Wie ihr wisst, habe ich meinen alten Motorroller verkauft:

150 Euro. Ich hätte sicher noch ein paar Euro mehr bekommen können (oft genug gehen Unfallroller zur Ausschlachtung für mehr als 200 weg), aber ich wollte den Vorgang möglichst knapp und stressfrei halten.

Erstmals habe ich zu diesem Zweck die Ebay-Kleinanzeigen genutzt. Ich wollte einen Käufer aus der Gegend und ein Inserat in der lokalen Tageszeitung dauerte mir zu lange. Meine Online-Anzeige war knapp, aber eindeutig und konzentrierte sich auf die wesentlichen Punkte, die ich hier noch mal zusammen fasse:

„Festpreis 150 Euro. Bedingt fahrfähig, Werkstattbesuch empfohlen. Ein paar Kratzer und ein angegriffener Sattel durch Wettereinwirkung. Ohne Gewähr. Nur an Selbstabholer gegen bar.“

Zuerst trug ich meine Telefonnummer ein, vergass aber die letzte Stelle. Binnen Minuten baten zwei Interessenten um die korrekte Nummer, die ich dann auch nachlieferte. Nach dem ersten Telefonat, in dem ein Hakan meinte, ich müsse mit dem Preis auf 100 Euro runtergehen, weil er den Roller im Gegenzug ja auch sofort abholen würde, löschte ich die Telefonnummer in der Anzeige wieder. Es schien mir vernünftig, das lieber schriftlich zu regeln.

Ich bekam im Laufe von sechs Stunden noch circa zehn Anfragen. Und die verdeutlichten mir wieder einmal, warum ich die Menschheit für verloren halte.

Drei der Anfragen lauteten so oder ähnlich:

„Habe Interesse.“

Ich habe mir nicht einmal die Mühe gemacht, wie Alfred E. Neumann mit einem patzigen „Na und…?“ zu antworten.

Auch schön:

„50 Euro?“

Abgesehen davon, dass der Preis eine Frechheit wäre und ich eine höfliche Anrede erwarte, könnte jemand diesem Zeitgenossen mal den Begriff „Festpreis“ erklären.

Ein anderer Kandidat bot 100 Euro und entschied sich, nach meinem Beharren auf das Prinzip „Festpreis“ wenigstens das Prinzip „nur an Selbstabholer“ auszuhebeln:

„Können Sie den Roller denn dann wenigstens nach Karlsruhe bringen?“

Wenigstens. Als wäre es das Mindeste, was ich für seine Gnade, mir den Roller abzunehmen, leisten könnte. Erstaunlich viele potenzielle Käufer legten eine Einstellung an den Tag, als müsse man ihnen für ihr Interesse dankbar sein.

Bei zwei weiteren Anfragen mühte ich mich, ein Kaufinteresse aus anscheinend willkürlich zusammen gewürfelten Vokalen und Konsonanten, die an exotischen Stellen mit Interpunktion versehen waren, zu extrahieren.

Es blieb exakt EINE Anfrage in akzeptabel höflich verfassten Deutsch übrig. Ich kontaktierte die Dame (aus dem Schwarzwald) und machte einen Termin für den nächsten Mittag aus. Ein Herr mit schrottreifem Kleintransporter kam, lud den Roller ein, nahm die Papiere entgegen und unterschrieb den Kaufvertrag. 150 Euro wechselten den Besitzer. Einen Handschlag später war ich den Roller los.

Zwei weitere Minuten später löschte ich die Anzeige.



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Michaela
Michaela

Mich wundert es, dass du trotz Festpreis keine Anfrage mit: „Was ist letzter Preis?“ bekommen hast. Das ist hier in Köln der Klassiker.

Soederberg
Soederberg

@Michaela

Nettwerk Köln oder Kleinanzeigen Köln/Bonn, nicht wahr? 😀
Schon als ich die Überschrift las war mir klar, worauf das hinaus läuft. 🙂

dermax
dermax

Hinsichtlich verlorener Menschheit empfehle ich noch den Facebook-Post der Polizei Chemnitz am Dienstag zu einem Einsatz am Finanzamt, mit einer durchaus erschütternden Darstellung, was Menschen glauben, sich herausnehmen zu dürfen…

Dan
Dan

„Was iss dein Schmerzgrenze?!?“
…150…
„Nix schmerzhaft genug!!!“

S-Man
S-Man

Bekannte von mir haben letzte Woche ihr Auto auf Kleinanzeigen verkauft. Sie haben es für 700€ eingestellt und hatten nur sehr wenige Sekunden später ein dauerklingelndes Telefon. Es gab zig Leute, die deutlich MEHR geboten hatten als eingestellt. Bis zu 1500€.
Es kamen Sprüche wie: Aber niemandem. anderes zusagen! Anzeige sofort löschen! Die Nummer verschwand keine Minute nach Online-Schaltung aus dem Netz.

Sie hatten sofort den Ersten eingeladen, der das Teil für 1100€ auf seinen Abschleppwagen lud und nach Afrika verschiffen wird. Den zweiten Interessenten hatten sie in die Warteschleife gesetzt, falls der Erste doof wäre, aber dem konnten sie absagen.

Keine Stunde nach Anzeigenschaltung war das Auto für fast das Doppelte verkauft und weg. Stressfreier geht es kaum.

Das hatte ich auch noch nie gehört. Aber über Höflichkeit und ganze Sätze brauchen wir nicht zu diskutieren…

Christian
Christian

Ach ja, Antworten die nur aus „Letzter Preis?“ in den wunderbarsten orthographischen Varianten bestehen sind auch in unserer Gegend ganz groß.
Schön fand ich es einmal als ich ein blaues Sofa verkaufen wollte. Das fand ein Interessent auch ganz wunderbar, er hatte aber doch den Wunsch dass ich es ihm bitte in Rot verkaufen möge.

Sven
Sven

Meine Frau verkauft regelmäßig in den Kleinanzeigen, inzwischen sortiert Sie es auch gut aus.
Ich habe, nachdem ich dummerweise mal den BMW meiner Frau dort eingestellt hatte, die volle Aufmerksamkeit einer bestimmte Zielgruppe erhalten ( TEU 6 VB bedeutet dann : isch komm in Stunde für Tausend… ). Seitdem habe ich da keine Lust mehr.
Highlight für uns war der Verkauf einer Wii-U Konsole. Statt dem geforderten Preis wurde uns im Tausch eine Waffe angeboten….

Stefan Sicherl
Stefan Sicherl

Spannend ist immer die Lektüre der Rubrik „Gesuche“ in „Zu verschenken/tauschen“. Da suchen Leute Midrange bis High End Grakas oder core-i7 CPUs für umme. Oder am besten gleich Zitat: „einen Rechner der Overwatch oder Battlefield 1 auf Medium bis high packt“. Dann sehe ich dass die Anzeige vor 4 Monaten eingestellt wurde, 5 Besucher. Ja, glaub ich sofort und die 5 haben sich köstlich amüsiert.

Heino
Heino

Ach ja, die Kleinanzeigen bei Ebay sind ein steter Quell der Freude. Ich hatte da letztesn Jahr wegen meines Umzugs u.a. meinen Hometrainer von Kettler (ein wirklich gutes und gut erhaltenes Gerät) für € 20 angeboten. Der Verkauf war ein echtes Drama, da haben noch etliche versucht, den Preis zu drücken oder sind gar nicht erst aufgetaucht. Ich hatte ein gutes Dutzend Kandidaten, bis der endlich weg war.

Man kann da aber auch viel Glück haben. Mein gesamtes zum Verkauf angebotenes Musikequipment ging problemlos weg und die Kontakte waren alle nett. Auch meine Freundin hat in den letzten Wochen da sehr viel verkauft und bis auf einen Käufer nur gute Erfahrungen gemacht.

Die Hölle ist allerdings, darüber einen Nachmieter zu suchen. Ich hatte 3 Tage lang keine ruhige Minute mehr und über 100 Interessenten aus dem ganzen Land, von denen fast keiner halbwegs Deutsch sprach, einen Job hatte oder die Regeln der Höflichkeit beherrschte.

Jake
Jake

Ich hoffe, der Hausherr löscht mich nicht, wenn ich in den geheiligten Wortvogel-Hallen einen Bento-Artikel verlinke. 😉 Dachte erst, die Autorin würde etwas dick auftragen (habe mich bis dato noch nie in die Untiefen der Kleinanzeigenwelt begeben), aber wenn ich mir Eure Beiträge so durchlese…

http://www.bento.de/gefuehle/ebay-kleinanzeigen-kaeufer-sind-unfreundlich-und-verhandeln-unfair-1379981/

invincible warrior
invincible warrior

Hehe, das hatte ich mir auch gedacht als ich auf den Bentoartikel aus versehen geklickt hatte (verstecken sich ja teils gut auf Spon), Da wäre doch mehr drin gewesen, aber bleibt halt seicht wie alles auf Bento. Schade, dass die Trollkommentare inzwischen komplett ausgeschaltet sind, die hatten dem ganzen wenigstens noch etwas Würze gegeben.

Michaela
Michaela

@Soederberg: Wahlweise auch Kalaydo, da aber nicht ganz so häufig wie bei den anderen genannten Seiten.
Mittlerweile ist man ja so abgestumpft, dass man sich freut, wenn die Leute überhaupt kommen.

Karsten Scholz

Meine bessere Hälfte bietet gerne gebrauchte, aber gut erhaltene, weil kaum getragene Klamotten von unserem Sohnemann (die kleinen Hosenscheißer wachsen einfach zu schnell) in den diversen Mami-Netzwerken an – und erlebt dort leider tagein, tagaus die gleichen an die Menschheit zweifeln lassenden Dialoge …

Dietmar

Meike steht hier und nickt wissend: Sie verkauft immer mal was auf Ebay und das sind exakt ihre Erfahrungen.

Alph
Alph

Die gleichen Erfahrungen habe ich hier auch gemacht. Teilweise tauchen Leute auch ohne Absage einfach nicht auf. Letztens hatte ich jemanden der mir noch geschrieben hatte dass er sich eine Stunde verspätet, nur um dann doch nicht aufzutauchen. Schrecklich.

Jake
Jake

@Torsten: „Das hätte ich noch mal überarbeiten lassen.“

Ein Satz, der so noch nie durch die Bento-Redaktionsgänge gehallt ist. Und genau deshalb wirst Du auch nie in den Genuss eines Bento-Gehaltsschecks kommen und hier weiterhin Dein Können für umme verschleudern müssen. Aber tröste Dich – selbst wenn Du das nötige Schreib-Unvermögen mitbringen würdest, das jedem gestandenen Bento-Autor abverlangt wird, würde das Jobangebot an Deinem angegrauten Haupthaar scheitern. Bento-Autoren, die das 30. Lebensjahr vollendet haben, erleiden nämlich das gleiche Schicksal wie die Menschen in „Logan’s Run“. Nicht, dass am Ende noch jemand sowas wie Anspruchsdenken entwickelt.

Sigur Ros
Sigur Ros

Was an dem an sich vergleichsweise guten bento-Artikel auch gewaltig nervt, ist der willkürliche Gebrauch von Fettschrift, damit die doofen Leser auch ja wissen, wo die Betonung/Aussage liegt.

BJCarpenter
BJCarpenter

Ich kann mir die Bereitschaft, mehr zu bezahlen so erklären, dass ein Auto nach Afrika verschiffen und dort zu verkaufen (geraten) 2000€ bringt.
Wenn nun das Auto für 700€ angeboten und zu diesem Preis verkauft wird ist der Gewinn für den Händler zwar groß, doch gibt es Konkurrenz, welche bereit ist etwas mehr zu bezahlen, was die Aussicht auf diesen Gewinn deutlich schmälert.
Da für einen Händler 900€ Gewinn ausreichen und er den Zuschlag erhalten will, bietet er mehr.
Weshalb sollte der Verkäufer auf 400€ mehr verzichten?

BJCarpenter
BJCarpenter

„[…]und hatten nur sehr wenige Sekunden später ein dauerklingelndes Telefon[…]“

Ich habe hierbei noch keine eigenen Erfahrungen, aber nach obiger Schilderung ist die Konkurrenz so groß, dass selbst das schnelle Löschen zu langsam ist und die ersten höheren Angebote bereits eintrudeln.

Mencken
Mencken

Erstaunlicherweise ging das bei mir immer gut. Höfliche Anfragen, problemlose Abwicklung und kein Preisgefeilsche. Frage mich jetzt doch, ob ich immer viel zu wenig haben wollte.

oliver becker
oliver becker

Ich würde schreiben „Festpreis XXX, absolut keine Verhandlung“. Sobald jemand versucht zu handeln: ignorieren oder auflegen. Fertig. Kein Stress.

Schmand2001

Mit eBay- Kleinanzeigen hatte ich nie groß Probleme. Stelle aus Gewohnheit die Sachen immer etwas teurer rein, weil ich weiss, dass die Leute immer noch den Preis drücken wollen. Das beste war aber mal, als ich etwas verkauft habe und der Kunde gehandelt hat wie ein wahnsinniger um den Preis so niedrig zu machen, dass es sich für mich nicht mehr lohnen würde. Habe dann einen Schlussstrich gezogen und gesagt, welcher Preis jetzt fest ist und wenn er den nicht zahlen wil, dass er dann gehen kann. Daraufhin wiligt er ein und zieht ein bestimmt 5cm dickes Bündel Geldscheine hervor mit Scheinen von 200€ bis 5€ hervor. Ich hab mich gefühlt wie in Bube, Dame, König, GrAs. Nichts gegens Handeln, aber das war schon ziemlich unverschämt (er wollte den Preis von 25€ auf 5€ drücken).
Telephon gebe ich gar nicht mehr an, das ist mir zu blöd und da rufen die Leute stellenweise auch mitten in der Nacht an.

CthIngo
CthIngo
sergej
sergej
gerrit
gerrit

Das gibt’s doch nicht. Ich dachte, die Story mit dem Feilscher um des Feilschens willen, der aber letztlich Bares in einer Summe um den Faktor 50 des Einkaufswertes in der Hosentasche herumträgt, hätte ich exklusiv 🙂

Tatjana
Tatjana

*stillerMitlesermodus*

Die Kleinanzeigen sind teilweise sehr, äh, originell. Besonders, wenn man irgendwas in die Rubrik „zu verschenken/gratis“ einstellt. Hatte mal einen ungenutzten Faltschrank dort eingestellt. Nach kurzer Zeit kamen schon die ersten Interessenten (vorzugsweise in einem kaum zu lesenden Deutsch). Einer hätte das Ding gerne genommen – erkundigte sich im zweiten Satz aber, was das eigentlich wäre … und das „nur Abholung“ wird wirklich gerne überlesen. Vor etlichen Jahren mal einen uralten, aber noch funktionsfähigen Videorecorder angeboten. Die Dame wollte am Ende ernsthaft, dass ich mit dem Schrott einmal quer durch Köln fahre und es ihr vorbeibringe!

Meistens sind die Artikel letztendlich an Studenten gegangen, die sich wirklich gefreut haben, etwas älteres, aber noch funktionsfähiges ergattern zu können.

Als ich noch Artikel bei Ebay eingestellt habe (schon ewig her, lohnt nicht mehr) und sah, dass der Käufer aus der Gegend kam, habe ich die gefragt, ob ich den Gegenstand vorbeibringen darf. Viele waren erstmal verblüfft, aber abgelehnt hat nie jemand. Und so habe ich interessante und skurile Leute kennen gelernt 😉