Frankreich/Belgien 2017. Regie: David Moreau. Darsteller: Sofia Lesaffre, Stéphane Bak, Jean-Stan Du Pac, Paul Scarfoglio, Kim Lockhart, Thomas Doret

Offizielle Synopsis: Und auf einmal ist Leila ganz allein … Gerade noch hat sie auf dem Rummelplatz die Übergriffe der Schulbullys hinter sich gelassen. Nun findet sie sich verlassen in den menschenleeren Straßen der französischen Großstadt Fortville wieder. Selbst ihr komatöser Bruder ist aus dem Krankenhausbett verschwunden! Wo sind die 500.000 Einwohner so plötzlich hin? Evakuiert? Unwahrscheinlich. Von einer Seuche dahin gerafft? Dann müssten überall Leichen herumliegen. Bevor sie beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln, trifft Leila auf vier weitere Gestrandete, unter ihnen der Milliardärssprössling Yvan und der Kleinganove Dodji. Der ungleiche Trupp macht sich auf, das Geheimnis der verlassenen Stadt zu ergründen. Und das des maskierten Attentäters, der mit Flugdrohne, Messer und Armbrust Jagd auf sie macht … Und dann kommt der Nebel.

Kritik: Eigentlich ist es erschütternd, dass viele der besseren Beiträge des FFF mittlerweile aus dem viel gescholtenen Young Adult-Milieu kommen (Hunger Games, The Descendant, Maze Runner). Vermutlich hat es damit zu tun, dass diese Filme konzeptionell gehalten sind, interessante Szenarien zu entwerfen, ihre Protagonisten vor scheinbar unlösbare Aufgaben zu stellen. Es geht immer um die ganze Welt(sicht), nicht um Kleinklein in einer Waldhütte oder einem Vorstadt-Häuschen. „Robot Overlords“ ist ein schönes Beispiel, dass dieses Genre auch ohne Mega-Budgets funktionieren kann, „Don’t grow up“ schlägt in die gleiche Kerbe. Es sind die ganz großen Fragen, die hier die Spannung generieren: Was ist, wenn alle Menschen plötzlich verschwunden sind? Was ist, wenn ich auserwählt bin? Was ist, wenn mein gesamtes Leben nur externes Konstrukt ist, dem ich nicht entfliehen kann?

In diesem Kontext ist „Alone“ so typisch wie gelungen. Hauptfigur Leila wird zügig etabliert, nach zehn Minuten ist die Apokalypse da, die ersten Mitstreiter werden gefunden, der Antagonist wird gesetzt, die Parameter der neuen Welt erforscht. Bilder menschenleerer Städte gehen immer, der Reiz des Weltendes ist ungebrochen. Nicht nur der Nebel als „natürliche Grenze“ erinnert an „After“ von 2012. Wir ahnen, dass die Antworten, die unsere Protagonisten finden können, nicht erfreulich sein werden.

Leider stolpert „Alone“ auch genau da, wo „After“ gestolpert ist und wo ich meine Kritik an solchen High Concept-Filmen gerne ansetze: Es ist leicht, eine spannende Frage zu stellen. Aber man sollte auch eine befriedigende Antwort haben. Und die Antwort auf das Mysterium von „Alone“ ist zwar optisch interessant und philosophisch provokant, aber unbefriedigend und teilweise nicht durch die vorherigen Ereignisse gedeckt. Das passt nicht zusammen, wirkt eher wie der Versuch, den Zuschauer mehr durch Überraschung in den Nachspann zu hieven als durch Überzeugung.

Trotzdem bleiben interessante Bilder, ein exzellenter Cast und eine straffe Inszenierung beim Zuschauer hängen – und dafür bin ich allemal dankbarer als für irgendwelche abgehackten Körperteile in entlegenen Waldhütten.

Fazit: Sauber durch deklinierte YA-Fantasy, die viel aus ihren begrenzten Möglichkeiten macht und die einen Punkt mehr bekommt, wenn eine Fortsetzung das zu vage Ende aufgreift und plausibel erklärt. Bis dahin 7 von 10.

Shriek of the Nowak-Yeti:

„Französische Young-Adult-Variante eines eigentlich auch sattsam bekannten Szenarios, das auch den offensichtlichsten aller „Twists“ bemüht, diesen aber so konsequent wie zumindest von mir noch nicht gesehen durchzieht und dabei auch wirklich packend inszeniert ist. 8 von 10.“



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mmMedienjunkieMarcus Recent comment authors
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Marcus
Marcus

Abermals alles richtig erklärt. 8/10.

Medienjunkie

Sollte man vielleicht noch erwähnen, dass das die Verfilmung der (sehr gelungenen) Comicserie „Allein“ ist, die auf Deutsch beim Piredda Verlag erscheint.