Japan 2017. Regie: Yû Irie. Darsteller: Hideaki Ito, Tatsuya Fujiwara, Toru Nakamura, Ryo Iwamatsu, Koichi Iwaki, Misuru Hirata, Anna Ishibashi

Offizielle Synopsis: Grausame Morde erschüttern 1995 die japanische Hauptstadt. Die Presse tauft den Killer gerade reißerisch den Tokyo Strangler, als die Mordserie plötzlich abrupt abreißt. Für den blutjungen Cop Wataru Makimura wird es zur Obsession, den Täter zur Strecke zu bringen. Zumindest bis zu jenem schicksalhaften Tag, als die Morde dank einer Gesetzeslücke verjähren und der Fall bei den Akten landet. Wiederum sieben Jahre später entfacht der Mörder erneut ein beispielloses Medienfeuer: „I am the Murderer“ – so heißt das Buch, in dem sich der nun unantastbare Killer Masato Sonezaki mit seinen Taten brüstet. Die Schrift wird zum Bestseller, der kühl berechnende Soziopath zum umjubelten Star. Und Makimura? Ihn erfasst der Strudel der Ereignisse ungewollt. Bis eine Live-TV-Show die einstigen Kontrahenten zum Psychoduell lädt.

Kritik: Kurz zum Background: „Memoirs of a murderer“ ist das Remake des koreanischen 2012er Films „Confessions of Murder“, greift von diesem aber nur den Grundplot auf, dass ein Mann eine Mordserie zugibt, für die er nicht mehr belangt werden kann. Viele der Figuren und letztlich auch die Auflösung sind für das japanische Remake, das deutlich mehr auf Psychologie als auf Action setzt, verändert worden.

Generell gilt: jau, DAS ist Entertainment. „Memoirs of a murderer“ baut von der ersten Minute an eine klare Konstellation aller Beteiligten auf: Killer, Polizist, Journalist, dazu ein paar Zeugen und peripher Beteiligte. Die Idee selbst ist unerhört: Ein Serienmörder wird dank eines Schlupflochs im Gesetz erst unantastbar und dann zum Medienstar. Die Öffentlichkeit und die Medien suhlen sich in geheuchelter Empörung, verfallen aber dem eiskalten Charme des Killers. Der Polizist, die Familienangehörigen – sie können nur fassungslos zusehen, wie ihr Leid nicht nur neu aufgerührt, sondern ausgeschlachtet wird.

Aber ist Sonezaki wirklich der Mörder? Warum lässt sein Buch einen Mord aus und die Frage nach dem Motiv unbeantwortet? Schnell kommt es zu Ungereimtheiten und den ersten Anschlägen auf sein Leben. Die Wahrheit muss endlich ans Licht.

Gerade, weil Sonezaki sich anfangs inszeniert wie Sebastian Fitzek, kam bei mir wieder mal die Frage auf, warum deutsche Thriller-Autoren nie auf so genuin spannende Setups kommen, sondern immer nur in sattsam bekannten Klischees buddeln. Die Idee von „Memoirs“ ist gar nicht so brillant, sie ist nur eine konsequente Weiterführung unserer kranken Faszination mit schillernden Verbrechern. Aber hierzulande werden immer weiter Psychopathen von aufrechten, aber gebrochenen Polizisten verfolgt, bis am Ende die Handschellen klicken. Wir erzählen Geschichten – haben aber nichts über diese Geschichten zu erzählen.

Und wem das jetzt alles zu theoretisch klingt, der sei beruhigt: „Memoirs“ ist alles andere als trockene Theorie. Die schiere Menge an Konfrontationen, Wendungen, Flashbacks und Deadlines sorgt für Spannung über die gesamte Laufzeit. Diese 118 Minuten fühlen sich halb so lang an wie die 81 Minuten von „The strange ones“.

Fazit: Ein rasanter, mit vielen unerwarteten Wendungen ausgestatteter Meta-Serienkiller-Film, der wieder mal beweist, dass eine wirklich gute Grundidee der erste Schritt zu einem überzeugenden Film ist. Asia cinema at its best. 9 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „118 Minuten, die sich kürzer anfühlen als mancher 90 Minüter. Spannend, mit tollen Twists.“

Next up: It came from the desert



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PeroyRudi RatlosDMJ Recent comment authors
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Peroy
Peroy

Hat mich schon nur aufgrund der Prämisse. Wird vorgemerkt.

DMJ

Klingt allerdings gut. Es gibt in der Tat viel zu wenige Filme, bei denen schon die in wenigen Sätzen erzählbare Grundidee gespannt macht.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Ha, an den Confessions… musste ich direkt bei der Inhaltsangabe denken 🙂

Peroy
Peroy

Das Korea-Original wurde gerade aus dem Briefkasten gefischt, mal gucken was das kann…

Peroy
Peroy

Jep, kann was…