Deutschland 2017. Regie: Dominik Galizia. Darsteller: Saralisa Volm, Franz Rogowski, Tom Semmler, Dieter Weichbrodt, Aciel Martinez Pol

Offizielle Synopsis: Über den Dächern von Berlin. Figaro und seine Lakaien, der schwarze Hüne Edgar und der dauerplappernde Hauser, wissen, was sie dort Tag für Tag finden können: Frieden von ihrem Gangsteralltag. Außerdem eine junge Frau im Pünktchenkleid, die sich nicht wehrt und einen etwas schüchternen jungen Mann, der den Himmel über Berlin entdeckt. Zaghaft, aber bestimmt spricht er seine große Liebe an – die junge Frau im Pünktchenkleid.

Kritik: Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits beschwere ich mich ja immer, wenn der deutsche Film beim FFF unterrepräsentiert ist. Wieso können wir Filme aus Peru und Island schauen, aber die heimisch Industrie – wahrlich nicht klein – bringt nichts zustande? Andererseits: WENN dann mal deutsche Filme beim FFF laufen, bin ich der erste, der auf die zarten Pflänzchen einknüppelt. Gilt denn so gar kein Welpenschutz?

Nein.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich erwarte von MEINER Filmnation, die eine große Geschichte hat und jedes Jahr mit Hunderten von Millionen Euro gefüttert wird, verdammt noch mal größere fucking Anstrengungen. Ich erwarte keine erfreulichen Erstlingswerke, sondern international konkurrenzfähige Beiträge. Vor allem aber: ich möchte mich für „unsere“ Filme nicht immer so furchtbar schämen müssen!

Wer kann, der soll einfach mal „Berlin Syndrome“, eine mit ausländischem Blick erzählte Berlin-Geschichte, mit „Figaros Wölfe“ vergleichen, einer durch und durch deutschen Produktion, die nach Filmhochschule stinkt und nach filterlosen Zigaretten, nach Neuem Deutschen Film und Nouvelle Vague, nach frühem Polanski und Eltern, die das WG-Zimmer der Macher bezahlen.

Eine Frau auf dem Hausdach über Berlin. Drei daher schwafelnde Kleinganoven, die dumm daher reden und die Frau wechselnd penetrieren (mangels Reaktion ist nicht abschätzbar, ob das Vergewaltigungen sein sollen). Fett, Penisse, Pisse, Kotzen. Man redet miteinander, aber aneinander vorbei. Willst du Kuchen? Es wird viel geraucht. Ein zweiter Handlungsstrang. Vielleicht zu anderer Zeit.

Nichts ist mehr als eitle Fingerübung, dumme Geschwätz von jungen Menschen, die noch nicht gelernt haben, wann sie mal die Klappen halten sollten – und dass Film keine Obstkiste ist, auf die man sich zum Deklamieren stellt. Saralisa Volm darf sich zum Zwecke der Kunst mal wieder bei Intimitäten beobachten lassen, als wäre sie das deutsche „go to girl“ für Selbstentblößung.

Rumstehen, reden, rauchen. Vielleicht passiert ja was. Es passiert nichts.

„Figaros Wölfe“ hat kein Gespür für Figuren, kein Gespür für Dialoge, kein Gespür für Abläufe. Der Film wirkt an jeder Stelle wie eine Improv-Produktion gelangweilter Filmstudenten an einem verbummelten Sommernachmittag auf einem Hausdach. Sprüche und Erkenntnisse werden verkündet, als hätte sie der Autor aus dem über Jahre langsam befüllten Karteikästchen mit der Aufschrift „Geile Dialogideen für Filme“ gezogen und willkürlich untergemischt.

Es sei nur am Rande bemerkt, dass der Film obendrein noch mit peinlich schlechten und an sehr vielen Stellen schlicht falschen englischen Untertiteln ausgestrahlt wurde.

Ich kann nicht mehr. Deutscher Film, was tust du dir an – was tust du UNS an?!

Fazit: Alles, was mit dem deutschen Film schief läuft. 1 von 9 Punkten.

Fragt Philipp: „Leute sondern Phrasen ab, die in der 9. Klasse im Sozialkundeunterricht vielleicht jemanden interessiert hätten. In Schwarz-Weiß.“

Next up: Black Hollow Cage



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