taschenbuch-Schmöker erinnert, die man in den 70er und 80er Jahren unter der Bettdecke gelesen hat. Die 7 von 10 Punkten sind auch nostalgisch und als Reaktion auf den Mangel an Alternativen beim diesjährigen FFF zu verstehen.

Fragt Philipp: „Solides Handwerk. Ein bisschen irritiert war ich von der Häufigkeit lateinischer Kreuze im Umfeld der Rumänisch-Orthodoxen Kirche – aber eine Recherche hat gezeigt, dass das entgegen meiner ersten Vermutung doch passt.“

Next up: Darkland



avatar
1 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
1 Comment authors
Dr. Acula Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Dr. Acula

Wenn das schon als positive Überraschung durchgeht, ist der Jahrgang wohl wirklich mau.