Kanada 2017. Regie: Caroline Labrèche, Steeve Léonard. Darsteller: Diego Klattenhoff, Charlotte Sullivan, Brett Donahue, Nazariy Demkowicz, Alicia Johnston, Bj Verot, Bradley Sawatzky

Offizielle Synopsis: Blutend wankt ein Mann die Landstraße entlang. Er kann sich an nichts erinnern, außer dass er einen schweren Autounfall hatte. Die Erste, die anhält, um zu helfen, stirbt – ihre Augen sind blind geworden. Aus dem grauen Wolkenhimmel regnet es sporadisch tote Vögel. Im nächsten Diner sind alle Menschen tot zusammengesackt. Ein Virus? Etwas Übernatürliches? Den verstörten Mann beschleicht ein grauenvoller Verdacht: Jeder, der sich ihm nähert, fällt tot um. Mit einer Ausnahme: eine Frau, die ebenfalls ihr Gedächtnis verloren hat – eine Jane Doe. Von der Polizei gejagt versuchen sie, mit ihren wenigen Anhaltspunkten das Rätsel zu lösen, das sie untrennbar und auf dunkel-romantische Weise miteinander verbindet.

Kritik: Bei „Playground“ hatte ich ja erwähnt, dass es mitunter zur Ausnahme wird, wenn ein Film auf dem Fantasy Filmfest im weitesten Sinne was mit Fantasy zu tun hat. Und darum ist es so typisch wie erfrischend, dass wir am Freitag erst als fünften und letzten Film einen Beitrag zu sehen bekamen, der die Anforderungen an das Genre einlöst, der Mystery und Paranormales aufbietet.

Tatsächlich schmeißt uns „Radius“ ohne Umschweife in den Plot: Ein Mann nach einem Autounfall. Kein Gedächtnis. Alle Menschen um ihn herum fallen tot um, bis ihm klar wird: alle fallen tot um, weil sie sich um ihn herum aufhalten. Dann die Frau. Auch kein Gedächtnis. Sie fällt nicht tot um. Wieso? Identifizierung: Er Landschaftsgärtner, sie die verschwundene Ehefrau eines Ladenbesitzers. Beide saßen in dem Unfallwagen. Warum? Kann man das der Polizei erklären?

Trotz des relativ großen Mysterys, das „Radius“ baut, bleibt er immer ein kleiner Film im TV-Stil, verkneift sich größere Spezialeffekte und konzentriert sich über weite Strecken auf zwei Menschen, die verzweifelt versuchen, Unerklärliches zu erklären – und damit zu leben. Und nein, ganz im Gegensatz zum üblichen Mystery-Klischee sind sie nicht bei dem Autounfall gestorben. Die Auflösung ist keine Auflösung des eigentlichen Rätsels, aber ein durchaus befriedigender Schluss für die Geschichte, die es hier zu erzählen gibt.

Ich gestehe, dass ich mich gerade nach den gehypten und mit großem Brimborium aufwartenden Enttäuschungen bei „Radius“ richtig wohlig gefühlt habe. Es ist ein kanadischer Film, wie es ihn eigentlich jedes Jahr zu sehen gibt. Nicht zu groß, nicht zu anspruchsvoll, aber sehr ordentlich gemacht und mit einem klaren Auge für das, was Genrefans tatsächlich sehen wollen. Das ist sympathisch uneitel und auch ohne Anstrengung spannend. „Radius“ hat mich nach einem schwierigen Tag mit einem eklektischen Programm wieder mit dem FFF versöhnt und müde, aber halbwegs zufrieden in die Nacht entlassen.

Fazit: Ein zwar sehr bescheiden, aber auch effektiv inszenierter Mystery-Thriller, der genau weiß, wann er überraschende Wendungen einführen muss, um die Neugier des Zuschauers bei der Stange zu halten. Im Finale überzieht er es mit einem Twist ein wenig, aber dennoch verdient dieser einsame Bannerträger der „echten“ Fantasy solide 8 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Interessanter Mysterienfilm mit einer sympathischen Hauptfigur. Der unnötige Twist macht den Film nicht schlechter.“

Kein Trailer verfügbar.



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Marcus
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Leidet so ziemlich am „kanadischer TV-Film-Look“, hat mich aber durchaus über die ganze Laufzeit hinweg gepackt. Sowas nennt man dann wohl „solide“. 7/10.