USA/Kanada/Frankreich 2017. Regie: Laurence Baz Morais, Sébastien Landry Darsteller: Sam Earle, Victoria Diamond, Emelia Hellman, Catherine Saindon, Erniel Baez D, Nick Serino, Thomas Vallieres

Offizielle Synopsis: Eine Teenager-Clique verbringt seine Zeit, wie es sich gehört – mit Alkohol, Drogen und vorehelichem Geschlechtsverkehr. Bis sie eine alte Spielekonsole mit dem eingelegten „Game of Death“ entdeckt. Kaum ist der antiquierte Kasten gestartet, eröffnet das Spiel die Regeln: 24 Todesopfer fordert es von der Truppe! Andernfalls stirbt jeder einzelne einen grausamen Tod. „This game will blow your mind“, verspricht der Startbildschirm – und das ist wörtlich gemeint.

Kritik: Es wird für mich zum Sport, den Dummfug der offiziellen Inhaltsangaben zu korrigieren. Nein, das „Game of Death“ ist keine Spielekonsole. Es ist ist ein elektronisches Brettspiel, weswegen es auch nicht „eingelegt“ wird. Natürlich eine Niggeligkeit, aber ich halte es schon für bedenklich, wenn Festivalveranstalter nicht mal den Plot eines Films korrekt wiedergeben können.

Nun liest sich die Inhaltsangabe ja gar nicht schlecht – in dem Sinne, dass massiver Bodycount und pubertäre Exzesse versprochen werden. Bei Filmen aus dem anglo-amerikanischen Bereich kann man allerdings davon ausgehen, dass die Exzessen sich auf viele „fucks!“ und den Missbrauch weicher Drogen beschränkt, denn das Sexuelle darf wie immer nur angedeutet werden. Menschenverachtender Zynismus, Splatter, Alkoholsucht – alles prima. Ein Nippel? Pfui, schämen die sich denn gar nicht?!

Seufz…

Kommen wir noch mal zur Inhaltsangabe zurück: „Eine Teenager-Clique verbringt seine Zeit, wie es sich gehört – mit Alkohol, Drogen und vorehelichem Geschlechtsverkehr.“

Abgesehen davon, dass es in meinen Augen „ihre Zeit“ heißen müsste: das stimmt. Und führt dazu, dass ich mich nach drei Minuten zu Philipp gedreht und geflüstert habe: „Ich kann es nicht abwarten, bis dieses ekelhafte Pack endlich gekillt wird“. Das ist sicher nicht die Einstellung, die man zu seinen Protagonisten haben sollte, aber „Game of Death“ ist leider angefüllt mit widerlich(st)en Spacken, die nicht schnell genug aus dem Genpool geschossen werden können.

Darum freut es mich, dass der Film in sympathisch straffen 70 Minuten auch primär damit beschäftigt ist, so schnell wie möglich 24 Menschen durch Handfeuerwaffen und okkulte Kopfplatzer ins Jenseits zu befördern. Besser ist das.

Dergestalt ist der Film auch schon allumfänglich beschrieben. Es gibt das banale Setup, das an keiner Stelle näher beleuchtet wird – das Spiel will Opfer. Dann Massaker. Am Ende wandert das Spiel weiter. Wo keine Charaktere entwickelt, keine Plots gebaut und keine Twists enthüllt werden müssen, kann man fettfrei unter Spielfilmlänge bleiben.

Soll ich den singulären Fokus der Macher bewundern, die keinerlei Interesse an tatsächlichen filmischen Strukturen jenseits des Splatters zeigen, sich dafür aber ernsthaft einen „created & directed by“-Credit gönnen? Soll ich mich freuen, dass nach elend gestreckten Dramen auf dem FFF hier endlich mal wieder auf die Tube gedrückt wird? Soll ich mich angesichts des Zynismus der Weltsicht empören oder amüsieren? Wird hier mein Moralist oder mein inneres Dreckschwein bedient?

Ich weiß es nicht. Arschlöcher laufen rum und erschießen Leute, damit ihnen nicht der Kopf platzt. Nehmt das, wie ihr wollt.

Fazit: Zynischer Junior-Splatter, der sehr gerne Anfang einer losen Reihe sein möchte und mit seiner kurzen Laufzeit und mangelnden Dramaturgie eher für die YouTube-Generation gemacht scheint. Man nimmt, was man kriegen kann. 5 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Schrott. Kein Gag zündet. Selbst die einzige brauchbare Idee (Palliativ-Heim) wird sogleich konterkariert.“

Next up: My friend Dahmer



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[…] er will unsere Helden nicht sterben sehen – ganz anders als z.B. der menschenverachtende „Game of Death“. Brian und Lucas sind Jungs, auf deren Seite man gerne […]

Marcus
Marcus

BÄÄÄÄH!

Was. Für. Ein. Rotz.

Erstens ist der Vogel nicht der einzige, der jeden auf der Leinwand nach spätestens fünf Minuten tot sehen wollte. Oh nein…

Zweitens ist der Film hundsmiserabel geschrieben: die Figuren sind Pappkameraden und machen irgendwas, weil das im Skript steht, und nicht, weil das in ihrem Charakter (ham wer nich, kriegen wer auch nich mehr rein) so angelegt wäre. Ich könnte beim besten Willen nicht sagen, wie lange die Frist des Spiels für die jeweils nächste Leiche denn nun dauert. Ich bin mir sicher, dass die „2“ im Totencountdown zweimal vorgekommen ist. Handlung gibt es nicht, es sei denn wir zählen „Arschlöcher killen Leute“ schon als Handlung.

Drittens pflegt der Film einen dümmlichen, zynischen und gegen Ende immer widerwärtiger werdenden Menschenhass, der „und dann ballern sie den weg, höhö“ per se für eine Pointe zu halten scheint. Und wenn der Film am Ende gar noch die nihilistische Pseudophilosophen-Keule auspackt, kann man die Dumpfbacken hinter der Kamera förmlich hören, wie sie sich beim Brainstorming (einem der Marke „fass mal nem nackten Mann in die Tasche“) gegenseitig „deeper Scheiß, Alter“ zugeraunt haben.

Der Rest sind dann unterwältigende Splättereien, miese Schauspieler und sinnfrei reingewürgte Gimmicks – warum auf die Line „This is not a videogame, dude“ ein sekundenkurzes Stückchen Footage aus einem dieser alten „Leute überfahren“-Arkadenspiele (fragt mich nicht, wie das heißt – SO alt bin ich nicht) eingespielt wird, oder wieso der Vorspann wie ein Arkadenspiel aussieht (obwohl, wie der Hausherr oben erklärt hat, das „Game of Death“ KEIN VERFICKTES VIDEOSPIEL ist), mögen die Götter wissen. Fragt man die Macher, kommt vermutlich ein „Hommage“ und „Kult“ oder was ähnlich Sinnentleertes.

Kurz: Wer solche Filme macht oder gutfindet, ist eine Dumpfbacke. Klingt gemein, is aber so. Liebes GAME OF DEATH, willkommen in der erlauchten Gesellschaft von RAZE, MORITURIS und ABCs OF SUPERHEROES mit meinem „special occasion-score“ von 0/10.

Matts
Matts

Ich tendiere von der Meinung eher zu Torsten als zu Philipp. Als kurzweiliger Splatter-Snack ist er zu gebrauchen. Und die Idee war ja ganz nett. Falls sie das Remake von Jumanji vergeigen, gibt es wenig genug Filme über böse Brettspiele.
Ich gebe auch zu: Die Videospiel-Anspielungen (er sagt „Carmageddon“ und dann kommt auch „Carmageddon“) haben mein Herz gewärmt!

Thies
Thies

Der Trailer zum neuen „Jumanji“ lässt mich befürchten, dass Sony den noch schlimmer vergeigt als den neuen „Ghostbusters“.

Thies
Thies

Kurze Anmerkung. Der (nun auch nicht mehr so) neue „Jumanji“ ist wesentlich besser ausgefallen, als man erwarten durfte. Keine Ahnung ob es am Marketing oder meiner geringen Erwartungshaltung lag, aber ich war freudig überrascht.