Über Nina Hagens musikalisches Können und ihre musikhistorische Bedeutung kann ich nichts sagen – ich kenne zu wenig von ihr, um kompetent zu sein. Das bisschen, was ich kenne, finde ich manchmal erfrischend rebellisch, manchmal aber auch maßlos affektiert.

Der „öffentliche Mensch“ Nina Hagen ist mir allerdings schon immer ungeheuer auf den Keks gegangen, weil die Frau eine Eigenschaft hat, die mich triggert: sie taumelt von einer Scheißidee zu nächsten, von der Sucht in die Sekte, mutiert von der Anarcho-Braut zur Volks-Mama – und verlangt für jeden ihrer Hirnfurze lautstark Respekt. Zumindest, bis sie ihr infantiles Gemüt dem nächsten Schnickschnack widmet. Ein Respekt übrigens, den sie ihren Gesprächspartnern  nicht angedeihen lässt. Wer Nina widerspricht, ist doof und gemein. Hätte sie ein Schippchen, würde sie damit werfen.

Das ist keine neue Erkenntnis und lässt sich anhand von Talkshow-Ausschnitten aus vier Jahrzehnten belegen – Frau Hagen mag sich permanent wandeln, der Kern ihres unsäglich dummen Wesens bleibt aber erhalten. Die totale Ichbezogenheit und geradezu kindliche Begeisterung für die eigenen halbgaren Überzeugungen sind der rote Faden in ihrem Leben, das seit dem Ende der Musik-Karriere nur noch aus PR in eigener Sache besteht.

Ende 76 aus der DDR in den Westen emigriert, macht Nina schon 1979 als „Spießerschreck“ die Talkshows unsicher. Das ist in der miefigen Bundesrepublik damals wenigstens noch unterhaltsam:

Die deutschen Moderatoren sind gewöhnlich zu höflich, um der ausgeflippten Sängerin angemessen Widerstand zu leisten. Darum ist es umso interessanter zu sehen, wie David Letterman die sprachlich nicht sattelfeste Nina mit konsequentem sarkastischen Nachfragen in Schach hält. Es zeigt sich auch, dass die Exil-Kommunistin immer noch jedem Londoner Ding nachrennt: „She can do extensions, which is very ‚in‘ in London.“

In den 90ern ist Nina als Musikerin schon nicht mehr gefragt, ihre ganze Anarcho-Protest-Nummer hat sich überlebt. Natürlich weiß sie aus eigenen intimen Erfahrungen mit harten Drogen, wie man Drogensüchtigen helfen muss – genau verraten will sie die Methode aber wohl nicht, eine junge Angela Merkel anschreien ist wichtiger:

Irgendwann entdeckt la Hagen dann auch Ufos und Engel für sich und bringt der Welt die frohe Botschaft kosmischen Friedens – kritische Nachfragen durch eine souveräne Jutta Ditfurth konterte sie ebenso souverän mit Body Shaming:

Privat würde man eine derart unflätige Schreihälsin sicher nicht mehr einladen. Nun ist es aber so, dass derlei Spektakel gut für Schlagzeilen und damit auch gut für die Quoten ist. Krakeelerei bedeutet zumindest bei Maischberger nicht Hausverbot. weshalb sich das Spiel ein paar Jahre später wiederholt, als die Ex-Musikerin erneut völlig um sich selbst kreist und damit Joachim Bublath aus der Sendung treibt:

Kann man das wild und ungezähmt finden, freigeistig und anarchisch? MAN schon. ICH nicht. Ich gebe allerdings zu, dass der voyeuristische Unterhaltungswert von Nina Hagen beträchtlich ist und Thomas Nöske sie treffend beschrieben hat:

„Eigentlich muß man Nina Hagen für voll nehmen, weil für halb keine zweite Hälfte bekannt ist und sie für Nichts deutlich zuviel ist.“

Oder wie die BRAVO so schön titelt:



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz