Hongkong 2017. Regie: Herman Yau. Darsteller: Andy Lau, Jiang Wu, Song Jia, Philip Keung, Felix Wong, Sek Sau, Ron Ng, Louis Cheung, Baby John Choi

Offizielle Synopsis:

Eine Taxikolonne gespickt mit Sprengstoff rollt durch die Nacht, brutale Bankräuber liefern sich eine wüste Verfolgungsjagd mit den Cops und ein Undercover-Ermittler wird zwischen Gangstern und Polizisten aufgerieben – und das alles, bevor überhaupt der Filmtitel zu sehen war! J.S. Cheung ist ein hoch dekorierter Experte für Kampfmittelbeseitigung. Seine ultimative Bewährungsprobe steht bevor, als Terroristen den verwundbarsten Punkt der Megametropole Hongkong in Geiselhaft nehmen: den unter Wasser liegenden Cross-Harbour Tunnel. Wiederholt steht Cheung vor der einzig wahren Entscheidung des Actionfilms: roter oder gelber Draht?

Kritik: Der Hongkong-Actionfilm ist ein ganz eigenes Genres, das mal eine anständige akademische Aufarbeitung verdient hatte. Nach Jahren des Trash- und Kulissen-Daseins in den 70er und frühen 80er Jahren wurde die Kronkolonie in den späten 80ern und frühen 90ern zum Schauplatz einiger wirklich bahnbrechender, innovativer Spektakelproduktionen. Regisseure und Darsteller wurden zu Stars, die Budgets stiegen, digitale Effekte revolutionierten den Look und die Stunts.

Aber mit dem Rückfall Hongkongs an China ist ein neuer Geist eingezogen. Viele Filmemacher haben sich willig der neuen Führung unterworfen und die Filme wirken (auf mich zumindest) deutlich kastrierter, sicherer, untertäniger, auch wenn sie nach außen immer noch auf dicke Actionhose machen. Ich bin sicher, Martin Beck könnte dazu einiges sagen, der kennt sich in dem Metier erheblich besser aus als ich.

Und so ist „Shock Wave“ auch nicht der mitreißende Kracher, sondern „nur“ ein grundsolider Actionfilm, in dem der total perfekte, sensible Supercop gegen den total skrupellosen, eiskalten Bösewicht antritt. Regierung und Polizei bilden dabei den moralischen Kern, ganz wie von der chinesischen Führung gewünscht, während sich das Kapital längst mit dem Verbrechen gegen die Menschen verschworen hat.

Es werden kompetent, aber uninspiriert sämtliche Klischees aus Filmen wie „Speed“ und „Die hard“ und „Daylight“ nochmal durchgekaut, Polizisten dürfen sich heroisch opfern und der Angriff auf die Lebensader Tunnel ist ein Angriff auf das Prinzip Hongkong.

Versteht mich nicht falsch: Das ist durchaus rasant, sehr üppig bebildert und in einzelnen Szenen auch schmerzhaft effektiv. Die chinesischen Filmemacher beherrschen ihr Handwerk und Andy Lau ist einer der charismatischsten Darsteller seiner Generation. Den Unterhaltungswert kann man „Shock Wave“ wahrlich nicht absprechen.

Aber es ist eben auch alles sehr vorhersehbar, teilweise mit überraschend minderwertiger CGI umgesetzt und am Ende zu pathetisch für Gweilo-Gemüter.

Fazit: Groß angelegter, aber in seinem Anspruch dann doch sehr bescheidener Geisel-Thriller, der in seinen Stärken und seinen Schwächen das aktuelle Dilemma des stagnierenden Hongkong-Actionfilms repräsentiert. Mehr als 6 von 10 Punkten sind nicht drin.

Frag Philipp: „Solider Polizei-Film mit etwas viel Pathos.“

Next up: Victor Crowley – Hatchet 4



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heino
heino

Der ist eine meiner Wild Cards und ich hoffe, dass mir genug Entertainment geboten wird. Da bin ich auch mal bereit, die politische Katzbuckelei auszublenden

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Das fing meines Erachtens nicht erst mit dem Rückfall Hongkongs an China an. Die wirklich bahnbrechenden Sachen würde ich auch eher Anfang bis Mitte der 80er verorten und danach war dann ja alles auch ziemlich schnell wieder vorbei.
Die neueren Filme sind allerdings nochmals deutlich unangenehmer dank stetig wachsenden Propagandaanteils.

Tantejay
Tantejay

Helft mal – was macht der auf dem FFF?

heino
heino

@TanteJay:HK-Action und generell Asien-Kino ist seit jeher fester Bestandteil des FFF. Überhaupt hat der Anteil von Filmen ohne eindeutigen Genre-Bezug (wie z.B. französischen Krimis) über die Jahre sehr zugenommen. Das ist generell aber kein Problem, weil die in der Regel recht gut sind

Tante Jay
Tante Jay

Hm, dann wäre eine Umbenennung in “Filmfest“ ohne Fantasy doch zielführender?

Die Qualität der Filme ist da doch erstmal ohne Belang, ich hab ne Menge Filme dieses Jahr hier gesehen, die kamen nicht mal in die Nähe von “übernatürlich“.

Und das ist echt schade.

heino
heino

Naja, der Name ist ja nun die Marke, den kann man nach fast 30 Jahren nicht mehr einfach so ändern. Und nur „Filmfest“ ist definitiv zu nichtssagend. Aber ich verstehe den Gedankengang. Wie Torsten ja schon sagte, tendieren die Macher immer mehr in Richtung verkopftes Kunstkino, da geht schon etwas der Kern verloren

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