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Jun 2017

Battle of the Bots: Rifftrax vs. MST3K

Themen: Film, TV & Presse |

Das Erste, was mir zu MST3k einfällt, ist eine lange Nacht in LA irgendwann in den 90er Jahren. Auf einem dieser obskuren terrestrischen Kanäle stieß ich erstmals auf eine Episode dieser Show, die nie (außer in Form einer Video-Veröffentlichung des Kinofilm-Spinoffs) nach Deutschland gekommen war. Es wurde irgendein italienischer Sandalenfilm veralbert. Ein Typ in Toga und mit Speer tritt ins Bild, Crow schreit "Pizza! Pizza!". Ich verstand den Verweis auf die Fastfoodkette "Little Caesars" und lachte mich halb schlapp. I was hooked.

Das Zweite, was mir zu MST3K einfällt, ist meine Kündigung des legendären Video Watchdog-Magazins. In dem hatte sich der britische Filmkritiker Kim Newman dergestalt über MST3K-Fans geäußert, dass diese offensichtlich keine Freunde hätten, mit denen sie gemeinsam schlechte Filme gucken könnten. Das empfand ich als herablassend und unwürdig. Herausgeber Tim Lucas wollte allerdings nicht Stellung beziehen – also stornierte ich schweren Herzens mein Abo. Man muss Grenzen ziehen.

Und damit kommen wir in die Gegenwart. Ich hatte schon davon berichtet, dass die Kultsendung MST3K dank Crowdfunding und Netflix endlich wieder da ist:

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Ich habe zuletzt vor 15 Jahren alle 200 spielfilmlangen Folgen gesehen und freue mich natürlich wie ein Schneekönig. Es gelingt der neuen Fassung sehr gut, den hausgemachten Stil des Originals zu erhalten, aber der notwendigen Hipness der nachgewachsenen Web-Generation Rechnung zu tragen.

Es gibt aber auch Sachen, die mir aufstoßen. Da ist zuerst einmal das Finanzierungsmodell, das ich ein wenig unredlich finde. Die Fans haben die 14 neuen Episoden durch das Crowdfunding de facto (mehr als) finanziert – trotzdem muss man Netflix abonnieren, um sie zu sehen. Das ist eine doppelte Abrechnung, zumal ich finde, dass die neue Staffel ein wenig teuer geraten ist.

Außerdem unterteilen Fans die alte Serie in die "Ära Joel" und die "Ära Mike". Hardcore-Misties sind eigentlich immer "Team Joel", weil Joel Hodgson die Serie erfunden und am Leben erhalten hat. Ich selber gehöre allerdings zu "Team Mike", weil ich Ende der 90er mit den Episoden von Mike T. Nelson eingestiegen bin und ich seine fröhlich-naive Art der knödeligen Introspektion von Hodgson vorziehe.

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Und da liegt das Problem: Die neuen Episoden sind fast komplett vom Joel-Stab geplant und umgesetzt worden. Weder die Figuren noch die Sprecher der Mike-Ära kommen vor. Das klingt für mich sehr gewöhnungsbedürftig und ist auch in Sachen Humor teilweise ein Rückschritt.

Glücklicherweise gibt es aber die Rifftrax, das Projekt, bei dem (vereinfacht gesagt) die Beteiligten der Ära Mike ein ähnliches Konzept wie Mystery Science Theater fortführen. Da hört man auch launige Sprüche zum Film, aber diese Kommentare werden als separater Audiotrack verkauft. Den Film muss man selber mitbringen. Das erspart den Machern den Einkauf teurer Lizenzen und es ermöglicht auch die Verballhornung aktueller Blockbuster.

Die Rifftrax sind deutlich näher am Spirit von Mystery Science Theater 3000 der späteren Jahre als die eigentliche Neuauflage, finde ich. Einsteiger können sich vor allem an Dutzenden von "Best of"-Clips besaufen, die freundliche Naturen bei YouTube eingestellt haben:

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Welches Version ist besser? Gottseidank muss ich mich nicht entscheiden.

P.S.: Gerade nachrecherchiert: Die Episode, die ich in den 90er Jahren gesehen habe, war "Hercules against the Moon Men". Good times.

 



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TimeTourist
TimeTourist
27. Juni, 2017 13:04

Die Crowdfunding-Geschichte finde ich ebenfalls mehr als ungerecht. Einer der Gründe, weshalb ich einen großen Bogen um Crowdfunding mache.

Vom Mystery Science Theater 3000 kenne ich leider nur die deutsche Version von Oliver Kalkofe und Oliver Welke. Hier war der Abspann noch am lustigsten. Die englische Version ist um längen besser.

Gute Nachrichten: Rifftrax Live gibt´s seit Monaten bei Amazon Prime im original Ton!

Nikolai
Nikolai
29. Juni, 2017 13:53

Der Film war grandios!
Danke TimeTourist für den Filmabend.