Logan

Ich glaube, „Logan“ ist der erste Superheldenfilm seit Jahren, der mich zwar interessiert hat, den ich im Kino aber verpasst habe. Das ist umso kurioser, da hier genau das versprochen wird, was ich seit Ewigkeiten einfordere: Solo-Filme innerhalb eines Superhelden-Universums, die eher wie Graphic Novels erzählt werden und sich endlich auch mal wieder an Erwachsene richten. Nach dem Erfolg von „Deadpool“ traut man sich „hard r“ und hier wird das nicht mal mit einer humorigen Grundeinstellung übertüncht.

Der Vorgänger „The Wolverine“ versuchte Ähnliches, krankte in meinen Augen aber an einer unentschlossenen „sowohl als auch“-Haltung. Er wollte Blockbuster UND Drama sein, Teenager UND Erwachsene begeistern. Das konnte nicht klappen – und das klappte auch nicht.

Aber „Logan“ liefert. Er ist tatsächlich der perfekte, brutale, traurige Abgesang auf einen großen Helden. Hier wird eine Geschichte erzählt, wie man sie bei den Heften außerhalb der offiziellen Continuity ansiedelt. Ein „What if“ über die letzten Tage des unverwüstlichen, am Ende von der Zeit besiegten Wolverine, der ähnlich wie Batman in „The Dark Knight“ von Frank Miller in einer Welt lebt, die ihm nichts mehr zu geben hat und der er nichts mehr zu geben hat.

In seiner Härte und seiner Melancholie ist „Logan“ damit weitaus packender als die meisten anderen Superheldenfilme. Er setzt darauf, dass wir Wolverine lieben und ihn nicht leiden sehen wollen. Und dann lässt er ihn so viel leiden, wie es sich die Autoren nur ausdenken können. Die Idee, aus Professor X ein dementes Wrack zu machen, um das Logan sich kümmern muss, sorgt für zusätzliche Tragik.

Am Ende – und das ist kein nennenswerter Spoiler – muss Wolverine abtreten. Sein Kapitel ist beendet. Aber es ist nicht alles verloren. Weil es neue Mutanten gibt. Und mit ihnen neue Gefahren und neue Hoffnung.

Es steht zu erwarten, dass das überzeugende Einspielergebnis von mehr als 600 Millionen Dollar an den Kinokassen die Studios überzeugt, bei den Superheldenfilmen mutiger zu werden und wechselnde Zielgruppen anzusprechen.

Fazit: Ein futuristisches, beinhartes Drama mit vielen Western-Motiven, das durch packend inszenierte Action und großartige Performances überzeugt. Besser kann Jackman Wolverine nicht spielen – und sollte es auch gar nicht versuchen. Einer der souveränsten Superheldenfilme dieser Generation.

LEGO Batman Movie

Wo wir gerade von wechselnden Zielgruppen für Superheldenfilme sprechen: der LEGO BATMAN Film ist für die andere Seite des Spektrums. Im Gegensatz zu „Logan“ bedient er die strikt familienfreundliche Harmlos-Unterhaltung. Und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass es mir dabei so ergangen ist wie beim ersten großen LEGO-Film: ich blieb über die gesamte Laufzeit unterwältigt.

Ja klar ist das nett, Batman mal auf die Schippe zu nehmen mit seiner absurd überzogenen Einzelgänger-Attitüde. Sämtliche Klischees des Dunklen Ritters werden durch den Kakao gezogen, eingebettet in das Thema „jeder braucht Familie, egal wie dysfunktional“.

Aber das ist eben auch ohne Überraschungen, geht nie wirklich in die Tiefe und macht zuviel Budenzauber, um Platz für wirklichen Sarkasmus zu haben. Ich tue mich auch schwer damit, in den Plastikfiguren mehr als Plastikfiguren zu sehen. Anders als bei den Muppets schafft es LEGO nicht, meine „suspension of disbelief“ zu knacken.

Darüber hinaus finde ich den Film mit erheblich zu vielen Setpieces, Subplots und Charakteren überladen. Man kommt sich teilweise vor wie auf dem Rummelplatz. Das zeugt in meinen Augen davon, dass die Macher auch wussten, dass der Film Mühe haben wird, die etwas zu angestrengte Laufzeit von 105 Minuten zu stemmen.

Interessant finde ich, dass der LEGO Batman-Film mit 80 Millionen Dollar knapp weniger als „Logan“ (97 Millionen) gekostet hat, aber nur die Hälfte weltweit einspielen konnte. Auf die größtmögliche Zielgruppe zu schielen, mag sich nicht immer auszahlen.

Fazit: Ein launiger Superhelden-Spielzeugfilm, dem die wirkliche Substanz fehlt. Ich amüsiere mich bei den diversen halbstündigen Specials wie „LEGO DC Comics: Batman Be-Leaguered“ erheblich mehr. Die wissen, wann Schluss sein soll.

The man who haunted himself

Der hier war mein „Roger Moore Gedenkfilm“ letzte Woche. Ich wollte vom Bond meiner Kindheit einen Streifen sehen, den ich bisher verpasst hatte. Entweder „The naked face“ oder eben „The man who haunted himself“. Letztlich wurde es das frühe Kinowerk des britischen Mimen. Der Grusler basiert auf der Romanvorlage „The case of Mr. Pelham“ und wurde auf deutsch vermutlich missverständlich übersetzt, nämlich als „Ein Mann jagt sich selbst“. Hier hat wohl jemand „haunted“ und „hunted“ verwechselt.

In diesem Fall ist es vielleicht angebracht, die Handlung kurz zu umreißen: Der erfolgreiche, aber extrem spießige Geschäftsmann Harold Pelham wird in einen Unfall verwickelt. Nach seiner Genesung häufen sich die Anhaltspunkte, dass ein Doppelgänger versucht, sein Leben zu übernehmen.

Natürlich darf man von einem britischen Film von 1970 keine Hochglanz-Action oder Dynamik erwarten und in der Tat ist „The man who haunted himself“ nach der anfänglichen Autoraserei sehr steif inszeniert und hauptsächlich an vagen Unterhaltungen in praktikabel eingerichteten Räumlichkeiten interessiert. Es dauert mehr als eine halbe Stunde, bis die seltsamen Vorkommnisse einen gewissen Druck aufbauen. Dann aber wird das Szenario durchaus interessant und wenn sich die ersten Brüche in Pelhams Upperclass-Fassade zeigen, funktionieren auch die  psychologischen Elemente – unterstützt von einem wie immer großartigen Freddie Jones als leicht schrägem Psychiater.

Doch leider hakt „The man who haunted himself“ genau dort, wo auch viele andere Mystery-Thriller stolpern: beim Ende, bei der Auflösung. In diesem Fall ist die Erklärung für den Doppelgänger nicht nur unglaubwürdig, sie ist hanebüchen und augenscheinlich nur ein Feigenblatt, das nichts erklärt und allenfalls den Start des Nachspanns rechtfertigen soll. Ich würde den ganzen Dreh auch als dreistes Plagiat von Harlan Ellisons „Shatterday“ bezeichnen, wäre Ellisons Kurzgeschichte nicht erst 1975 erschienen und der Roman zum Moore-Film bereits in den 5oer Jahren.

Fazit: Ein altmodischer Thriller, der für Freunde des britischen Kinos und Roger Moore-Fans durchaus spannende, wenn auch nicht nervenaufreibende Unterhaltung bietet – bis er leider am Ende zugeben muss, dass er die ganze Zeit nur geblufft hat.

P.S.: Erstmals wurde der Stoff schon in den 50ern für Alfred Hitchcocks TV-Serie adaptiert. Hier ist eine sehr schöne Analyse von „The Case of Mr. Pelham“:

Moontrap 2: Target Earth

Okay, das hier ist kein guilty pleasure. Diesen Film habe ich aus Pflichtbewusstsein geschaut. Zuerst einmal deshalb, weil ich „Moontrap“ 1989 im Kino gesehen habe und entgeistert war, dass man bei den Szenen auf dem Mond sogar die Studiovorhänge im Hintergrund erkennen konnte. Wie dieser lieblos gemachte Dummfug so etwas wie ein Kultfilm werden konnte, entzieht sich meiner Erkenntnis. Es muss am Stunt-Casting von Bruce Campbell und Walter Koenig gelegen haben.

Und dann ist da natürlich noch die ganze Kammermeier-Sache: Der Nicht-Autor, Nicht-Regisseur und Nicht-Produzent der Nicht-„Astro Saga“ hatte sich ja vor 25 Jahren als treibende Kraft für eine Fortsetzung in Stellung gebracht, die dann auch in Deutschland gedreht werden sollte. Wie bei so ziemlich allen anderen Projekten Kammermeiers blieb es eine Luftnummer. Er und seine Gattin schoben die Schuld auf den „furchtbaren“ Walter Koenig, mit dessen mangelnder Starpower man international einfach keine Geldgeber finden könne. Classy.

Aus „Moontrap II: The Pyramids of Mars“ wurde nichts und uns bleiben auf ewig nur die Promo-Anzeigen aus den Branchenblättern:

2011 wurde versucht, per Fundraising eine Graphic Novel zu finanzieren, die wiederum als Vorlage für den zweiten Teil dienen sollte. Das scheiterte ebenfalls.

Schwamm drüber, denn jetzt, JETZT gibt es endlich die offizielle Fortsetzung von „Moontrap“, vom Autor des Originals und vom Regisseur des Originals! A legend, 25 years in the making! Accept no substitutes!

Und meine Fresse, ist der scheiße. Der ist so scheiße, dass man unterstellen muss, dass Kammermeier ihn nicht hätte schlechter machen können, wenn er gewollt hätte. Die Schere zwischen „wollen“ und „können“ klafft bei „Moontrap 2“ derart auseinander, dass nicht mal die Umfirmierung in eine ungewollte Komödie mehr helfen würde. Das hier ist ein bestenfalls semi-professioneller Micro Budget-Klump, der es eher aus Versehen auf Scheibe geschafft hat.

Die Story zu erklären würde bedingen, dass sie erklärbar wäre. Irgendwelche Wissenschaftler sollen für irgendeine obskure Organisation irgendein Artefakt untersuchen. Was das Artefakt kann? Keine Ahnung. Was die Organisation damit will? Keine Ahnung. Was das mit der Statue auf dem Mond zu tun hat? Keine Ahnung. „Moontrap 2“ wirft nur willkürlich Sperrmüll aus der Space Esoterik-Rumpelkammer auf die Leinwand, ohne irgendwelche Zusammenhänge zu bauen oder Verbindungen zu erklären. Er präsentiert keine Handlung, sondern eine willkürliche Abfolge von Szenen.

Das Budget kann eigentlich keinen fünfstelligen Betrag umfasst haben. Eine leere Lagerhalle, eine Greenscreen, ein Steinbruch – mehr gibt es nicht zu sehen. Die CGI ist auf dem Niveau von 1990 und würde keinen Amiga 500 an den Rand seiner Leistungsfähigkeit bringen. Die Roboter sind diesmal wieder handgebaut – weshalb sie sich nicht wirklich bewegen können und nur mühsam immer mal wieder ins Bild geschoben werden. Man schämt sich als Zuschauer.

Während die sympathische Sarah Butler sich als Hauptdarstellerin noch ganz gut schlägt, lässt Charles Shaughnessy (bekannt aus „Die Nanny“) sehr deutlich raushängen, was er von diesem Murks hält.

Nicht gucken. Nicht mal aus perverser, fehlgeleiteter Neugier.

Fazit: Kompletter Schrott auf Amateurniveau, der nicht mal „so bad it’s good“ unterhalten kann. Dass so ein Gerümpel von Sony Pictures Home Entertainment veröffentlicht wird, beweist eindrucksvoll, dass Wiedererkennungswert mehr zählt als Qualität –  a message for the ages.



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Daniel
Daniel

„The man who…“ hab ich als Heranwachsender im Fernsehen geguckt. Ich war richtig gepackt und fand den grandios. Bis zur Auflösung. Da war ich so stinkesauer, dass ich den Fernseher angebrüllt habe: „Ihr mich auch mal!“. Aber bis da hin stimmte echt alles. Dass das Jahrzehnte später mit einer Serie namens „Lost“ auf das ca. 1000-fache Volumen aufgepustet werden und das Ergebnis dann mindestens genau so kacke sein würde – ich hatte ja keine Ahnung.

noergel
noergel

Ich möchte nur dezent auf das zweite „krankte“ in der Logankritik hinweisen.

invincible warrior
invincible warrior

Ich als großer Lego Fan hatte mich bedingt auf den Batman Film gefreut, auch wenn ich den Lego Film als eine nahezu perfekte Hommage an uns Fans halte. Anders als andere Jubelperser fand ich nämlich Batman im Lego Film zwar eine nette Zugabe, aber imo schwierig als zentraler Held.
Und ich muss sagen, der Film versagt hier auch! Denn anstatt einen Lego BATMAN Film zu machen, haben sie im Grunde einen LEGO Film mit Batman gemacht. Und das ist nicht, was ich wollte und als gut empfinde. Denn einen Batman braucht es nicht wirklich, den hätte man auch durch Emmet ersetzen können und wäre keinem groß aufgefallen. Ist ja nicht so, dass das DC Universum nicht schon genug Material zu bieten hat. Aber nein, nach dem Clusterfuck mit allen Batman Schurken innerhalb von 5 Minuten, verabschiedet sich der Film im großen und ganzen aus dem Universum und wird einfach zu generisch durch das zusammenmixen anderer Filmschurken. Dazu kommt, dass der Joker hier wohl in seiner miesesten Inkarnation daherkam, die ich bisher erlebt hatte. Das liegt auch nicht an (brrrrrrrrrr) Gronkh als Stimme, denn ich hatte den im Original gesehen, wo auch Zach Galifianakis einfach nur enttäuscht.
Meiner Meinung hätte der Film viel besser funktioniert, wenn der Film sich auf das DC (besser Batman) Universum konzentriert hätte und Joker eine Art All-Star Schurkenteam aufgestellt hätte. Und dann wäre es auch schön gewesen, wenn der Film sich eher an 8-12jährige Jungen gerichtet hätte und nicht versucht hätte alle Gruppen zu bedienen. Immerhin sieht der Trailer zum Ninjago Film gut aus, hoffentlich stimmt hier wieder alles.

Heino
Heino

„Logan“ ist toll und ich finde es gut, dass Mangold da auch wirklich eine Fortsetzung mit den Kids dreht, auch wenn das überhaupt nicht zu den restlichen X-Men-Filmen passen wird. Da ist die Continuity eh nicht mehr zu retten, also ist das dann auch egal. Und X 23 wird ein mehr als ebenbürtiger Wolverine-Ersatz werden.

Den Lego-Batman fand ich trotz aller von dir zu Recht genannten Schwächen extrem lustig und weit gelungener als den eigentlichen Lego-Film, aus dem dieser Batman entnommen wurde. Die Macher wollten zu viel und es wirklich jedem recht machen, aber es waren mMn sehr, sehr viele wirklic gelungene Gags in dem Streifen und mehr habe ich nicht gewollt.

Oibert
Oibert

„Hier wird eine Geschichte erzählt, wie man sie bei den Heften außerhalb der offiziellen Continuity ansiedelt. Ein „What if“ über die letzten Tage des unverwüstlichen, am Ende von der Zeit besiegten Wolverine, der ähnlich wie Batman in „The Dark Knight“ von Frank Miller in einer Welt lebt, die ihm nichts mehr zu geben hat und der er nichts mehr zu geben hat.“

Stimmt in diesem Fall nicht wirklich – der Film basiert ja zumindest von der Grundidee auf Old Man Logan. Und dort geht es eben auch um einen gealterten Wolverine, der durch Gedankekontrolle alle anderen Helden gemetzelt hat und Jahrzehnte nach diesem Vorfall einfach nur mit seiner Frau und Kindern in Ruhe leben will.
Kommt natürlich ganz anders und inzwischen ersetzt Old Man Logan den gestorbenen Jetzt-Zeit Wolverine. Das ist aber alles Comic-Logik, die nur wirklich nachvollziehbar ist wenn man die kompletten Stories darum herum gelesen hat…

Feivel
Feivel

Mir hat „Logan“ auch sehr viel Spaß gemacht – gerade wegen seiner Konsequenz, durch die (großartigen) Kampfszenen nicht mehr FSK12 zu sein.
Was mich aber wahnsinnig gestört hat: Die (in der deutschen Synchro?) total überkitschten Dialoge zwischen Logan und Laura, als sie dann endlich zu sprechen anfing („Daddy..!“). Von der Beklopptheit, dass sie ihn dann 20 Minuten des Films auf spanisch zulabert, obwohl er es nicht versteht und sie gut Englisch spricht, ganz zu schweigen..

Ich hab mich zwar den ganzen Film über gut unterhalten gefühlt, aber ab da waren die Charaktere für mich nicht mehr nachvollziehbar gezeichnet. Ging das nur mir so?

Dietmar

Hat aus dem Stand bei mir die Spitzenposition der Superhelden-Filme erobert. Ein Meisterwerk, würde ich sagen. Großes Kino.

Dietmar

Ups: Ich rede von „Logan“.