USA/Japan 2017. Regie: Shinji Aramaki, Masaru Matsumoto. Sprecher (Original): Casper Van Dien, Dina Meyer, DeRay Davis u.a.

Inhalt: Johnny Rico muss nach einem bösen Patzer im Kampf gegen die Bugs Dienst in einer Station im Orbit um den Mars schieben. Sein Auftrag: „Mars-Kids“ zu Troopern ausbilden. Das ist umso problematischer, da die Bewohner des Mars nach Unabhängigkeit streben und sich am ewigen Krieg nicht mehr beteiligen wollen. Doch etwas brodelt unter der Oberfläche des roten Planeten – im wahrsten Sinne des Wortes. Und schon bald sind Rico, Carmen und Carl wieder vereint, um mit politischen Tricks und schierer Waffengewalt gegen die Bugs und den despotischen weiblichen Sky Marshall Amanda Snapp vorzugehen. Hunde, wollt ihr ewig leben?!

Kritik: Im Kanon von Starship Troopers ist „Traitor of Mars“ der offiziell fünfte Film und der zweite reine CGI-Streifen der Serie nach „Invasion“. Meine Meinung zu den einzelnen Bestandteilen der Franchise könnt ihr ebenda nachlesen.

Einerseits finde ich es schade, dass die Saga um den Kampf der Menschen gegen die Bugs keine Realfilme mehr finanzieren kann (gerade nach dem exzellenten „Marauders“). Andererseits könnte ich mir noch andere Franchises vorstellen, die statt Totenruhe ein paar knackige CGI-Filme vertragen könnten („Babylon 5“, „Battlestar Galactica“, „Firefly“, „Stargate SG-1“).

Nun war ich angesichts „Invasion“ ja eher gespalten – der Sprung ins rein Digitale war recht holperig, für jede gute Hardware-Actionszene gab es schwache Dialog-Szenen, für jede atmosphärische Bug-Sequenz ein paar miserable Charakter-Modelle der menschlichen Protagonisten. „A mixed bag“, wie die Amerikaner sagen.

Eine echte Kehrtwende kann man von „Traitor of Mars“ nicht erwarten, denn er wurde von den gleichen Leuten als direkte Fortsetzung zu „Invasion“ produziert. Die Technik, der Look und das Figurendesign wurden entsprechend beibehalten. Wer damit bei „Invasion“ nicht konnte, der wird auch hier nicht glücklich.

Aber es gibt zwei Faktoren, die deutlich für „Traitor of Mars“ sprechen – die Technik hat sich weiterentwickelt und die Macher haben diesmal deutlich mehr Fokus darauf gelegt, die Beteiligten der Realfilme mit an Bord zu holen, um den Film stärker mit seinen Vorgängern zu verzahnen.

Fangen wir mit der technischen Seite an: Wie „Invasion“ ist „Traitor of Mars“ immer noch dann am perfektesten, wenn er auf fette Action setzt, wenn die Trooper ballern, die Bugs kreischen und die Raumschiffe explodieren. Hier ist die CGI zu Hause, hier kann sie punkten, zumal Regisseur Aramaki ein exzellentes Händchen für die Choreographie des Chaos hat.

Würde man die Szenen mit den CGI-Figuren durch reale Schauspieler ersetzen, würde „Traitor of Mars“ auch als Kinofilm im Stile von „Marauders“ durchgehen. Das sitzt.

Ebenfalls ein Level-Upgrade haben die Details erhalten, was unsere Protagonisten angeht: Bei den Nahaufnahmen sind die Gesichtstexturen mehr als beeindruckend, in den Totalen überzeugt das Motion Capturing – nicht genug, um das „uncanny valley“ zu überspringen, aber für ein DVD-Sequel allemal respektabel:

Hier ist allerdings schon ein Problem wahrzunehmen: „Traitor of Mars“ kann sich diese Detailverliebtheit nur in einzelnen Shots und kurzen Sequenzen leisten. Immer wieder bricht die Realität des Films auseinander, wenn Nebenfiguren oder Statisten durchs Bild laufen, die wie ein NPC aus „Half-Life 2“ aussehen und an schlecht animierte Marionetten erinnern.

Außerdem muss ich leider immer noch die visuelle Philosophie des CGI-Trooper-Universums in Frage stellen. Während Männer zumindest unterscheidbar und auf Metal Gear: Solid-Niveau unterschiedlich aussehen, haben die Frauen immer noch diesen wächsernen Real Doll-Sexpuppenlook sowohl in Gestik als auch Mimik. Hier wird eher der erotische Fetisch als die Realität bedient:

Wenigstens verzichtet man diesmal auf unpassende Nacktszenen.

Kurzum: Technisch ist „Traitor of Mars“ eine sehr konsequente Weiterentwicklung, keine Neuausrichtung des Vorgängers. Muss man nicht mögen, kann man aber.

Ich freue mich übrigens, dass man für Rico und Dizzy wieder die Original-Schauspieler bekommen hat (van Dien ist dafür als Produzent kreditiert), aber ehrlich gesagt: es macht keinen großen Unterschied, zumal Rico, Carl, Carmen und Dizzy weiterhin nicht wie ihre „real life“-Gegenstücke aussehen dürfen. Das hätte man auch mit den üblichen Sprechern durchziehen können, ohne dem Film zu schaden.

Nicht unerwähnt bleiben sollte die hymnische, orchestrale Musik von Tetsuya Takahashi, die auch einem großen Kinofilm gut zu Gesicht stünde.

Viel wichtiger ist hingegen die Anbordnahme von Ed Neumeier, dem Autor der ersten drei Filme und Regisseur des dritten Teils. Er ist Herz und Hirn von „Starship Troopers“, der George R.R. Martin dieser Franchise. Wie bei „Marauders“ reißt er nach einem schwachen Vorgänger das Ruder wieder einmal herum. Und entsprechend ist der größte qualitative Sprung in „Traitor of Mars“ kein technischer, sondern ein inhaltlicher.

Statt komplett auf Geballer und Bug-Splatter zu setzen, müht sich Neumeier sichtlich, die Saga von „Starship Troopers“ weiter zu entwickeln, die Satire im Auge zu behalten, die politischen Machtspiele nicht zu vernachlässigen, und das Trio Rico/Carmen/Carl wieder etwas in den Vordergrund zu heben. Wir bekommen ein echtes Gefühl dafür, wie sich die menschliche Gesellschaft durch 20 Jahre Bug-Krieg entwickelt hat, wie die Erde zum faschistoiden Soldatenstaat degeneriert und wie brüchig die Solidarität der Kolonien ist. Das hat eine gewisse Epik, die ich bei „Invasion“ vermisst hatte, und das fühlt sich wieder authentisch nach „Starship Troopers“ an.

Natürlich ist der „flow“ nicht fehlerfrei, das Skript hätte noch ein oder zwei Überarbeitungen brauchen können. So ist das große Finale etwas verkürzt ausgefallen, es gibt keine direkte Konfrontation von Antagonisten und Protagonisten. Was genau Carl eigentlich mit seinem Plan beabsichtigt hatte, bleibt im Dunkeln. Und die Anwesenheit von Dizzy scheint weniger der inhaltlichen Notwendigkeit als der Verfügbarkeit von Dina Meyer geschuldet zu sein.

Vor allem hat mich aber das Figurendesign von Sky Marshall Amanda Snapp irritiert, und das ist eben KEINE Frage der Animation, sondern eine Entscheidung der Produzenten. Während alle anderen Charaktere generisch aussehen, ist bei ihr in jeder Szene offensichtlich, nach welchem Vorbild sie modelliert wurde:

It’s evil Emma Watson!

Ist das lustig? Irgendwie meta? Ich kann für mich nur sagen, dass es mich immer wieder aus der „Troopers“-Wirklichkeit gerissen hat.

Generell bin ich nicht sicher, ob die CGI-Filme wirklich der richtige Weg für die Troopers sind. Angesichts des komplexen Universum mit den vielen, vielen Möglichkeiten würde ich mich mehr über eine Live Action-TV-Serie in Richtung „The Expanse“ freuen, die einzelne Missionen im Krieg gegen die Bugs begleitet. Finanziell wäre das allemal zu stemmen – und sämtliche Darsteller sind mittlerweile auch auf TV-Niveau angekommen.

Aber egal: „Starship Troopers: Traitor of Mars“ ist trotzdem deutlich sättigender als „Invasion“ und für jeden, der die Franchise noch nicht aufgegeben hat, eine lohnenswerte Investition.

Fazit: Ein dem Vorgänger überlegenes SF-Action-Abenteuer, das von der Teilnahme mehrerer Troopers-Veteranen profitiert und dank einer besseren Story den besten Ersatz für einen „echten“ Troopers-Film darstellt, den man sich aktuell wünschen kann.

„Starship Troopers: Traitor of Mars“ erscheint am 22. September auf DVD.



avatar
3 Comment threads
0 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
3 Comment authors
Michaelinvincible warriorbullion Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
bullion

Sollte da nicht eigentlich was Großes fürs Kino kommen? Remake? Reboot? Ich meine irgendwann mal etwas in der Richtung gelesen zu haben. Nicht, dass es der famose Erstlich nötig hätte…

invincible warrior
invincible warrior

Es wird gemunkelt, dass an einem Reboot gearbeitet wird. Aber das ist wohl alles nur eine Idee, die immer mal wieder hochkocht.
Immerhin koennen wir ab diesem Monat endlich feiern, dass das Original Starship Troopers endlich die richtige Alterseinstufung FSK16 bekommen hat.

Michael
Michael

Emma Watson? Also auf dem Screenshot sieht das deutlich mehr nach Tina Fey aus.