Ich merke es auch gerade beim Sport wieder: Mein Gehirn braucht mehr Bewegung als meine Beine. Ich kann nicht einfach „an nichts denken“ oder „die Umwelt auf mich wirken lassen“. In der Badewanne, im Bett, an der Bushaltestelle, im Sprechzimmer des Zahnarztes – IRGENDWAS muss mich ablenken. Ich bin nicht gut auf „Standby“.

Natürlich ist auch DAS mal bei Dilbert angemessen illustriert worden:

Deshalb besaß ich früher viele Reclam-Heftchen und hatte den SPIEGEL abonniert. Heute übernimmt das mein Tablet, im Notfall mein Smartphone.

Es wird niemanden überraschen, dass ich auch im Fitnessstudio vor 20 Jahren weniger über mein (weitgehend erfolgloses) Training nachgedacht habe als über die Möglichkeiten, das Training etwas interessanter zu gestalten. Die Muckibude ist schließlich eine ganz besondere Form von Folter, weil man dröge Eisen stemmt, aber nebenher kein Taschenbuch halten kann. Allenfalls hing damals an der Decke ein Fernseher mit MTV oder CNN, was beides nicht prickelnd war.

Auf einem Trainingsrad strampelnd kam mir irgendwann die Idee, dass man Sport & Spaß doch eigentlich gewinnbringend kombinieren könne. Binnen weniger Minuten stoppelte ich mir ein Geschäftsmodell zusammen, das ich nun mit euch teilen möchte.

Ausgangspunkt meiner Gedanken war die Tatsache, dass Rudermaschine, Laufband und Trainingsrad im Grunde genommen „outdoor“ simulieren, ohne die visuellen Reize dazu zu bieten. Man müht sich, ohne je anzukommen. Start und Ziel sind gleich – die Muckibude bewegt sich keinen Millimeter. Radfahren und Laufen wird degradiert zu einem mechanischen Bewegungsablauf ohne Mehrwert. Das frustriert.

Warum nicht eine zumindest grobe Simulation des tatsächlichen Vorgangs liefern? Erst vor kurzem hatte ich in einer Düsseldorfer Spielhalle diesen Automaten gesehen, der die richtigen Ansätze lieferte:

Propcycle war ein aufwändiger Arcade-Automat, bei dem man die Figur durch kräftiges Radeln vorantrieb und mit dem Lenker steuerte. Dabei ging es durch eine pfiffige dreidimensionale Fantasywelt:

Das war eigentlich perfekt für das Fitness-Studio, denn es lenkte von der Mühsal der Maschine ab und führte mit der Punktevergabe ein kompetetives Element ein.

Allerdings war die Maschine in DIESER Form zu komplex, zu teuer, und zu unflexibel.

Zuerst einmal warf ich die Fantasywelten über Bord. Ich war überzeugt davon, dass eine Sportmaschine den realen Ablauf simulieren müsse. Das Eindenken in eine Spielwelt würde die meisten Besucher des Studios sicher überfordern und/oder verunsichern. Niedrige Einstiegshürden waren wichtig.

Also simulierte Kurse in einer „realen“ Welt. Für das Laufband Strecken am Meer, durch den Wald, durch die Stadt, vielleicht auch bei Tag oder bei Nacht. Für die Rudermaschine Ausflüge auf den Rhein, aber auch in Wildwasserflüsse und Vulkanseen. Die Radfahrer unter den Studio-Kunden sollten die Auswahl zwischen Berg- und Straßenstrecken haben, zwischen denen sie an ganz normalen Gabelungen würden wählen können.

Dann überlegte ich, wie sich das System günstiger gestalten lassen würde. Der Namco-Automat kostete eine lässige fünfstellige Summe – zuviel, um jede Muckibude damit auszustatten. Auch für die Betreiber galt: Einstiegshürden niedrig setzen.

Ich malte mir eine Kombination von „off the shelf“-TV-Geräten (damals noch Röhre) mit einer einfachen Sony Playstation und einem Kettler Rad/Rudergerät/Laufband aus, verbunden durch eine lackierte Sperrholzkonstruktion, die das technische Innere verbarg und schützte. Nach meinen groben Berechnungen sollte der reine Einkaufspreis der Komponenten keine 1500 Mark überschreiten. Fertig montiert fand ich 3000-4500 Euro je nach Ausführung realistisch. Natürlich würde es auch limitierte, wertigere Editionen und Sondermodelle für Großabnehmer geben.

Das System war so geplant, dass das Rad oder Rudergerät als Controller fungiert und die Daten von Pedalen/Rudern und evtl. Lenkrad sowie der Bremse an die Playstation weitergibt, die ihre auf dem Fernseher dargestellte Strecke entsprechend anpasst. Es sollte Level geben, Highscores, aber auch simple „fun runs“ für Leute, denen es nicht um Punkte ging. Das Laufband wiederum würde die Geschwindigkeiten vorgeben und weniger Feedback zur Maschine liefern.

Technisch herausfordernd, aber allemal mit vorhandenen Mitteln machbar.

Nicht unwichtig ist bei so einem Projekt auch die dauerhafte Generierung von Umsatz. Man will ja nicht nur einmal mit der Maschine Geld verdienen, sondern dauerhaft. Ich plante daher so etwas wie ein „Content-Abo“: Die Betreiber der Fitnessstudios würden von meiner Firma monatlich mit neuen Strecken beliefert, entweder auf CD oder (damals noch sehr rudimentär) übers Internet.

Während dieses Abends in der Muckibude nahm die Sony Playstation Fitness Machine (Arbeitstitel) immer konkretere Formen an. Ich dachte darüber nach, wie man verschiedene Stationen vernetzen könne, um echte Wettbewerbe zu ermöglichen. Ein bundesweites Highscore-System. Teamsports. Dass man mit einem Münzeinwurf die Studios mitverdienen lassen könnte.

Die Eckdaten waren durchaus stimmig: Damals gab es schon über 5000 Fitnessstudios, mittlerweile sind es über 8000. Würde man nur ein Drittel davon mit ein paar Fitness Machines ausstatten (gerne in exklusiver Zusammenarbeit mit den großen Ketten) und diese über die Update-Verträge an sich binden, war eine saubere Gewinnmarge zu erwarten. Die Studios selbst hätten mit den neuen Supermaschinen werben können, die ein völlig neues Trainingserlebnis versprachen. Virtual Sports Worlds!

Nach der erfolgreichen Markteinführung wären Heimgeräte der nächste logische Schritt gewesen. Und Lizenzen. Und Meisterschaften. Und. Und. Und.

Aber natürlich wurde nichts draus. Ich bin kein Unternehmer, niemand, der physische Produkte herstellen möchte. Es war nur ein Gedankenspiel. Allerdings eines, das über die Jahre immer zwingender wurde und dessen Umsetzung 2017 DEUTLICH einfacher wäre als 1997 – sowohl von den Kosten der Hardware als auch vom Platzbedarf und der verfügbaren Software. Meine Sony Playstation Fitness Machine könnte heute 500 Euro kosten und die gefahrenen Rennen per Bluetooth auf meinem Handy auswerten.

So simpel könnte das aussehen:

Und gerade WEIL es so einfach wäre und mir der Gedanke so zwingend erscheint, verstehe ich nicht, dass es bis auf Nischengeräte nie probiert wurde, so etwas umzusetzen. Auch bei der Nintendo Wii wurde versäumt, die sportlichen Möglichkeiten aus dem Wohnzimmer heraus zu holen und in die Sporthallen und die Fitnessstudios zu verlagern. Mit professioneller Software und ebensolcher Anleitung hätten sich viele Couch Potatoes zum Training motivieren lassen, davon bin ich überzeugt.

WIE einfach solche Systeme funktionieren können, habe ich vor zwei Wochen im „Haus der Natur“ am Feldberg gesehen, wo eine vereinfachte Version der Idee installiert ist:

Wegen dieser Version bin ich überhaupt drauf gekommen, euch endlich mal von der Idee meiner Sony Playstation Fitness Machine zu erzählen.

Habt ihr eine Meinung dazu? Verpasste Chance oder Hirnfurz? Würde euch so etwas interessieren? Oder muss Sport frustrierend und öde sein?



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