USA 2017. Regie: Trent Haaga. Darsteller: Matthew Gray Gubler, AnnaLynne McCord, Alisha Boe, Sheila Vand, Sam Eidson, Michael Beasley u.a.

Offizielle Synopsis: „All unsere Fehler machen wir Männer nur aus einem Grund… Pussy!“ Hätte Abwasserspezialist Chip mal auf seinen Kumpel gehört. Aber wer könnte es Chip verübeln, seine Liza ist schon ein verflucht heißer Feger! Aus ihrem Mund klingt „Ich habe einen todsicheren Plan“ auch ganz vernünftig. 68.000 Dollar hat einer ihrer Freier im Safe – und Liza kennt den Code! Schon steckt Chip mittendrin. Nein, nicht in der Pussy! Ganz tief in der Scheiße und in einem Raubzug mit verdammt wilden Folgen.

Kritik: Auf den Film war ich neugierig – nicht wegen der Darsteller oder der Story, sondern weil es sich um die zweite Regiearbeit von Trent Haaga handelt, der viel mit Charles Band gearbeitet hat und auf diesem Festival auch wieder als Schauspieler zu sehen ist. Ich finde es immer interessant zu sehen, ob sich ein Talent aus dem Low Budget-Bereich hocharbeiten kann.

In vielerlei Beziehung ist „68 kill“ ein Gegenstück – man könnte sagen: Gegenmittel – zu nihilistischen und deprimierenden Dramen wie „Hounds of Love“. Hier ist nichts authentisch, die Story ist völliger Blödsinn und sämtliche Charaktere sind nie mehr als Abziehbilder, überhitzte Klischees. Es wird viel geflucht, gevögelt und gekillt, heiße Bräute linken dumme Kerle, eine größere Summe Cash wechselt mehrfach den Besitzer.

Es braucht schon eine Menge Talent, um diese Sorte „die Nacht, in der alles schief ging“-Plotte unbeschadet über die Ziellinie zu bringen, denn in den meisten Fällen scheren uns weder die Personen noch ihre geschilderten Erlebnisse. Ich erinnere mich, dass mir „Go“ in dieser Richtung ganz gut gefallen hat, „11:14“ auch. Ein gutes Beispiel, wie man den Zuschauer hingegen mit Arschloch-Cast und Leckmich-Wendungen vor den Kopf stößt, hat vor nicht allzu langer Zeit „Happy Birthday“ abgegeben.

Und leider ist es „Happy Birthday“, an den mich „68 kill“ immer wieder erinnert hat und dessen Review ich hier zitieren möchte, weil es ganz gut passt:

„Der Regisseur und Autor des Films (….) ist offensichtlich ein echtes Kind der LA / Hollywood-Szene, die nur sich selbst erlebt, die Welt außerhalb Kaliforniens nach Klischees definiert und ihre eigene Oberflächlichkeit mit Authentizität verwechselt. Hier reden Leute nicht wie im Film, weil sie sich in einem Film befinden – sondern weil man in Santa Monica tatsächlich so redet.“

„68 kill“ wirkt wie das Drehbuch von Filmstudenten, denen es noch massiv an Lebenserfahrungen mangelt. Sie mögen das cool und edgy finden, aber letztlich ist es nur pubertäre Poserei. Selbst der genüsslich hausgemachte Splatter wirkt kindisch.

So wie Metropolis und Gotham City keine echten Großstädte sind, sondern nur künstlich erschaffene, sehr begrenzte Schauplätze in einem erzählerischen Medium, so entspricht die Welt von „68 kill“ keiner uns bekannten Realität, sondern ist ein Spielplatz für Figuren und Plots aus dem Grindhouse-Ramschladen. An Tiefe und Detailschärfe erinnert das an Level von „Grand Theft Auto“.

Die Darsteller tun sich auch keinen Gefallen, weil sie sich dem mangelnden Anspruch unterordnen: Matthew Gray Gubler gibt wie in „Suburban Gothic“ den Clown, AnnaLynne McCord – vor ein paar Jahren noch so herausragend in „Excision“ – ist diesmal nur schrill, frei von allen Ebenen oder Nuancen. Der Rest der Besetzung knallchargiert ebenfalls nach Kräften.

Andererseits: Im Vergleich mit „Psychopaths“ ist „68 kill“ Gold wert, weil er wenigstens straight erzählt ist und mit soliden Schauspielern und kompetenter technischer Leistung zu punkten weiß. Man bekommt keine Kopfschmerzen.

Wer nur zum FFF kommt, um 100 Minuten lang krachiges Dosenbier-Drama zu konsumieren, mag hier leidlich unterhalten werden. Zuschauer mit einem Mindestmaß an Anspruch winken gelangweilt ab. Für Trent Haaga ist es nach diversen ultrabilligen Full Moon-Heulern aber auf jeden Fall ein Aufstieg.

Fazit: Trashiges Sex & Crime-Comedydrama, dem nach der Hälfte die Luft ausgeht und in dem kein einziger Moment und keine einzige Figur den Zuschauer überzeugt. Billiger, bunter Füller für das Festivalprogramm und einsame DVD-Sessions anspruchsloser Allesgucker. 5 von 10.

Fragt Philipp: „Eine unterhaltsame Reise durch die Welt der Manipulation von Frauen an Männern.“

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B-Movie Madness: Der Vogel lässt sich feiern - Wortvogel - 100% Torsten DewiJakeMarcusheino Recent comment authors
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heino
heino

Der war genau, was ich erwartet hatte. Frauen sind Heilige oder durchgeknallte Huren, Männer sind Weicheier oder nichtsnutzige Junkies, die Handlung ist vollkommen absurd, aber es wird nie wirklich langweilig. Bisher der schwächste Film, aber insgesamt als reines Entertainment okay.

Marcus
Marcus

„Wer nur zum FFF kommt, um 100 Minuten lang krachiges Dosenbier-Drama zu konsumieren, mag hier leidlich unterhalten werden. Zuschauer mit einem Mindestmaß an Anspruch winken gelangweilt ab. “

Korrektur: Wer nur zum FFF kommt, um die Jahresproduktion an künstlerisch wertvollen Coming of Age-Dramen wegzugucken (wie es der Hausherr ja offenbar getan hat, hehehe), mag hier indigniert die Nase über so viel Anspruchslosigkeit und Wille zum bloßen Entertainment rümpfen. Zuschauer mit einem Mindestmaß an Gefallen an Tempo, coolen Knallchargen und good ol‘ friendly violent fun dagegen geben 8/10.

Jake
Jake

Das war der Abschlussfilm auf dem diesjährigen Hardline Festival und dafür war er perfekt geeignet – als anspruchsloser, unterhaltsamer Rausschmeißer. Nichts, was mich privat hinterm Ofen hervorlocken würde, aber in Festival-Atmosphäre und mit zwei Bier intus konnte ich mir den gut geben. 6/10

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