USA/Singapur 2017. Regie: David Chirchirillo. Darsteller: Lili Simmons, Noureen DeWulf, Chase Williamson, Jack Cutmore-Scott, Brandon Scott, Trent Haaga

Offizielle Synopsis: Der lässige Hipster Harris hat den Dreh raus. Als Online-Dating-King schläft er nie zweimal mit demselben Mädchen, sondern vögelt sich unbekümmert quer durchs Gemüsebeet. Als der bindungsscheue One-Night-Stand-Dogmatiker allerdings auf die bildschöne Riley trifft, fängt er sich eine besitzergreifende, eifersüchtige Stalkerin ein, die sich trickreich in seinem Leben festklammert. Üble Pranks, Telefonterror und Auflauern in seinem Apartment sind nur der Auftakt zu ihrem gefährlichen Spiel. Bald ist sogar Harris‘ Traumjob im Internet-Startup gefährdet, denn die hartnäckige Riley hat nur eins im Kopf: den leichtsinnigen Macker dafür zu bestrafen, dass er seine Dates nach Gebrauch einfach wegwirft. Dafür ist ihr jedes Mittel recht.

Kritik: Und wieder mal – eine Inhaltsangabe, die den Film sträflich verfälscht, um ihn interessanter klingen zu lassen. Streicht einfach die letzten drei Sätze, die sollen euch nur auf eine falsche Fährt führen.

„Bad Match“ ist zuerst einmal ein „Psycho bitch“-Streifen, wie wir ihn seit „Fatal Attraction“ bis zum Abwinken gesehen haben. In den letzten zwei, drei Jahren scheint dieses Subgenre eine Art kleine Renaissance zu erleben. David Chirchirillo sucht sich sehr bewusst einen modernen Ansatz dafür, bringt eine Tinder-Variante ins Spiel, die es Harris erlaubt, fast jeden Abend eine neue Flamme abzuschleppen. Bei der Rache wird diesmal kein Kaninchen gekocht, sondern der Twitter-Stream gekapert. Um einen Mann zu ruinieren, muss man ihm keine Leiche unterschieben – Kinderpornos auf der Festplatte reichen. Welcome to 2017.

Aber das ist letztlich nur Staffage, unter der Haube läuft „Bad Match“ über weite Strecken genau so ab wie Dutzende anderer Streifen dieser Richtung. Wenigstens ist er dabei recht flott inszeniert und die beiden Hauptdarsteller können durchaus überzeugen. Harris ist zwar charmant, aber letztlich ein egoistischer Drecksack. Und Riley mag sehr klammern, aber sie ist das Produkt einer verunsicherten Statusgesellschaft, in der ein Ehemann viel schwerer zu finden ist als ein Boyfriend.

Zum Ende hin versucht „Bad Match“ mit einem Fokuswechsel, eine eigene Sichtweise auf das Subgenre zu entwickeln – Harris wird selber zum stalkenden Psychopathen, der sich in eine Theorie verrennt, die zunehmend unwahrscheinlich ist. Der Impact dieses Twists fällt allerdings flach aus, weil wir ihn bereits nach der Hälfte kommen der Laufzeit sehen. Es ist zu offensichtlich, die Hinweise sind zu aufdringlich. Nichts ist tragischer als ein langsamer Spannungsaufbau, dessen Ergebnis wir längst kennen.

Und so wartet man im letzten Drittel statt auf die erwartbare Auflösung eigentlich nur noch auf die finale Konfrontation, die dann wenigstens erfreulich saftig ausfällt. Aber so ganz rausreißen kann es den Film dann auch nicht mehr.

Fazit: Eine über weite Strecken standardisierte, etwas hippere „Fatal Attraction“-Variante, die eigentlich nichts falsch macht und gute Darsteller mitbringt, aber zu früh und zu deutlich ihre erzählerischen Karten offen legt. Das gibt Abzug, darum nur 6 von 10 Punkten.

Fragt Philipp: „Ziemlich vorhersehbar, aber denoch amüsant.“

Next up: The Crucufixion



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Thiesherbert Recent comment authors
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herbert
herbert

ich kaufe eine wortstellung:

weil wir ihn bereits nach der Hälfte kommen der Laufzeit sehen.

Thies
Thies

Mehrere Filme vom vorletzten Jahrgang warten immer noch auf eine Veröffentlichung, aber ausgerechnet diese 08/15-Nummer kriegt jetzt noch einen DVD-Start? Unfair!