USA/Spanien 2016. Regie: Carles Torrens. Darsteller: Ksenia Solo, Jennette McCurdy, Dominic Monaghan, Nathan Parsons

Offizielle Synopsis: Seth ist vom Leben nicht gerade verwöhnt: Der scheue Außenseiter hat kaum soziale Kontakte und einen trostlosen Job im örtlichen Tierheim. Die zufällige Begegnung mit seiner alten Highschool-Flamme Holly reißt ihn eines Tages aus seiner Lethargie. Hoffnungsvoll beginnt er ihr den Hof zu machen, bekommt aber wie immer eine Abfuhr. Doch dank Hollys Tagebuch, das er heimlich an sich bringen konnte, keimt in dem Verschmähten bald eine hinterhältige Idee: Er entführt die Angebetete in einen Stahlkäfig im Untergeschoss des Tierheims. Statt der gewünschten Widerspenstigen Zähmung beginnt sich allerdings zwischen den zwei ein perverses psychologisches Verwirrspiel zu entspinnen, dessen Ausgang ungewiss ist.

Kritik: Auch wenn ich mit dem Ergebnis des Films nicht zufrieden bin, ist es klasse, dass „Pet“ auf dem Festival programmiert wurde. Ich habe ja schon öfters erwähnt, dass es Spaß macht, Filme im Kontext zu sehen, vergleichen zu können. Und „Pet“ kann man eigentlich nicht besprechen, ohne „Berlin Syndrome“ vom Vortag zu erwähnen.

Ihr erinnert euch, dass ich dem australisch-deutschen Beitrag Fehler und Längen vorgeworfen habe, aber am Ende den Versuch lobe, das Subgenre des Folterfilms etwas vielschichtiger und komplexer zu bauen als üblich? „Pet“ ist so ziemlich das exakte Gegenteil. Mit gerade mal 94 Minuten bleibt er zeitlich im Rahmen, präsentiert zwei sehr professionelle Schauspieler gut in Form und weiß exakt, wie man nach amerikanischen Standards takten muss: Einführung der Figuren, Setup des Konflikts, Eskalation zum Ende des ersten Akts – man kann förmlich die Checklisten des Dramaturgie-Semesters an der UCLA im Hintergrund durchscheinen sehen.

Versteht mich nicht falsch: Das ist alles auch richtig so. Diese Standards existieren, weil sie funktionieren. „Pet“ ist in keiner Minute langweilig, die Konflikte sind plausibel, die Suspense ist greifbar. Aber wir sind mit den Mechanismen dieser Sorte Filme derart vertraut, dass uns kaum noch in Wallung versetzen können. Die Checkliste ist längst nicht nur auf der Leinwand, sondern auch in unserem Kopf. Wir sind wie der Pilot, der vor dem Start mit seinem Kopilot spricht: „Kindheitstrauma? Check. Arschlöchriger Ex als Hindernis? Check. Misstrauischer Kollege? Check. Fäkalekel? Check.“

Es gibt noch andere Subgenres, die nach fast 30 Jahren FFF bis zu einem gewissen Grad „durch“ sind. Das meist zitierte Beispiel ist sicher die Gruppe von jungen Leuten, die für ein Wochenende weit weg fährt, um Party zu machen. Das kann man gerne versuchen, aber dann sollte man diesem ausgelutschten Konzept wenigstens einen neuen Aspekt hinzu fügen können. „Pet“ tut das nicht, er verbleibt inhaltlich wie formell strikt Standard. Und dazu gehört auch der etwas zu überdrehte Twist – weil die Umkehrung der Machtverhältnisse wieder nur ein erwartbares Klischee ist.

Am Ende musste ich konstatieren, dass ein Film, der nichts wirklich falsch macht, deswegen nicht notwendigerweise alles richtig macht. Ich bin der „Dienst nach Vorschrift“-B-Movies ein bisschen müde – aber das ist vermutlich mehr mein Problem als das von „Pet“ und daher muss jeder für sich selbst entscheiden, wo seine Toleranzschwelle für diese Sorte Dutzendware liegt.

Fazit: Ein nach den Standards des Folterthrillers gedrehter B-Film mit solidem Cast, solidem Budget, solider Regie und einem Twist, der zwar etwas Fahrt in die zweite Hälfte bringt, aber die Story auch komplett in die Absurdität kippen lässt. 5 von 10.

Shriek of the Nowak-Yeti:

„Noch eine Variation des captive-women-Thrillers. Routiniert gearbeiteter Genrevertreter mit einem gut aufgelegten Monaghan und einem sauberen, aber nicht immer glaubwürdigen Twist. Kein Film für Hundefreunde. 6 von 10“.

P.S.: Es ist interessant zu sehen, dass die 5 emotional erschütterndsten Minuten gleich zu Beginn des Films zu sehen sind, wenn wir die Tiere in ihren Käfigen sehen und eine brave Schäferhündin eingeschläfert wird. Wen so etwas runterzieht, der sollte vorspulen.



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Marcus
Marcus

What he said. Ein halbwegs kompetenter Festival-Zählkandidat, den man schnell wieder vergessen haben wird. 5/10.

Heino
Heino

Yep, der war bestenfalls routiniert und genau deswegen auch recht öde. Monaghan sollte mal den Agenten wechseln.

Stuckimann
Stuckimann

Dominic Monaghan? Na, wenigstens spielt das Ganze nicht auf einer Insel.

Thies
Thies

Mich erinnerte das Szenario schon von der Beschreibung her so stark an „Der Fänger“ von William Wyler, dass ich passen musste. Es liest sich nicht so, als ob den Machern etwas neues dazu eingefallen wäre.