USA 2017. Regie: Natalia Leite. Darsteller: Francesca Eastwood, Clifton Collins Jr, Leah McKendrick , Marlon Young, David Sullivan, Michael Welch, Peter Vack

Offizielle Synopsis: Die Kunststudentin Noelle nimmt, nachdem ihre eigene Vergewaltigung nicht gesühnt wurde, das Recht selbst in die Hand. Verbrechen gegen Frauen werden von der Unileitung geflissentlich übersehen. Man munkelt sogar von richtiggehenden Wetten auf dem Campus, welcher Student Rekordhalter im Schänden ist. Doch plötzlich beginnt sich eine blutige Spur durch die Täterreihen zu ziehen. Noelles Verwandlung bleibt indes nicht unbemerkt: Ihr Prof und ihre Klasse sind von ihrem neuen, entfesselten künstlerischen Stil total begeistert.

Kritik: „M.F.A.“ ist der erste wirklich kontroverse Film dieses Festivals. Klar, es hat schon mehrere gute und schlechte Filme gegeben, aber über die war das Publikum sich weitgehend einig. Kontroverse bedeutet Konflikt – das gleiche sehen, aber völlig unterschiedlich werten. „M.F.A.“ fördert das, verlangt das sogar. Ich bin nicht sicher, ob ich in der kurzen Zeit, die mir für diesen Review bleibt, den ganzen Facetten gerecht werden kann. Ich kann es nur versuchen.

Bringen wir die technischen, inszenatorischen und darstellerischen Aspekte hinter uns, denn die sind erstaunlich nachrangig, wenn es um die Bewertung geht. Durchweg 7 oder 8 von 10 Punkten. Die Universität wird kompetent als geschlossene Welt mit eigenen Gesetzen (und sogar eigenen Cops) dargestellt, die sozialen Netze sind glaubwürdig. Spannung wird sorgsam erzeugt, dann langsam hochgedreht. Alle Darsteller hängen sich angemessen rein. Hingucker ist natürlich Francesca (Tochter von Clint) Eastwood, die allerdings den Großteil des „heavy lifting“ in Sachen Schauspielerei ihren wirklich beeindruckenden Augen überlässt.

So weit, so gut. Schaut man sich allerdings das Thema und die Herangehensweise von „M.F.A.“ an, wird es schnell komplex und teilweise unangenehm. Genau genommen ist ein Slasher, der gleich zwei der Grundprinzipien des Genres auf den Kopf stellt: er solidarisiert sich mit dem Killer und ist nicht frauen- sondern männerfeindlich. Leider ist es genau diese Kombination, die mir Bauchschmerzen macht.

„M.F.A.“ hat keine Botschaft – er ist Propaganda. Er stellt keine Fragen, er drängt Antworten auf. Seine Weltsicht ist ungefähr so liberal und flexibel wie die von PETA oder der Westboro Baptist Church. Sie lautet: Männer sind tumbe Vergewaltiger, geborene Täter. Frauen sind hilflose Opfer. Frauen, die Männer töten, sind Heldinnen – und dürfen beklatscht werden. In Sachen sexueller Gewalt gelten weder die Regeln des sozialen Miteinanders noch das Gesetz – nicht weniger als die Vernichtung jeder empfundenen männlichen Aggression ist angemessen.

In RadFem-Kreisen dürfte „M.F.A.“ der perfekte Crowdpleaser sein und auch in München wurde so manche Gewalt gegen die „Dreckschweine“ begeistert beklatscht. What the fuck is wrong with these people?!

„M.F.A.“ propagiert auch ein paar der ungesunden Mythen des aktuellen „gender war“: Es gibt eine vom Establishment verleugnete „rape culture“, der übliche Betroffenheits-Feminismus ist zu schwach, die Frau kann gerne auch mal post facto entscheiden, dass der einvernehmliche Sex irgendwie doch nicht so dolle und deshalb unerwünscht war. Alles, was an der aktuellen Diskussion in den USA schief läuft, nimmt „M.F.A.“ als richtig und gut an.

Da wundert es auch nicht, dass alle als „Täter“ identifizierten Männer strumzdumme aggressive „jocks“ sind, während alle „Opfer“ sensible, hochintelligente Frauen sind. Man kann sich nur vorstellen, wie viel besser die Welt wäre, wenn sie das Sagen hätten.

Okay, okay, okay – Filme, besonders Horrorfilme, leben von der Vereinfachung und der Verdichtung von Zusammenhängen. Und ist es nach 40 Jahren Slashern, in denen attraktive Frauen für ihr sexuelles Interesse mit Klingen penetriert wurden, nicht nur recht und billig, den Spieß mal umzudrehen? Die einfache Antwort: two wrongs don’t make a right. Die etwas komplexere Antwort: generell schon, aber man kann ein gesellschaftliches heißes Eisen auch so weit simplifizieren, dass es nicht mehr EINFACHER ist, sondern FALSCH. Bei „M.F.A.“ kann  man in jeder Sekunde die „Gender Studies“-Kurse der Macher riechen, die Agenda. Der Film ist eine genau so besoffene Rachephantasie wie „Death Wish“ – und damit genau so verwerflich.

„M.F.A.“ baut eine binäre Welt, in der Männer schlecht und Frauen gut sind, in der sexuelle Gewalt grundsätzlich einseitig ist und in der selbst brutale Morde an Männern gerechtfertigt sind, solange diese sich sexueller Gewalt schuldig gemacht haben. Das bedient nicht weniger niedrige Instinkte wie „Freitag der 13.“.

Wirklich lachen musste ich über den Subplot, dass Noelles Kunst besser wird, nachdem sie anfängt, ihre Kommilitonen zu ermorden. Was genau will uns die Regisseurin damit sagen? Dass Frauen entkrampfen und ihre Kreativität finden, wenn sie den männlichen Unterdrückern erstmal die Schädel eingeschlagen haben?

Hinzu kommt, dass „M.F.A.“ auch ziemlich verlogen ist. Ich würde noch durchgehen lassen, dass man die Männer durchweg als tumbe Muskelschweine und Party-Bros zeichnet – aber der Film delektiert sich an Francesca Eastwood genau so, wie es ein männlich orientierter Horrorfilm tun würde. Nacktszenen, haufenweise Kleidung mit (an US-Unis weitgehende verpönten) Sexy-Tops, Blicke in den Ausschnitt, auf den Hintern – „M.F.A.“ hat den „male gaze“, um auch männliches Publikum zu ködern. Ich beschwere mich nicht, finde es aber erstaunlich offensichtlich heuchlerisch.

Schade eigentlich. Gegen einen feministischen Slasher hätte ich gar nichts gehabt. Aber eine Unterrichtsstunde in Sachen „gender politics“ brauche ich auf dem FFF nicht.

Fazit: Ein technisch und darstellerisch starker Feminist(inn)en-Slasher, dem man je nach der eigenen Einstellung zum Thema nur massiv begeistert oder massiv skeptisch gegenüber stehen kann. Wie ich das sehe, erkennt man an den 3 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Gut gemacht und bringt seine Botschaft eindringlich rüber.“

Dieser Clip wäre eine eigene Besprechung wert  – Noelle zeigt den Pseudo-Feministinnen, wo der argumentative Hammer hängt (der in diesem Fall wie üblich aus wenig hilfreichen Phrasen besteht). Es geht „M.F.A.“ nicht um Film, es geht um Politik:

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Man gestatte mir hier Godwin’s law, wenn ich sage, dass man Philipps Wertung auch zu dem, von einer ähnlich an Wahrheit und Humanismus getragenen „Jud Süß“ vergeben könnte. 😉

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