Es ist faszinierend, wie sehr sich der Transport von Daten verändert und vereinfacht hat in den letzten 20 Jahren. Mitte der 90er musste man noch alles auf Disketten mit sich rum schleppen. Hatte man unfassbare mehrere Megabyte auf der Platte, half nur ein guter Freund mit CD-Brenner und teuren Rohlingen.

Ich kannte Leute mit Hunderten von Disketten und Dutzenden solcher Boxen, alle mit händisch verfassten Indexkärtchen:

Der gesamte Inhalt braucht heute nicht mal mehr den Platz eines Fingernagels.

Die immer preiswerter werdenden CD-Brenner, gefolgt von den DVD-Brennern, machten der Diskette schließlich den Garaus. Aber auch die silbernen Scheiben sollten nur eine Übergangstechnologie sein. Man trug sie gerne in solchen Taschen rum:

Heutzutage hat man zwei primäre Möglichkeiten, größere Mengen Daten schnell zu bewegen (ich lasse externe Laufwerke mal außen vor): Transfer per Internet oder Stick.

Die Sticks, und das vergessen wir oft, sind im Grunde genommen eine hochgradig geniale Erfindung an allen Fronten: klein, billig, robust, variabel in verschiedenen Größen, brauchen keine eigene Stromversorgung, passen an jeden USB-Port. Wichtiger aber: sie sind Laufwerk und Medium gleichzeitig, haben damit die alte Zweiteilung von Hardware und Träger überflüssig gemacht.

Die Preise sind schnell ins Bodenlose gefallen – kostete mein erster daumengroßer Plastik-128mb-Stick von Vobis noch 55 Euro, bekomme ich für den Preis nun einen winzigen Metallanhänger mit dem tausendfachen Volumen.

Aber der USB-Stick ist längst mehr als ein Speichermedium – weil wir ihn überall mitnehmen können, ist er auch ein Lifestyle-Gadget, ein Ausdruck von Spielfreude oder Business-Anspruch. Er lässt sich nicht nur beliebig gestalten, sondern auch mit Sonderfunktionen versehen oder in andere Artikel integrieren.

Das macht ihn natürlich besonders interessant für die werbetreibende Industrie, weshalb ich jetzt mal im Brustton der Überzeugung behaupte: der bedruckte USB-Stick ist der Werbekuli des neuen Jahrtausends. Wir bekommen eigentlich wöchentlich neue Exemplare in die Redaktion geschickt.

Die meisten Datenspeicher, die ich auf diese Weise bekomme, sind die eher herkömmlichen Modelle mit Speicher zwischen 128mb und 8gb:

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Aber wenn man sich mal die Webseiten von Unternehmen anschaut, die USB-Sticks für Kunden in Hunderter- und Tausender-Packs bedrucken, wird schnell klar, dass es mittlerweile eine unfassbare Menge an spaßigen bis coolen Varianten gibt. Ich habe euch mal mehr als zwei Dutzend ausgesucht, die mir gefallen:

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Und dabei habe ich noch nicht mal die exklusiv lizensierten Sticks berücksichtigt, die speziell für Großfirmen oder Franchises hergestellt werden.

Es stellt sich mir schon die Frage, warum USB-Sticks eigentlich nicht Kult sind. Sie werden eher leidenschaftslos hingenommen. Dabei sammeln die Leute doch auch sonst jeden Scheiß! Wieso gibt es keine Stick-Sammler (Stickler?)? Wieso gibt es kein Stick-Museum? Wieso gibt es keinen „USB Stick Collectors Price Guide“? Wieso gibt es keine Stick-Individualisten, die sich ihre Speicherträger prinzipiell selber schnitzen? Wo wir dabei sind: Warum gibt es keine Bastelbücher mit Ideen und Anregung zum Selbstbau von Stick-Gehäusen aus Holz, Filz und Emaille?

Eines Tages, liebe Leser, werden wir das bereuen. Wir werden uns verfluchen, dass wir scheinbar wertlose Sticks weggeworfen haben, die dann gesuchte Sammlerstücke sind und hunderte, wenn nicht gar tausende Euro bringen würden.



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Hauke
Hauke

Da bekommt das Sammler-Adjektiv „unbespielt“ doch endlich einen neuen Sinn.

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

der bedruckte USB-Stick ist der Werbekuli des neuen Jahrtausends.

Das ganzen neuen Jahrtausends? Nein! Ein von unbeugsamen TeXies be­völ­ker­ter Verein hört nicht auf, bei jeder Gelegenheit darüber zu streiten, ob man die jährliche Software-Distribution nicht endlich mal auf USB-Stick statt auf DVD verteilen will, und (bisher) jedes Jahr entscheidet sich die Haupt­ver­samm­lung wie­der da­ge­gen.

Unter den Gesichtspunkten Umweltschutz und Qualität vs. Preis finde ich das üb­ri­gens gar nicht schlecht.

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

Ach, weil ich gerade die zweite Bildergalerie noch durchgeguckt habe, in der Du diverse Teile so toll ökologisch findest: Es ist völlig egal, in was die Elektronik eingewickelt ist, das eigent­liche Müll­problem ist der Elektronik­schrott, ins­be­son­dere bei solchen Teilen, die vermutlich allesamt als billige, schnarch­lang­same USB-2-Version daher­kommen.

Und mal ernsthaft: 128 MB? RLY? Was soll man mit so einem Winzig­teil? Die sind doch von vorn­herein Müll.

sergej
sergej

„Es stellt sich mir schon die Frage, warum USB-Sticks eigentlich nicht Kult sind.“
Weil es für mich Kleinkram ist. Sie funktionieren und sind handlich, Gebrauchsgegenstände halt, nicht mehr.

comicfreak
comicfreak

ICH LIEBE STICKS!!!!

Warum ich nicht sammle? Tu ich irgendwie schon, halt in ganz kleinem Rahmen 😛
Zu Weihnachten lass ich USB-Scheckkarten mit Familienfotos bedrucken

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

@Torsten:
#1 – Ich bestreite, dass es eine Rolle spielt, ob der problematische Teil des Mülls in Recycling­pappe, Holz oder Plastik eingepackt ist. In der Elektronik­schrott­aufbereitung werden so Klein­teile einfach geschreddert und fraktioniert.

#2 – Ja, hängt es; und nein, irgendwann sind sie E-Schrott, spätestens, wenn kaputt. Aber unabhängig davon werden ja auch schon in der Produktion ordentlich Resourcen verbraucht.

#3 – Du trägst Texte auf Sticks von einem Büro zum anderen durch die Stadt? Habt Ihr kein Redaktionssystem, in das man den Text einfach hochladen kann?

Aber gut, dann hast Du eine Anwendung für die kleinen Dinger (und ich sehe sogar ein, dass das bequem sein mag). Ich halt nicht – die verstaubte Schachtel SD-Kärtchen bis 1 oder 2 GB im Keller beim Bastelkram belegt das ganz gut.

… und zum <a href="https://wortvogel.de/2017/06/usb-sticks-kult-kitsch-oder-kleinkram/#comment-1007299"Einwegflaschenargument: Das war klar aus der Perspektive des Anwendungsfalls geschrieben. Wir reden hier von einem jährlichen Softwarerelease und Serverabzug als Referenz; viele heben sich die Scheiben einfach auf, um ggf. auf alte Versionen von irgendwas zurückzugreifen.

Wenn wir die DVD durch Sticks ersetzen, werden wir zumindest 8 GB große, eher 16er brauchen, schon um all das Zeug unterzubringen, das die letzten Jahre widerstrebend weggelassen wurde. Zudem könnten wir sicher nicht die billigsten USB-2-Krücken nehmen, schon, um die Software in endlicher Zeit drauf zu kriegen (Kopierwerke kalkulieren das ein!), aber auch wegen des Archivcharakters: In zehn Jahren will man das noch lesen können, was bei Billigflash erfahrungsgemäß alles andere als sicher ist. Und wenn man noch ein TeX-Livesystem mit drauf tut, was sich ja anböte, will man die TeX-typisch komplexen Suchvorgänge auch nicht wegen eines langsamen Mediums schleichen sehen.

Das alles geht ordentlich ins Geld und kostet Resourcen, und das dann jedes Jahr wieder.

… und was in meinem Höschen abgeht. geht Dich nix an. 😉

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

@<a href="https://wortvogel.de/2017/06/usb-sticks-kult-kitsch-oder-kleinkram/#comment-1007304"sergej: Sie sind Kult, seit vielen Jahren schon. Wie anders wäre das zu erklären? (Inzwischen gegen kleines Aufgeld auch mit Speicher zu haben).

frater mosses von lobdenberg
frater mosses von lobdenberg

Meh. Einwegflaschenargument, natürlich.

Fake
Fake

Zu der 256MB Sticks: USB-Sticks gibts schon mehrere Jahre und die ersten, teilweise noch USB 1.1, hatten solche Größen. Aktuell glaub ich nicht das weniger als 2GB überhaupt hergestellt werden.
Bei der DVD/BR ist es aber so das diese Scheiben bei hohen Kopienzahlen nun doch pro Stück billiger und schneller hergestellt werden können als Sticks.
Theoretisch wäre es möglich die eigentlichen Flashspeicherchips vor dem Einbau direkt zu beschreiben (was schneller ginge), aber so macht man es nunmal nicht.
Als es noch keinen BluRay UltraHD Standard gab hat man auch die UHD-Fassung auf einem Stick zur normalen BR mitgeliefert – und es gab die Meinung einfach das so zu standardisieren (UHD-Player hätten dann einfach einen USB-Port als Anforderung gehabt) aber vermutlich auch wegen des „Kopierschutzes“ hat man sich dagegen entschieden.
Ich verwende auch meistens USB-Sticks, außer das „Zielgerät“ unterstützt das nicht. Auch den meisten Betriebssystem-Images ist es heutzutage egal ob man sie auf DVD oder USB „brennt“.
Aber meine DVDs hab ich immer noch gern im Schrank liegen, da zwar von der Festplatte abspiele, aber vom Videoarchiv keine Backups mache.

Fake
Fake

Nagut, geben tuts die doch aber sinnvoll find ich das nicht. Für den Dreifachen Preis bekomme ich 32x mehr Speichkapazität, daher sieht man die im Einzelhandel wohl so selten. Als Giveaway im 10er oder 100er Pack zählt wohl jeder Cent und nicht das Preis/Leistungsverhältnis.

Mencken
Mencken

Die Umweltproblematik (und mehr noch die soziale Dimension) lässt sich in der Tat nicht von der Hand weisen, aber das gilt noch mehr für Handys, Tablets, Computer und andere Geräte.

Preislich dürften DVDs tatsächlich vorne liegen, aber das erscheint mir zweitrangig. Wenn überhaupt, dann ist doch der Umstand, dass USB-Sticks den Kuli als Werbeträger ersetzen und damit zum Wegwerfprodukt verkommen, der wirklich heikle Punkt.

Firejoe
Firejoe

Ich verwende kaum noch USB Sticks. Meine Daten sind drauf nicht sicher (außer es handelt sich um einen teuren Stick mit Verschlüsselung), verliert man schnell. Daten gehen schnell verloren wenn so ein Teil stirbt. Stick mit großer Datenkapazität sind teuer…

Ich hab mein Mobiltelefon (64 GB Speicher) mit 200 GB zusätzlichen Speicher aufgerüstet.
Mein Mobiltelefon hab ich immer dabei, Daten sind genau so schnell ausgetauscht…geht mein Handy verloren sind die Daten auch halbwegs sicher (verschlüsselt).

Lars
Lars

@Firejoe: Du kannst auch die Billig-Sticks verschlüsseln. Wenn Du Windows 10 Pro oder besser hast, kannst Du die mit „Bitlocker To Go“ transparent verschlüsseln, so dass Windows dann die Verschlüsselung übernimmt. Vorteil bei Bitlocker ist, dass es direkt in Windows ist, während der Nachteil ist, dass man nicht komplett ausschließen kann, ob es Backdoors gibt oder nicht (wenn es darum geht, dass ein verlorener Stick nicht von Hinz und Kunz ausgelesen werden kann, würde ich das aber nicht als KO-Kriterium bewerten). Alternativ kann man VeraCrypt oder ähnliche Produkte nutzen.

Generell würde ich aber keine USB Sticks benutzen, die ich als Werbegeschenke bekommen habe, da der große Nachteil von USB Sticks ist, dass es eben kein „dummer Flashspeicher“ ist, sondern ein Gerät mit eigenen Chips, eigenem Gerätetreiber, etc. Hier findet alleine durch den Einsteckprozess eine Menge an Kommunikation und Softwareinteraktion statt, die man nicht kontrollieren kann. Wenn ein Angreifer es drauf anlegt, kann man somit richtig fiese Dinge mit anstellen (z.B. der USB Stick ist nicht nur ein Datenträger sondern für den PC gleichzeitig auch noch eine Tasatur…). Und gerade bei irgendwo ausliegenden USB Sticks (oder bei USB Sticks, die als Geschenk zugesendet werden), ist die Gefahr gegeben, dass es eben doch kein Geschenk von Firma XYZ ist, sondern nur so getan wird, als ob. Wenn man diesen Stick dann an einen Rechner anschließt, hat man dann sofort eine Hintertür zum eigenen Rechner oder (und das ist in vielen Fällen der interessantere Fall) zum kompletten Unternehmensnetzwerk geöffnet. Das Ganze ist eine Form von Social Engineering und ein Angriffsvektor, dem man sich durchaus bewusst sein muss, insbesondere da moderne Betriebssysteme immer sicherer werden und Angriffe immer schwerer werden. Das Gleiche trifft übrigens auch auf USB Sticks zu, die irgendwo in der Firma rumliegen (gerade auch in öffentlich zugänglichen Bereichen) und bei denen nicht klar ist, von wem sie stammen. In 99,99% der Fälle ist es ein vergesslicher Mitarbeiter gewesen, das Problem sind die 0,01%, wo es nicht so ist…

Nicht falsch verstehen: USB Sticks sind extrem praktisch und ich verwende sie auch gerne; aber man muss sich den möglichen Angriffsszenarien bewusst sein.

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