USA 2016. Regie: Colin Minihan. Darsteller: Brittany Allen, Juan Riedinger, Merwin Mondesir, Kristopher Higgins, Michael Filipowich

Offizielle Synopsis: Molly ist mit ihrem Freund, dem zwielichtigen Nick, auf dem Weg zu einem Deal in der Wüste von Nevada, als ihr Wagen stecken bleibt. Just in diesem Moment ist anderswo eine Zombie-Apokalypse ausgebrochen, und der langsam heranstolpernde Wanderer hat es auf Nicks Innereien abgesehen. Der entsetzten Molly bleibt nichts anderes übrig als quer durch die lebensfeindliche Wüste zu fliehen – stets mit ihrem hartnäckigen neuen Verehrer im Schlepptau. Bis an die Zähne bewaffnet mit Wodka, Kokain, Kippen und Tampons versucht sich die erschöpfte junge Frau in Richtung Zivilisation durchzuboxen. Doch während der glutheißen Tage und dunklen Nächte, in denen sie Sandstürmen, Skorpionen und ihrer eigenen Verzweiflung trotzt, wird ihr klar, dass eine wandelnde Leiche noch das Geringste ihrer Probleme ist …

Kritik: DAS ist es! DAS ist der Grund, warum ich immer ALLE Filme gucke, warum ich keine Vorauswahl treffe, warum ich versuche, zum Start keine weiteren Informationen zu haben. Hätte ich für das Festival keine Dauerkarte gehabt, sondern z.B. fünf Einzelkarten kaufen müssen, dann hätten „Eat local“ und „The Bar“ ganz oben in der Liste gestanden und „It stains the sands red“ hätte ich abfällig grinsend ausgelassen.

Warum? Weil er von den Vicious Brothers ist, die ich menschlich für so unsäglich halte wie ihre Filme. So wie man bei gewissen Regisseuren immer sicher sein kann, dass sie auf dem FFF liefern (De La Iglesia, Natali, Mendez), so kann man bei anderen entspannt eine Pizza-Pause einlegen. Unter deren Schottenrock ist gar nichts, da ist nichts und da war nichts…

Wenn man allerdings derart eierschaukelnd und selbstsicher seine Filme auswählt, wird man immer nur das Erwartete sehen, nie das Überraschende. Und man verpasst, wenn Jungs wie die Vicious Brothers erwachsen werden, den lächerlichen Namen „Vicious Brothers“ ablegen und anfangen, richtig gute Filme zu drehen.

Und „It stains the sands red“ ist ein richtig guter Film.

Das ist umso erstaunlicher, da Ortiz und Minihan immer noch im Low Budget-Bereich unterwegs sind und ISTSR offensichtlich mit Brot & Wasser inszeniert wurde. Hier ist nichts flashy, hier muss ein sehr dünnes Konzept von sehr dünnen Möglichkeiten getragen werden. 90 Prozent der Laufzeit sehen wir Molly dabei zu, wie sie fluchend und koksend vor einem Zombie durch die Wüste herstakselt, dessen simpler Jagdtrieb mit einfachsten Methoden auszuhebeln ist. Und wir ahnen sehr früh, dass Molly natürlich eine Beziehung zu „Smalls“ aufbauen wird, auch weil der Untote in seiner tumben Fokussiertheit so ziemlich das aufrichtigste männliche Wesen ist, mit dem Molly je zu tun hatte.

Was wir nicht ahnen können: Es gelingt Minihan und vor allem der Hauptdarstellerin Brittney Allen (ein Name und ein Aussehen wie direkt aus einem Valley-Porno), diese Entwicklung glaubwürdig und bisweilen sogar anrührend zu präsentieren. Nicht das „was“ überrascht uns – es ist das „wie“ im Sinne von „wie plausibel“.

Das wäre der Ort, an dem ich die Schauspielerin für ihre „furchtlose“ oder „intensive“ Darstellung lobe, aber das hat Brittney Allen gar nicht nötig. Mag einem ihr Gesicht auch nicht bekannt vorkommen, ist sie doch seit 20 Jahren eine Veteranin im kanadischen TV- und Filmfach. Die Frau hat sich ihre Meriten hart verdient, ist in Soaps, SF-Serien und Low Budget-Gruslern aufgetreten. Was sie hier leistet, ist klasse – und nur eine Bestätigung, dass sie ein Profi ist, der sich für eine Rolle echt hingeben kann.

Für einen Film, der größtenteils aus zwei depperten Charakteren in der Wüste besteht, ist ISTSR sauber konstruiert. Er weiß, wann nicht nur die Figuren, sondern auch die Zuschauer einen Break brauchen, wann der Humor mal wieder dem Humanismus weichen muss. War ich am Anfang noch geneigt, die Frauenfeindlichkeit und die pubertäre Freude am Ekel zu kritisieren, wirken diese Elemente fortschreitend als bewusste Provokationen, die dann dekonstruiert werden. Schon das ist mehr Meta-Ebene, als ich Minihan und Ortiz je zugetraut hätte.

Jenseits aller Analyse und des Stallgeruchs ist ISTSR vor allem ein richtiger Crowdpleaser, ein Fun Film für den nicht mehr existenten Midnight Madness-Slot, der sehr viel aus sehr wenig macht. Und das unter der Regie von Leuten, denen ich bisher unterstellt hatte, dass sie es nicht nur nicht besser wissen, sondern auch nicht besser können.

Was gibt es zu mäkeln? Kleinkram. Der „opening shot“ des von der Apokalypse zerstörten Las Vegas suggeriert ein deutlich größeres Format, als ISTSR zu liefern beabsichtigt. Auf der visuellen Ebene ist der Film eher mau, sehr offensichtlich digital saturiert, körnig und flach – kein Vergleich z.B. mit den Wüstenpanoramen von „Desierto“. Der Titel ist so unpassend wie melodramatisch. Und ja, man hätte einfach zehn Minuten früher Schluss machen sollen – der Film braucht Mollys abschließende Entscheidung, was sie mit ihrem Leben angesichts der Zombie-Apokalypse anfangen will. Alles danach ist unnötig und rührselig.

Aber wenn das alles ist, was man einem Film der Ex-„Vicious Brothers“ vorwerfen kann, dann ist das für sich genommen schon wieder ein Lob.

Eine Enttäuschung von De La Iglesia, eine Überraschung der „Vicious Brothers“ – das hätte ich mir vorher auch nicht träumen lassen…

Fazit: Eine High Concept-Zombie-Komödie, die erstaunlichen Saft aus ihrem begrenzten Ansatz zieht und massiv von einer wirklich bemerkenswerten zentralen Performance lebt. Ein Punkt Abzug für die zehn Minuten unnötiger Epilog, ein Punkt Aufschlag für den Verzicht auf die Bezeichnung „Vicious Brothers“ – gibt erfreuliche 8 von 10.

Shriek of the Nowak-Yeti:

„Die Vicious Brothers bringen nichts grundsätzlich Neues ins Genre ein und der Wechsel zwischen Zombie-Slapstick-Fun und dramatischen Charaktermomenten funktioniert nicht immer, aber es ist durchaus schmerzlos wegzukucken und unterhält passabel. 6 von 10.“

Kein Trailer, nur ein Clip:

 



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Dr. AculaMarcusmmflippah Recent comment authors
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Marcus
Marcus

Nope.

Das Ding hat eine tolle Hauptdarstellerin, und am Anfang einige gute Ansätze hin zu einem hübsch entspannt-ironischen Blick aufs gute alte Zombie-Genre, aber leider, leider schießt sich das Ganze mit Schmackes selbst in den Fuß, weil es sich einfach nicht für einen einheitlichen Tonfall entscheiden kann.

Da wechseln sich doofe Möchtegern-Gangster ohne Zielwasser ab mit grimmigen Enddzeitszenarien, in dem sich verzweifelte Eltern nach der Zombieinfektion selbst verbrennen, um nicht ihre Kinder zu fressen.
Da wird am Anfang nur ein einzelner Zombie ohne Erklärung, warum die Betroffenen darauf so nonchalant reagieren, eingeführt (dass unsere Protagonistin weiß, dass die Zombieapokalypse in vollem Gange ist, kann man sich erst im Laufe des Films zusammenreimen.)
Da wechselt der Film blitzeschnelle zwischen drolligem Slapstick und Mollies launigen Monologen an „ihren“ Zombie, nur um uns im nächsten Moment zu zeigen, wie Molly schreiend von zwei irren Hillbillies vergewaltigt wird. Und eine Minute später sind wir dann zurück beim drolligen Slapstick. Tone deafness, thy name is Vicious Brothers.

Und so verspielte IT STAINS THE SANDS RED dann nach gelungenem Einstieg kontinuierlich meinen Goodwill, bis er sich schließlich mit einem mageren 6/10 begnügen musste.

Marcus
Marcus

Tone deaf ist für meine Begriffe weniger der Plot als eher die Inszenierung.

Hätte man zB die Hillbillies Molly auf ihren Pickup werfen lassen, und dann macht einer davon genüßlich die Hose auf und sagt „Now I gonna…“, und dann taucht Smalls aus dem Sand auf und reißt ihm die Eier ab, hätte ich mit der (in diesem Falle nur angedeuteten) Vergewaltigung kein Problem gehabt.

Aber so, wie der Film es macht, ist es halt doch ein „haha, der Zombie läuft ihr immer nach, und sie motzt ihn an, weil er müffelt“, direkt gefolgt von einem „wir sehen unsere liebgewonnene Heldin vor Schmerz brüllen, weil sie gerade von einem Irren anal missbraucht wird“, und eine Minute später wieder „haha, jetzt benutzt sie den Zombie als Packesel für ihre Vorräte“.

Wie du immer sagst – Standards (wie in diesem Fall: drehst du eine Komödie, lass brutale Vergewaltigungen und Selbstverbrennungen lieber weg) gibt es, weil sie funktionieren, und deshalb ist es nicht per se gut, diese unterlaufen zu wollen. Kann funktionieren, muss aber nicht. Hier funktioniert es nicht. Finde ich. YMMV.

flippah
flippah

Woran macht ihr fest, dass die beide noch nichts von der Zombie-Apokalypse wissen?
Sie sind ja auf dem Weg zu einem Evakuierungs-Treffpunkt. Ich würde das eher so verstehen, dass sie wissen, dass die Zombies rumlaufen, aber dies eben der erste ist, den sie tatsächlich sehen.

Dr. Acula

Türlich wissen die von der Zombieapokalypse. Der opening shot zeigt ja deutlich genug, dass Vegas (woher Molly und ihr Freund kommen) brennt…

Marcus
Marcus

„Macht keinen Unterschied, aber kann es sein, dass du das da rein interpretiert hast?“

Naja, nach vorne gebeugt, von hinten, sie schreit… den rechtsmedizinischen Befund kenn ich nicht, aber *viel* muss man nicht reininterpretieren. Nicht, dass es eine große Rolle spielen würde…

Dr. Acula

You have heard of something like „doggystyle“? 😉