Island 2017. Regie: Óskar Thór Axelsson. Darsteller: Jóhannes Haukur Jóhannesson, Þorvaldur Davíð Kristjánsson, Ágústa Eva Erlendsdóttir, Anna Gunndís Guðmundsdóttir, Sara Dögg Ásgeirsdóttir

Offizielle Synopsis:  „Vergib mir!“ Das sind die ersten Worte, die wir zu hören bekommen. Es sind die letzten Worte im Leben einer alten Frau, die sich gleich zu Beginn des Films das Leben nimmt. Wie ein bleischweres Leichentuch lastet ihr Freitod auf Regisseur Óskar Thór Axelssons Werk, einem Geisterfilm wie eine dunkle Wolke. Ein schweres Unwetter braut sich zusammen. Unheilvoll. Zu keinem Zeitpunkt lässt sich aber erahnen, wann und wie heftig es sich entladen wird. Ebenso wenig ist zunächst klar, ob und wie die beiden Handlungsstränge zusammenpassen könnten, die Axelsson im Folgenden vorantreibt.

Kritik: Das da oben ist die tatsächliche, zusammen gestammelte Inhaltsangabe aus dem Programmheft. Ich habe keine Ahnung, wer sie geschrieben hat – vermute aber, dass die Person außer der ersten Szene den Film nicht gesehen hat und nur noch Zeilen füllen wollte. Anders ist das Geschwurbel nicht zu erklären.

Und weil ich gerade dabei bin, mich bei den Veranstaltern unbeliebt zu machen, gebe ich auch Reiner Stefan noch einen mit, der vor dem Screening frech behauptete, hier eines der stärksten Geisterfilm-Drehbücher der letzten Jahre zu präsentieren und dass ein Hollywood-Remake sicher nur eine Frage der Zeit sei.

Ehrlich, Herr Stefan, EHRLICH? DAS soll ein tolles Drehbuch sein? Haben wir da zwei verschiedene Filme gesehen oder ist bei ihnen alles toll, solange kleine Kinder umkommen (siehe „Playground“)? Ich kann ja gut mit verschiedenen Meinungen leben, aber es hilft, wenn ich die Meinung wenigstens rudimentär nachvollziehen kann.

Sei es wie es sei – hier erstmal eine RICHTIGE Inhaltsangabe: Freyr ist ein Klinikarzt, der immer noch mit dem spurlosen Verschwinden seines Sohnes Benni vor ein paar Jahren hadert. Er wird als Berater zu einer Reihe mysteriöser Unfälle und Selbstmorde hinzu gezogen, bei denen die Toten seltsame Narben in Kreuzform auf dem Rücken tragen. Anderswo in Island wollen Katrin, Lif und Garoar ein herunter gekommenes Haus renovieren, in dessen Keller sie eine uralte Kinderleiche finden. Alles scheint irgendwie mit einem Jungen zusammen zu hängen, der 1956 verschwand…

Man merkt schon: Das ist ein typischer Plot eines skandinavischen Okkult-Thrillers mit den üblichen Zutaten wie alter Schuld, verstümmelten Leichen und generell deprimierender Atmosphäre. Kein Wunder, dass „I remember you“ auf einem ebensolchen isländischen Roman basiert.

Und ich denke, es ist die Umsetzung vom gedruckten Papier zum bewegten Bild, bei der einiges schief gelaufen ist – ein starkes Skript ist genau das, was der Film gebraucht hätte. Ich kann es nur bei bestem Willen nicht finden.

Zuerst einmal werden die beiden Handlungsstränge gleich wertig behandelt, obwohl sie nicht gleich wichtig sind. Das ganze interpersonelle Drama von Lif, Katrin und Garoar ist letztlich zweitrangig und hätte sich genau um die 20 Minuten straffen lassen, die „I remember you“ zu lang ist. Dann wäre der Hauptplot auch deutlich schneller gelaufen.

Die Länge vieler Szenen tut der Spannung ebenso wenig gut wie das Auftauchen der Geisterfiguren nach dem willkürlichen Springteufel-Prinzip. Hier hat ein Regisseur seiner Story nicht vertraut und sie mit Buh-Momenten angefüllt – und einem düsteren Brummen auf dem Soundtrack, wann immer Gefahr droht.

Und schließlich wendet der Film einen Trick an, den ich für Beschiss am Zuschauer halte und der mir schon bei „February“ nicht gefallen hat. Das hat mir das Ende verleidet.

Fazit: Ein optisch ansprechender und gut gespielter Skandinavien-Thriller, dem etwas mehr Souveränität in der Inszenierung und eine knappere Laufzeit gut zu Gesicht stehen würden. Weil ich dieses Jahr auf Island war, vergebe ich mit 6 von 10 Punkten einen mehr, als angebracht wäre.

Fragt Philipp: „Solide. Etwas übertrieben dramatischer Sound. Und eine Auflösung ohne „geheimen“ Zeitversatz wäre besser (und problemlos möglich) gewesen.“

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Gut gespielt und hübsch trostlos gefilmt, aber leider auch unnötig von hinten durch die Brust ins Auge erzählt. Und die Schockeffekte sind halt alle nicht gruselig. Trotzdem noch wohlwollende 7/10.