Das letzte Mal habe ich einen solchen Beitrag Ende 2011 verfaßt. Damals hatte ich mir meinen ersten Motorroller aus chinesischer Produktion gekauft, den Nachbau einer Vespa Primavera 50. Leider habt ihr mitbekommen, dass dem Scooter kein schönes Leben beschieden war. Mehrfach von besoffenen Rowdys beschädigt und harschem Wetter ausgesetzt, alterte er so schnell, dass er jetzt nach fünf Jahren kaum noch mit mehr als „fahrfähig“ beschrieben werden kann. Aus diesem Grund habe ich auch im Februar das neue Nummernschild erstmal nicht abgeholt und den Roller auf dem Hof stehen gelassen.

Es stellte sich die Frage: Was nun? Mittlerweile habe ich meinen Aygo aus Düsseldorf wieder da, meine Frau fährt einen BMW, ein gleichaltriger Freund hat sich kürzlich bei einem Rollerunfall die Schulter gebrochen, der 50. Geburtstag ist nicht mehr sooo weit weg – genug Gründe, es langsam mal mit den Stadtflitzern zu lassen und wieder ganz auf das Auto zu setzen. Eine vernünftige, angemessene Entscheidung.

And monkeys fly out of my butt!

Natürlich will ich wieder einen Roller. Ich fahre einfach zu gerne mit den kleinen Knatterdingern. Kein Stau, keine Parkplatzprobleme, geringe Kosten, frische Luft.

Zuerst schaute ich wieder bei den Chinesen nach. Da bekommt man gefällige Modelle mittlerweile für 699 Euro. Nach einigem Hin und Her fiel mein Auge auf den Trevis:

Die Vorteile: relativ groß, relativ starker Motor und der Fahrsicherheit zuträgliche große 16 Zoll-Räder. Mit knapp 1200 Euro solide bepreist.

Aber das brachte Probleme mit sich. Zuerst einmal hätte ich den nahe München bestellen und per Spedition liefern lassen müssen. Das wäre a) teuer gewesen und hätte b) die Chance minimiert, bei Defekten zeitnah zu reklamieren. Und dann war da noch die Sache mit den generell irgendwann notwendigen Reparaturen. Markenwerkstätten weigern sich standhaft, die „Chinabomber“ anzufassen. Während ich in München und Speyer noch Schrauber kannte, die weniger Allüren mitbrachten, war Baden-Baden in der Beziehung unbekanntes Terrain. Schlimmer noch: Ein paar hundert Meter von unserer Wohnung entfernt ist eine eingesessene Werkstatt, die als die erste Vespa-Vertretung nördlich der Alpen gilt und in zweiter Generation seit dem Ersten (!) Weltkrieg geführt wird. Da brauche ich mit meinem Trevis nicht aufzutauchen.

Selten genug, dass Karma mir zur Hilfe kommt: Ich unterhielt mich mit einem Nachbarn aus dem Haus, dem aufgefallen war, dass ich mein Nummernschild nicht erneuert hatte. Er selber nämlich auch nicht. Durch den jungen Terrier, den er sich angeschafft hatte, war seine Rollernutzung praktisch auf Null gesunken.

Er seufzte: „Ich denke, ich werde meine Vespa wohl verkaufen.“

Ich so: „Mooo-ment!“

Tatsächlich war sein Roller eine bildhüsche Vespa Primavera 50, die zwar 10 Jahre auf dem Buckel hatte, aber nur 3000 Kilometer auf dem Tacho. Sie sah fast wie frisch aus dem Laden aus. Ich bat den Nachbarn, das Schmuckstück doch mal zu einer ordentlichen Inspektion zu bringen und mir einen fairen Preisvorschlag zu machen.

Lange Rede, kurzer Sinn:

Meiner!

Zieht wie die Hölle, fährt wie Butter und entspricht ziemlich exakt dem, was ich mir auch als Neukauf zugelegt hätte – wenn ich denn je in Betracht gezogen hätte, eine Vespa zu kaufen. Administrativer Aufwand: zehn Minuten. Kurzer Kaufvertrag, Anruf bei der Versicherung, um die Police auf mich umschreiben zu lassen, Überweisung – fertig. Und sollte doch mal was sein, weiß ich ja, dass eine legendäre Werkstatt in Schiebeweite ist.

Jetzt also auch in Baden-Baden: they see me rollin‘, they hatin’…

NACHTRAG 21.5.: So steht das alte Schätzchen nun in den Ebay-Kleinanzeigen:



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TimeTourist
TimeTourist

Glückwunsch!
Was dem Bericht noch fehlt ist ein Bild des alten China-Scooters. Ich platze vor Neugierde. 🙂
Ein Vorher/Nachher Vergleich wäre schon interessant.

TimeTourist
TimeTourist

Oha! So schaute meine Vespa nach 20 Jahren aus. Allerdings stand diese auch nicht bei Wind und Wetter draußen (was ich bei deinem unterstelle).

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