Schon vor 30 Jahren habe ich in der Schule gelernt, dass die Wegwerfgesellschaft ein ökologisches Desaster ist. Immer mehr Gegenstände werden so konstruiert, dass sie nicht nur bei Schäden irreparabel sind – immer mehr Gegenstände werden auch für den Einmalgebrauch hergestellt oder in immer kleineren Portionsgrößen, was den Abfall maximiert. Wie oft habe ich mich aufgeregt, dass es Einwegkameras gibt, bei denen zwei, drei Plastikteile ausreichen würden, sie beliebig oft verwenden zu können.

Es ist seither nicht besser geworden. Immer mehr Menschen verwenden Kaffeemaschinen mit Kapseln, die mit jeder Tasse Plastik- und Alumüll verursachen. Beim Elektroschrott hat sich die katastrophale Gewohnheit etabliert, funktionierende und allemal noch zeitgemäße Geräte zu entsorgen, nur weil der Hersteller ein neues Modell auf den Markt gebracht hat. Als wären Smartphones Klamotten, die nur eine Saison getragen werden können.

Ist die Anhäufung von Plastikmüll schon schlimm, ist die Anhäufung von Elektroschrott noch schlimmer, denn hier multiplizieren sich untrennbare Giftstoffe und wertvolle Edelmetalle, hier wachsen nicht nur die Müllberge, es schrumpfen auch die Ressourcen.

Ein kleiner, wenn auch nicht sonderlich massiver Silberstreifen am Horizont ist der breite Einsatz von Akkus, die wieder aufgeladen werden können. Man vergisst leicht, dass z.B. Walkmans noch gerne mit einfachen Batterien beladen wurden, die nach ein paar Stunden leer in der Mülltonne landeten. Das wäre heute nicht mehr statthaft, immer kleinere Akkus liefern die Energie und lassen sich oft mehr als tausend mal neu laden. Da Geräte immer weniger mechanische Teile besitzen und deshalb immer weniger Strom verbrauchen, halten immer kleinere Akkus auch immer länger.

Und gerade deshalb war ich rechtschaffen entgeistert, als ich eben über dieses Video zu einer echten Perversion in Sachen Wegwerfkultur gestoßen bin – ein Einmal-Akku, der mit einer wieder aufladbaren Zelle bestückt ist, die man lediglich um den entsprechenden Anschluss an die Steckdose kastriert hat.

Kleine Rechnung dazu: Mein letztes Android-Smartphone hatte einen Akku von knapp 2100mA. Dieser „power hit“ liefert gerade mal 500mA. Ich kann also lediglich 25 Prozent meines Handyakkus aufladen, bevor der Boost selbst schon den Geist aufgibt.

Also: kaufen, Plastikverpackung aufreißen und wegschmeißen, 500mA ins Smartphone pumpen, dann ab in die Tonne. Nach mir die Sintflut.

Ich könnte kotzen.



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Karsten
Karsten

Ich finde das relativ witzig.. einfach aus dem Grund, weil mein ehemaliger Arbeitgeber diese Dinger in ähnlicher Form vor 12 Jahren schon in den Markt drücken wollte. Damals aber für motorola, samsung, nokia etc. Jedes Handy hatte da noch einen eigenen Anschluss. Das war auch Müll ohne Ende.

Was soll ich sagen?? Es ist wunderbar gefloppt, keiner wollte es haben, die Hersteller verklagten die Firma weil sich niemand um die Nutzungsrechte der Logos und Firmentitel bemüht hatte. Ein Desaster.

Ich hoffe, dass es diesen Dingern ähnlich ergehen wird.

Alph
Alph

Kompletter Unsinn. Es gibt doch für nen Zehner schon Powerbanks mit 5000 bis 10000 mAh Kapazität, die dann mindestens ein paar hundertmal aufgeladen werden können.

S-Man
S-Man

Ok, DAS ist wirklich richtig schlimm…

Teleprompter
Teleprompter

Die übliche Maßeinheit für solche Dinger sind übrigens mAh (Milliamperestunden). 500mAh sollte man ja fast schon mit so einem altmodischen Teil mit Minidrehkurbel hinbekommen.

Davon abgesehen sind die Teile zwar in 99% der Fälle völliger Unfug, für den einen Fall (Alleinunfall auf abgelegener Straße mit entladenem Handy) können sie im Extremfall aber auch Leben retten – wenn darin den Nutzungszweck erkennt, wird die Welt daran wohl nicht (schneller) zugrunde gehen. Wenn wir – wie manche grüne Träume das sehen – mehr oder weniger schlagartig auf elektrische Mobilität umsteigen, werden die im übrigen sowieso unbezahlbar, weil das Lithium nicht reicht.

Generell könnte man zum Thema Wegwerfgesellschaft viel sagen. Ich sehe mich da im Zwiespalt – meiner hochwertigen Technik (TV, Beamer, Stereo) bleibe ich viele Jahre treu, teste da auch immer noch mal Reparaturoptionen. Im preiswerten Konsumersegment (Drucker, Staubsauger, ja auch Kaffeemaschinen) mache ich da auch nicht mehr allzuviel Federlesens, wenn da etwa die Kapselgeräte („mit 40 Euro Guthaben“) für 29 Euro angeboten werden oder der Druckerhersteller das neue Modell für 70 Euro vertickt und noch 30 für das alte zahlt – ist nicht erfunden). Ist halt der Zug der Zeit.

Schmand2001

Einerseits ist das schon irgendwie krank, andererseits als Notladegerät (wenn die Powerbank zu groß/ sperrig ist… wie auch immer das gehen soll, meine ist knapp 10cm lang) ganz praktisch (wenn es wirklich nicht als andauernde Ladequellen genutzt werden).
Was die Kapselkaffeemaschinen angeht ist das natürlich Ressourcenverschwendung hoch 10. Andererseits schmeckt Kapselkaffee einfach um Meilen besser als Pad- Kaffee.