Ich hatte versprochen, dass ich zeitnah damit beginnen würde, meine Sportergebnisse zu posten. Zeitnah ist dabei ein relativer Begriff – Runtastic erlaubt es ja sogar, mir live bei meinen Läufen zu folgen und per Facebook-Likes Applaus zu schicken. Das kommt für mich momentan nicht in Frage. Der Lauf selber ist sehr privat, fast intim. Das mache ich mit mir selber aus.

Aber ich kann euch zumindest schon mal eine Übersicht über die sechs Läufe geben, die ich in den letzten elf Tagen absolviert habe. Sechs Läufe in elf Tagen, richtig gelesen – ich bin in einer extrem motivierten Phase. Neue Laufschuhe habe ich auch.

Fangen wir mit dem ersten protokollierten Run nach meinem denkwürdigen 5,2 Kilometer-Dauerlauf an – noch ganz traditionell mit Musik aus dem MP3-Player, aber schon mit der Runtastic-App auf dem iPhone am Arm.

31.5.2017:

Über sechs Kilometer im ersten Versuch. Ich überrasche mich selber. Die Geschwindigkeit ist zwar nicht der Knaller, aber es geht mir darum, erstmal die richtige Distanz zu finden, die mir gut tut. Ich bin baff, dass ich dabei über 700 Kalorien verloren habe und es mir zehn Minuten nach Laufende wieder gut geht.

Tatsächlich bin ich ein wenig schneller, als die Analyse impliziert – ich finde nur am Ende nicht den Button, um die Messung anzuhalten, darum werden fast 30 Sekunden „Leerlauf“ eingerechnet. stop – swipe – stop: darauf muss man erstmal kommen.

Zwei Tage später geht es mit der Personal Trainerin meiner Frau wieder ins Stadion. Ich entscheide mich, auf diesem völlig geraden Boden noch einmal 5 Kilometer zu laufen, um eine objektivere Zahl zu haben. Zwischendrin kicke ich immer mal wieder ein paar Fußbälle auf den Platz zurück, wo eine Herrenmannschaft spielt.

2.6.2017:

Es werden ein paar hundert Meter mehr, weil ich nicht weiß, dass die Bahnen verschiedene Längen haben. Geschwindigkeit ist weiterhin nicht der Fokus.

Zwei Tage später: mein erster „richtiger“ Lauf mit Runtastic. Der MP3-Player bleibt zu Hause. Ich höre den Schweinerock-Mix, den mir Leser Jake empfohlen hat und laufe von Haustür zu Haustür. Der Musik endet zeitgleich mit meinem Lauf.

4.6.2017:

Ein für mich sehr überzeugendes Ergebnis, was Distanz UND Geschwindigkeit angeht. Das geht schon in die Beine – aber immer noch nicht an die Substanz.

Es reizt mich, etwas neues zu probieren: Runtastic nennt es eine „challenge“, ich nenne es einen „ghost run“. Dabei laufe ich gegen mich selber, die Stimme in meinem Kopfhörer teilt mir mit, wo sich der Torsten vom 4.6.2017 gerade befindet: „Sie haben gerade Ihren Widersacher überholt“, „Ihr Widersacher fällt zurück“, etc. Das gibt diesem Motivationssatz eine völlig neue Bedeutung: „The race is long and in the end, it’s only with yourself“. Kann ich Torsten Dewi in seine Schranken weisen?

6.4.2017:

Ich kann, wenn auch nur knapp. Das Problem: Mit mir selbst im Nacken laufe ich zu schnell los, bekomme zum Ende des ersten Kilometers ein hässliches Stechen in der Lunge, das ich fast drei weitere Kilometer mitschleppe. Ich habe mich zu früh verausgabt und bereue das schnell. Nur der Wille, mich nicht geschlagen zu geben, bringt mich ein paar Sekunden früher ins Ziel als vor zwei Tagen.

Der nächste Lauf ist eine Gewissensfrage – nach meinen Rhythmus müsste er am 8.6.2017 stattfinden, aber wir haben am 9.6.2017 schon den nächsten Termin mit der Trainerin. Also zwei Tage Erholung oder zwei Läufe an aufeinander folgenden Tagen? Ich entscheide mich für Letzteres, aber mit einer Einschränkung: um im Stadtion nicht völlig durchzuhängen, will ich am 8.6. nur einen kurzen Lauf absolvieren, diesen aber schneller als bisher.

Ich verwende dafür die „Pace and Distance“-Funktion von Runtastic, die mich permanent darauf hinweist, ob ich zu schnell oder zu langsam laufe. Drei Kilometer unter 20 Minuten will ich schaffen. Bisher war meine Laufgeschwindigkeit relativ konstant 7,5 Stundenkilometer. Für die kürzere Strecke will ich das auf über 9 Stundenkilometer steigern.

Es wird ein brutaler Lauf, den ich so ohne die Unterstützung von Runtastic nicht überstanden hätte. Aber das Ergebnis zählt.

8.6.2017:

3 Kilometer in 19 Minuten. 9,5 Stundenkilometer. Ich bin stolz. Und kaputt. Wenn ich diese Laufleistung über 10 Kilometer halten kann, ist ein wichtiges Ziel erreicht.

Am nächsten Morgen fühlen sich meine Beine erstmals wie Blei an, hart und schwer. Ich komme kaum auf die Füße. Aber kein Muskelkater. Ich schone mich den Tag über ein wenig, esse Fisch und Kartoffeln. Dann klingelt die Trainerin für den Stadionlauf.

Heute auf dem Plan: laaangsaaam laufen. Den Körper in Bewegung halten, aber nicht überfordern. Dabei einfach mal entspannt schauen, ob ich zwanglos meinen Streckenrekord schlagen kann. Neben Runtastic diesmal in meinem Ohr – ein Hörspiel. Ich hoffe, dass mir das bei der Lauflänge ein wenig die Langeweile vertreibt. Ich wähle recht willkürlich aus dem Hörspielspeicher des WDR:

„Was wäre wenn… Ein Rückblick auf die Zukunft der Welt“

Der Beschreibung nach erwarte ich launige Pseudo-Historie im Science Fiction-Gewand. Tatsächlich stellt sich das Hörspiel als tranige Geduldsprobe heraus, die bei diesem Lauf mein größter Feind ist. Würde es meine Zeit nicht vermiesen, würde ich anhalten und das Programm wechseln.

Egal, da muss ich nun durch.

9.6.2017:

Wahrlich kein Tempo zum Fähnchen schwenken, aber immerhin 6,5 Kilometer. Das sind 16 Runden. Vor einem Monat war ich über vier glücklich.

Die Trainerin rät mir, jetzt den dauernden Drang nach neuen Rekorden zu zähmen. Ich solle einfach ein paar Mal die sechs Kilometer laufen, dann wird sich die Geschwindigkeit von selbst erhöhen. Außerdem immer mal wieder kürzere Strecken einplanen und flotter laufen. Ich verspreche es ihr.

Heute ist Sonntag. Zwei Tage rum. Außerdem war gestern Cheat Day mit Grillwürstchen und Schoko-Minz-Eis. Zeit, die Laufschuhe wieder zu schnüren. Ich probiere heute mal was GANZ anderes. Statt Strecke oder Geschwindigkeit trainiere ich die Waden und versuche mich an einer üppigen Steigung, der Wasserkunstanlage Paradies in Baden-Baden. Von da oben sollte ich eine schöne Aussicht haben – wenn ich es überlebe:

Wikipedia, (c) Andreas Schwarzkopf

Ich denke mal, der Abstieg wird einfacher, sich in meinem Kopf aber so anfühlen:

Das klingt alles etwas manisch. Aber was soll ich machen? Es gibt da draußen sooo viele Kilometer – die laufen sich nicht von allein!



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Marko

700 kcal für sechs Kilometer laufen? Wie geht das denn. Ich fahr 20 km Fahrrad und verbrauch dabei grad mal 500 kcal.

Oibert
Oibert

Diese Woche bin ich auch das erste mal dieses Jahr 6 km am Stück durchgelaufen. Und war hinterher nichtmal wirklich fertig!
In 2 Wochen mache ich bei einem Firmenlauf mit 7,5km mit. Also noch ordentlich trainieren bis da hin.
Beim Bahnen laufen kackt mir leider öfter mal das GPS ab – was bei einem Lauf meine ganze Runtastic Statistik verhagelt hat, da hab ich den Lauf lieber gelöscht. 22min für einen Km wollte ich dann doch nicht drin haben 🙂

Stuckimann
Stuckimann

@ Marko: ist auch vom Körpergewicht abhängig.

Jake
Jake

Deine Motivation springt einem förmlich ins Gesicht, wenn man deinen Text liest. 🙂

„Die Trainerin rät mir, jetzt den dauernden Drang nach neuen Rekorden zu zähmen. Ich solle einfach ein paar Mal die sechs Kilometer laufen, dann wird sich die Geschwindigkeit von selbst erhöhen. Außerdem immer mal wieder kürzere Strecken einplanen und flotter laufen. “

Ein guter Rat, an den du dich unbedingt halten solltest. Vor allem im Bezug auf’s langsam laufen. Wer immer nur „auf Anschlag“ läuft, erhöht sein Verletzungsrisiko, regeneriert langsamer und hat einen geringeren Trainingseffekt. Vor allem wenn du, wie derzeit, jeden zweiten Tag die Laufschuhe schnürst, solltest du langsame Läufe fest in dein Training integrieren. Du „verschenkst“ dadurch nichts, im Gegenteil. Durch langsames laufen wird man schneller – das musste ich auch erst mal lernen (wobei mein gefühltes Langsam immer noch zu schnell war, wie ich nach Anschaffung einer Pulsuhr feststellen musste).

http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/grundlagenausdauer-warum-sollten-jogger-langsam-laufen-a-1055184.html

Die kürzeren, flotteren Strecken, die dir deine Trainerin empfohlen hat, dürfen dann hingegen schon „ordentlich reinhauen“.

Dietmar

Daumen hoch! Großartig!

trackback

[…] der letzten Übersicht hatte ich angekündigt, mal testweise das Wasserparadies in Baden-Baden hinauf und hinab zu rennen. […]