Originaltext Juni 2014:

Die Grundidee ist nicht neu: Fans kultiger Filme und Serien greifen zur Kamera, um eigene Geschichten aus dem geliebten Universum zu drehen. Dank Internet, YouTube und Crowdfunding hat sich die Szene mittlerweile erstaunlich professionalisiert. Die Produzenten der Originale profitieren von der Publicity – und behalten die Kontrolle über ihre Marken.

Blick zu den Sternen – und in die Vergangenheit

Ein Meilenstein: 2016 wird die Star Trek-Franchise 50 Jahre alt. 525 Fernsehepisoden (plus 22 als Zeichentrick), 12 Kinofilme, eine unübersehbare Menge an Romanen, Computerspielen und Comics – mehrere Milliarden Dollar hat Paramount mittlerweile an der Marke verdient. Nach dem Neustart der Kinoreihe 2009 soll der runde Geburtstag mit einem dritten „aufpolierten“ Trek-Abenteuer gefeiert werden, das mindestens 200 Millionen Dollar kosten wird. Das ist weit mehr, als die gesamte Originalserie mit ihren 79 Folgen gekostet hat, die 1972 im ZDF ihre deutsche Premiere feierte.

Während sich die Marketing- und Merchandise-Maschine zum Kult immer weiter aufbläht, blüht auch die Subkultur der Trekker. Sie haben „ihre“ Serien begeistert auch durch die schwächeren Zeiten Anfang des neuen Jahrtausends begleitet. Die Szene ist beeindruckend kreativ und beschränkt sich nicht auf Kostümwettbewerbe bei Fantreffen und aufs Papier geschmachtete Liebegeschichten unter den Crewmitgliedern. Schon in den 90ern begannen kleinere Grüppchen, die sich oft bei Star Trek-Stammtischen gefunden hatten, eigene Trek-Filme zu drehen.

Der Kult für eine neue Generation

Tobias Richter aus Köln, Grafiker und Trickeffekte-Spezialist vieler Computerspiele und Filmproduktionen, war von Anfang an dabei. Warum gerade Star Trek diese Mitmach-Begeisterung auslöst, erklärt er so: „Das Universum ist sehr positiv ausgerichtet, daher kann sich jeder vorstellen, es zu leben. Es macht Spaß, sich darin Geschichten auszudenken, Welten zu erschaffen und das mit anderen Fans zu teilen.“

Das Internet hat dem Phänomen Fanfilm neuen Schub gegeben. Weltweit können Trekker sich vernetzen, jeder kann etwas beisteuern – sei es ein Musikstück für den Soundtrack, ein paar Toneffekte oder komplette Weltraumschlachten aus dem Rechner. Die Verbreitung über Plattformen wie YouTube sorgt für eine Zuschauerschaft, die manche „richtige“ TV-Serie neidisch werden lässt.

Produktionen wie „Star Trek: Phase 2“ und „Star Trek continues“ erzählen dabei neue Geschichten, die vor, zwischen oder nach den offiziellen Serien spielen. Technisch spielen diese meist in unregelmäßigen Abständen produzierten Episoden mittlerweile in der Oberliga. Tobias Richter, der für viele dieser Produktionen arbeitet: „Natürlich versuche ich, dem Grundgedanken treu zu bleiben. Es war aber nie mein Ziel, exakt die Effekte der Original-Serie zu kopieren.“

Wurden die frühen Fanfilme noch vom Taschengeld und später von Spenden aus dem Freundenkreis finanziert, so ist mittlerweile auch die Finanzierung professionalisiert – man sammelt Geld per Crowdfunding.

Dass die Beteiligung an Fanproduktionen kein Stigma mehr bedeutet, haben auch die Schauspieler bemerkt – viele, die schon in den 60ern für „Star Trek“ vor der Kamera standen, schlüpfen für die Fanfilme noch einmal in die Rollen, die sie berühmt gemacht haben.

Die notorisch klagefreudigen Hollywood-Firmen, die hinter Marken wie Star Trek und Star Wars stehen, unterstützen die Fanproduktionen nicht – lassen sie aber gewähren. Es ist schließlich kostenlose Werbung. Es gibt allerdings eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf: Kein Fanfilm darf Profit machen, Geld verdienen ist nicht drin. Aber das ist für die Beteiligten sowieso nicht die Motivation, wie Tobias Richter bestätigt: „Ich bin SciFi Fan, seit ich denken kann, daher ist das Monetäre eher zweitrangig.“

NACHTRAG 2017: Der Wind weht rauer. Fanfilme gibt es immer noch, aber die Begeisterung hat scheinbar etwas nachgelassen. Während Lucasfilm die Szene immer noch nach Kräften unterstützt, hat sich Paramount mit einer Klage gegen „Axanar“ viel Ärger eingehandelt – die in diesem Jahr erreichte Einigung kommt einer Gängelung der kreativen Seite gleich. Mit massiven Vorschriften sollen nun die Grenzen des Begriffes „Fanfilm“ im Sinne der Franchise-Eigentümer definiert werden.

NACHTRAG AUGUST 2017: Gerade reingekommen – Paramount schafft Möglichkeiten, setzt aber sehr klare (in meinen Augen inakzeptable) Grenzen.



4 “ Hyperland Redux (12): Star Trek-Begeisterte kapern die „Enterprise“ (NACHTRAG) ”

  1. 1

    Ich liebe die Serien (außer VOY), ich mag die Filme. Aber so weit ging meine Begeisterung nie, dass ich mir Fanproduktionen angeschaut oder Star Trek-Romane gelesen hätte. Den Trubel, den Paramount bezüglich „Axanar“ veranstaltet hat, finde ich lächerlich. Und leider sind die nicht die einzigen mit Stock im Arsch. In diesem Zusammenhang kommt mir z.B. das Fanprojekt zum 30. Zelda-Jubiläum in den Sinn, bei dem zwei findige Fans eine browserbasierte Hommage an das erste Zelda-Spiel entwickelten, welche die Pixel-Optik des Originals mit modernem 3D-Look verband. Das sah einfach sensationell aus (https://www.youtube.com/watch?v=LVsMotnLymE).

    Wäre Nintendo schlau gewesen, hätten sie den Machern das Projekt abgekauft, selbst veröffentlicht und den Jungs ein Jobangebot unterbreitet. Stattdessen wurden die Entwickler von Nintendo gezwungen, das Projekt einzustampfen. Klar darf Nintendo seine Rechte schützen, aber diese Reaktion fand ich unglaublich verbissen und „uncool“.

  2. 2
    AlphaOrange

    Schwierig mit dem „uncool“. Ich kann durchaus verstehen, wenn Rechteinhaber ihre Rechte auch schützen, wenn Fans das Spiel damit zu weit treiben. Kann da nur von den besagten Trek-Projekten sprechen: Axanar hat mit Crowdfunding ein ganzes Studio gebaut, um es später kommerziell zu verwerten, der Kopf hinter dem Projekt hat sich selbst Gehalt ausgezahlt. New Voyages und Continues haben zumindest ihren Gastdarstellern Gagen gezahlt, Renegades besteht fast gänzlich aus Altstars, die das sicher auch nicht als rein unentgeltliche Freizeitbeschäftigung machen. Somit auch wenn das alles Non-Profit ist, hat es bei vielen der großen Projekte der letzten Jahre schon geschäftsmäßige Züge angenommen (was sich eben auch im zunehmend professionellen Look niederschlug) und das zu unterbinden finde ich legitim. Das die Richtlinien von Paramount/CBS zu weit gehen, ist die andere Sache. Die starken Eingriffe in die kreativen Freiräume sind absolut unnötig gewesen.

    @Torsten:
    Die Regeln bei Star Wars sind doch ähnlich rigide, 15-Minuten-Limit gilt dort genauso. Nur das man es dort in Wettbewerbsform und aus einer anderen Situation heraus positiver installieren konnte.
    Die Film Academy, die du nachgetragen hast, ist in meinen Augen ne tolle Sache, hat aber imo anders als Serienjunkies schreibt herzlich wenig mit den Fanfilmen zu tun, wie man sie so kennt. Ich weiß auch nicht, was du mit „inakzeptablen Grenzen“ meinst. In Bezug auf die Academy sehe ich nichts Inakzeptables – wenn du’s auf die Fanfilm-Richtlinien beziehst gebe ich dir wie oben geschrieben natürlich Recht.

  3. 3

    Was mich an den Fan Filme besonderes fasziniert ist, dass sie manchmal in der Qualität den Studios in nichts nachstehen und zum Teil auch besser sind. Sei es von der Story her als auch von den Effekten

  4. 4
    invincible warrior

    Es gibt immer noch die Theorie, dass CBS Axanar verklagt hat, weil sie beide das gleiche Thema haben. Der Fanfilm soll sich auf die Schlacht von Axanar im Jahr 2151 konzentrieren und um den exzellenten Taktiker Garth von Izar, der später zum Megalomanen mutiert (vor 2168, in dem Jahr bringt Kirk ihn zur Strecke). Discovery wurde damals von Fuller als Serie angeteasert, die VOR Kirks Abenteuern spielt und auf ein Ereignis basiert, was in der orginalen Serie erwähnt wurde. Nun wissen wir, dass die Serie im Jahr 2155 spielt, der Hauptcharakter nicht der Captain ist, dieser aber „ein exzellenter Taktiker“ und „most fucked up Captain“ ist und nicht alles eitel Sonnenschein sein soll in der Kommandostruktur. Mal ganz abgesehen davon, dass die Klingonen wohl auch prominent vertreten sein sollen. Hört sich schon sehr ähnlich an, einzige Problem zur Zeit an der Theorie ist, dass der Captain der Discovery Lorca genannt wird (übrigens gespielt von Jason Isaacs, der normalerweise eine Dauerkarte für die Schurkenrolle hat). Allerdings haben die Produzenten von Star Trek into Darkness (zu denen auch der hier tätige Kurtzman gehört) auch Cumberbatch bis zum Release immer nur John Harrison genannt…

    Disclaimer: Es müsste eigentlich hauptsächlich CBS heißen, weil die die Hauptkläger sind, da sie die Rechte an den Serien (worauf die Fan Filme aufbauen) besitzen. Paramount besitzt nach der Aufspaltung durch Viacom nur noch die Rechte an den Filmen, weswegen sie hier eher Nebenkläger sind.

    wegen Fan Filmen allgemein: Zumindest war es bis Axanar so, dass zumindest offiziell kein Geld in die Taschen der Schauspieler floss. Natürlich muss das nicht heißen, dass das nicht passiert ist, aber selbst wenn, waren das nur Kleckerbeträge (falls da nicht privat und geheim mehr in die Filme geflossen ist).
    Dafür haben die anderen „professionellen“ Fanfilme einen Unterschied zu Axanar: Die sind teilweise von Star Trek Alumni gemacht, die keine große Karriere außerhalb Star Trek hatten wie Walter Koenig, Tim Russ etc hatten. Da kann es schon sein, dass diese die Filme mitgemacht haben, in der Hoffnung so wieder bekannter zu werden und bezahlte Folgeprojekte zu bekommen. Dadurch wurden diese Fanprojekte aber auch gleichzeitig professioneller und hatten direkt ein gutes Star Trek Netzwerk, was diese Shows vor einer Klage durch CBS bewahrte.
    Das Axanar Projekt hat aber direkt sehr anmaßend begonnen und immer klar gemacht, dass die damit Geld verdienen wollen und auch Schauspieler bezahlen wollen. Das hatte schon eine etwas andere Dimension. Dazu kommt, dass die auch nach der Klage durch CBS direkt mit ner total verblödeten Gegenklage ankamen. Ich kann da schon verstehen, wieso CBS hier durchgegriffen (leider aber auch übers Maß hinaus) hat.

    PS: Selbst Russ und Co haben sich nach der Axanarklage auch fix vom Star Trek Thema verabschiedet und produzieren ihre Serie ohne Star Trek Zusatz, aber eben mit Anleihen.



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