Heute kombiniere ich mal wieder zwei Reviews, weil die „Filme“ (zu den Anführungszeichen kommen wir noch) von den selben Leuten für den selben Sender gedreht wurden, im gleichen Genre und mit den gleichen Stilmitteln.

Andy Samberg ist sicher das größte Talent und das größte Geschenk, das uns „Saturday Night Live“ in diesem Jahrtausend gegeben hat. Ihm verdanken wir unter anderem die grandiosen Pop-Parodien von Lonely Island, die frühe Webserie „The ‚Bu“, die erfolgreiche Sitcom „Brooklyn Nine-Nine“, und viele andere Comedy-Kleinode.

Andy Samberg ist außerdem offensichtlich ein Fan von Sport- und Prominenz-Parodien. Sein erster größerer Kinofilm „Hot Rod“ veralberte Stunt-Mopeds (it’s a thing!), letztes Jahr nahm er mit „Popstar: never stop never stopping“ Künstler wie Justin Timberlake und Justin Bieber aufs Korn.

Für den Kabelsender HBO hat er zusammen mit Jake Szymanski (Regie) und Murray Miller (Skript) mittlerweile zwei Sport-Mockumentarys gedreht, die leider etwas untergegangen sind, was an ihrem ungewöhnlichen Format liegen mag: mit 43 bzw. 41 Minuten sind „7 days in hell“ und „Tour de pharmacy“ trotz ihrer beeindruckenden Produktionsleistung und vieler Gaststars einfach zu kurz für eine normale Auswertung.

Fangen wir mit „7 days in hell“ von 2015 an, der das (fiktive) Wimbledon-Finale von 2001 zwischen dem labilen Briten Charles Poole und dem durchgeknallten Ami Aaron Williams nacherzählt – es zieht sich über unglaubliche sieben Tage:

Natürlich spielt Samberg eine wenig verklausulierte Fassung von André Agassi – wen Kit Harington spielt, darüber darf gerne diskutiert werden. Mit viel Mühe imitiert man den Look älterer Sportübertragungen, reichert die „Archivaufnahmen“ mit aktuellen Interviews tatsächlicher Stars der Branche an. Ebenfalls im Cast dabei: David Copperfield, John McEnroe, Will Forte, Karen Gillan, Jon Hamm, Michael Sheen (großartig als schwule britische Sportjournalismus-Legende Caspian Wint), Mary Steenburgen, Dolph Lundgren, etc.

Leider geht „7 days in hell“ nach einer halben Stunde etwas die Luft aus, weil immer absurdere Wege gefunden werden müssen, das Match zu strecken – und weil das Ende ein wenig unbefriedigend und banal ausfällt. Aber das ist ein generelles Problem der Mockumentarys. Trotzdem ist „7 days“ ein Spaß – ob man nun Tennis mag oder nicht.

Es ist durchaus erfreulich ironisch, dass mit „Borg vs. McEnroe“ dieses Jahre genau das große Sportler-Biopic in die Kinos kommt, über das sich „7 days“ so herzhaft lustig macht. Beide Filme gleichen sich wie ein Ei dem anderen – die aktuelle Version ist lediglich nicht lustig:

Dieses Jahr haben Samberg und seine Komplizen erneut die Zeit gefunden, für HBO eine Sport-Mockumentary zu drehen: „Tour de Pharmacy“ ist – wie der Titel andeutet – eine Doku über die von Doping durchseuchte Tour de France 1982.

Schon der Cast macht den Mund wässrig: Andy Samberg, John Cena, Dolph Lundgren, Danny Glover, Mike Tyson, Lance Armstrong, Maya Rudolph, Orlando Bloom, JJ Abrams, Kevin Bacon, Jeff Goldblum, James Marsden, Julia Ormond, etc. pp.

Erfreulich, dass „Tour de Pharmacy“ noch mal deutlich mehr aufdreht als „7 days“ und sich für wirklich keine Geschmacklosigkeit zu schade ist – unter fleißiger Mithilfe der Stars, die ebenfalls jeden Respekt an der Studiotür abgegeben haben. Es ist eine Tour de Farce in jeder Beziehung, eine rüde Klamotte, die so nur von Amerikanern gedreht werden konnte, denen jede Ehrfurcht vor der Tour fremd ist. Man lacht oft und dreckig – allerdings leider WIEDER nur bis zum letzten Akt, wenn sehr offensichtlich wird, dass den Machern erneut kein funktionierendes Ende eingefallen ist. Der Showdown ist eher mau, die Abwicklung der Handlungsstränge geschlampt.

Die kurze Laufzeit der „Filme“ (der Begriff lässt sich nur sehr eingeschränkt verwenden) ist gleichzeitig Segen und Fluch: Die Kürze hält den Ablauf knackig, lässt über Schwächen hinweg sehen und auch die Probleme im Finale versenden sich. Andererseits: mit einer angemessenen Laufzeit von vielleicht 85 Minuten hätte man genau diese Probleme auch vermeiden, hätte plausiblere Personen mit stärkeren Konflikten entwickeln können.

Aber das klingt eigentlich schon wieder zu negativ, weil es impliziert, „7 days in hell“ und „Tour de Pharmacy“ wären keine absoluten Schenkelklopfer mit großem Staraufgebot für die kurze Aufmerksamkeitsspanne. Und das sind sie. Ideal auch als Doppelpack.

Wenn’s nach mir geht: gerne mehr davon!



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noyse
noyse

Popstar ist eine der besten Mockumentarys der letzten Jahre.

Und einer der absurdesten teile dort wurde ja im ESC 2017 von der Realität eingeholt: https://www.youtube.com/watch?v=IPp37uz8vUs

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