1000 Teile. Zusammengerechnet ungefähr zehn Stunden:

Ehrlich gesagt war das eine Idee der LvA gewesen, der ich mich nur stillschweigend kritisch angeschlossen hatte. Puzzeln, echt jetzt? So mit kleinen Pappteilen und stundenlangem starren und… na ja, puzzeln? Da widersprach allen meinen Neigungen zum digitalen Entertainment und zur schnellen Entspannung. Oldschool wie Märklin-Eisenbahnen und Canasta.

Aber was soll ich sagen? Es ist erstaunlich zen, man ist schnell „in the zone“, das Auge konzentriert auf dem Motiv, das Puzzleteil nachdenklich in den Finger rotierend. Kleine Lichtquelle unten rechts über rosa Fleck, leicht unscharf? Vielleicht das Ausflugsboot am Pier oder doch eher ein Schaufenster am Souvenirladen hinter der Brücke? Und dann: a-HA! Da isses doch. Und zack!

Puzzeln ist kontemplative Konzentration, unterbrochen von kleinen Siegen. Damit ist es Casual Games wie „4 Bilder 1 Wort“ und „Bookworm deluxe“ gar nicht so unähnlich.

Wir puzzeln auf dem Esstisch, bei leiser Musik. Nach jeder Sitzung wird das Puzzle mit einer Tischdecke abgedeckt – wir haben schließlich Katzen und 1000 neue Spielzeuge zum Kauen und Rumschleppen wären genau das, was die gerne hätten.

Tatsächlich kann man Accessoires für Puzzle-Fanatiker bestellen, z.B. rutschfeste Matten, mit denen man das halbfertige Puzzle zur Nacht einrollen kann. Ich frage mich, ob es wohl Extrempuzzler mit eigenem Vokabular gibt: „Ich habe hier einen Top 3 mit Abschrägung für Planquadrat B4“. Sind die wie SF-Freaks und Otaku?

Wir stellen fest, dass es hilfreich ist, ein abwechslungsreiches Motiv mit vielen Farben zu haben. Da lassen sich die Teile gut unterscheiden. Echte Puzzlefanatiker finden das natürlich zu simpel – die üben sich an so etwas:

Tageslicht ist übrigens jeder Lampe vorzuziehen, weil es weniger Reflektionen auf den Teilen verursacht. Schwierig wird es, als wir gegen Schluss nur noch den Himmel zusammenfügen müssen. Alle Teile im gleichen Blauton. Da hilft kein scharfer Blick mehr, da kann man nur noch probieren, probieren, probieren. Das ist für mich eine brutale Geduldsprobe. Tumbe, mechanische Arbeiten sind nicht meins.

Nächste Hürde: Eine Stunde vor Finish zählen wir durch. Noch 42 freie Stellen auf dem Motiv – und 41 Teile daneben. Latente Panik. Doch die Katzen? Oder hat die Putzfrau was eingesaugt? Ein Puzzle, bei dem ein Teil fehlt, ist nicht fertig. „Digital wäre das nicht passiert“, knurre ich und lasse mich breitschlagen, tatsächlich den Beutel des Staubsaugers aufzuschneiden und den Inhalt zu durchwühlen. Eine Staublunge später sind wir immer noch nicht schlauer oder komplett. Meine LvA lässt frustriert den Blick durchs Zimmer streifen, auf dem arabischen Teppich bleibt er hängen: „DA LIEGT’S!!!“

Ein letztes Mal – und zack! Motiv fertig. London bei Nacht.

Wir hatten uns vorher geeinigt, dass wir das Puzzle nach der Fertigstellung wieder zerbröseln, in die Packung stecken und verschenken. Auf Pappe kleben und an die Wand hängen wäre ja albern, wir sind schließlich nicht mehr in den 70ern. Aber jetzt bringen wir es nicht über uns. Es ist doch so toll – WIR sind doch so toll. Also bleibt es erstmal da liegen, zumindest bis wir das nächste Puzzle angehen.

Ja genau, das nächste Puzzle. Wir sind „hooked“. Und ihr werdet euch künftig immer die Ergebnisse anschauen müssen. Damit es sich für uns doppelt lohnt.

Gibt es unter meinen Lesern eigentlich Puzzlefreunde?

 



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DJ Doena
DJ Doena

Ultimate challenge: Rückseitenpuzzeln.

Jojo
Jojo

Gepuzzelt wird bei uns nur als Konzentrationsübung für den Herrn Sohn (8 Jahre). Ich helfe zu Beginn, die Randteile rauszusuchen, dann sitze ich lesend daneben. Das reicht mir an Puzzle.

iTdee
iTdee

Wir sind gerade hierbei: Ravensburger 16607 – Wasserfälle von Iguazu
…kniffelig wegen des ganzen Wassers.

Wenn man Platz hat: Ravensburger 17826 – Unvergessliche Disney Momente
oder auch: Educa – Das Leben
…für den leichten Einstieg ^^

AlphaOrange
AlphaOrange

Hehe, das Remember-Puzzle (das Labyrinth) hab ich tatsächlich – es puzzelt sich in der Tat völlig anders als etwa Fotomotive. Eher so als würde man Barcodes abgleichen. Muss man mögen, sonst wird das nichts. Wollte es mir damals auch an die Wand hängen, aber es liegt mit einer ersten Schicht schlechten Puzzlelacks, der mehr Staub gezogen als Teile stabilisiert hat immer noch irgendwo unter nem Sofa rum.

Ist auch noch eines der einfacheren aus der Kollektion. Habe ein zweites mit sehr großen einfarbigen Flächen, das kann schon frustrieren, wenn man ständig einen Haufen Teile hat, die allesamt gleich aussehen, aber einfach nicht passen wollen.

Ungepuzzelt liegt hier noch ein Fotomotiv mit Fluoreszenz-Effekt. Nachdem ich feststellte, dass man schon viel Phantasie braucht, um sich bei Dunkelheit einzubilden, die Teile würden tatsächlich leuchten, hab ich irgendwie die Motivation verloren.

testkaninchen
testkaninchen

Ravensburger Krypt Silber (15964)

https://goo.gl/images/jYr8oT

Kaio
Kaio

Ich puzzelle auch sehr gerne. Für außenstehende ultra spießig, aber es ist halt wirklich sehr entspannend und man kann auch schön dabei nen Podcast oder ähnliches laufen lassen. 1000er Puzzle sind mir mittlerweile fast zu schnell durch, da tendiere ich dann eher zu 3000ern. Die werden dann aber garantiert irgendwo an die Wand gehängt, wenn kein Platz dafür da ist wirds gar nicht erst angefangen. Weil die Arbeit von einigen Wochen will keiner wieder kaputt machen.

Das einzige was mich immer wieder frustriert ist die Motivauswahl der Hersteller. Gute Motive muss man wirklich suchen, gefühlt 90% des Angebots sind zu Tode gephotoshoppte Tiere oder ähnlicher Kitsch. Ich glaube da stammt auch ein guter Teil des miesen Rufes her… Mein Lieblingsmotiv: Ravensburger – Das Bombardement von Algier. Die 3000er Fassung, für die 9000er hab ich leider keinen Platz (und genug Mut) gefunden.

invincible warrior
invincible warrior

Ich bevorzuge da doch lieber meine Lego Sammlung, damit kann ich auch nach belieben mit spielen, nimmt nur weit mehr Platz ein. Aber immerhin ist die Wertsteigerung gegeben. Hat jedenfalls aehnliche Effekte, man kann aber auch mal nach belieben etwas aendern, muss ja nicht immer alles genau nach Anleitung gemacht werden.

Christian Siegel
Christian Siegel

Habe ich früher irrsinnig gern gemacht. Gibt neben Landschaftsaufnahmen auch immer wieder tolle popkulturelle Motive, z.B. nach der Jahrtausendwende ein paar klasse – auch ungewöhnliche (zwei Ebenen, oder in Form von Gandalf) – Puzzles zu Herr der Ringe. Leider bietet meine Wohnung nicht genug Platz, um dauerhaft einen Tisch entbehren zu können – zumal ich dein Katzen-Problem teile – und ich nicht der Marathon-Puzzler bin, der das alles dann gleich in einer Sitzung fertig macht. Ich ziehe das in so 30-60-minütigen Einheiten vor, mal zur kurzen Zerstreuung und zum Abschalten zwischendurch. Hoffe, ich bekomme dafür bald wieder mal Gelegenheit, weil jetzt wo du das so postest, fällt mir auf, es fehlt mir schon irgendwie :-/.

Kai
Kai

Ja, hier, mit.

Am liebsten 3000er, als maximal mögliche (praktikable) Größe. ich träume ja von dem Ravensburger 17837 – New York City Window mit lumpischen 32.000 Teilen (5×2 Meter), aber dazu muss ich erst mal den Saal im Westflügel ausbauen (oder einen Westflügel haben)…

Und ja, der Anteil an kitschigen Motiven, selbst bei Ravensburger, ist extrem. Wuhaaa!

Martin Däniken
Martin Däniken

Wenns ne Untersuchung zum Kalorienverbrauch gibt,könnte man ja einen neuen Trend anstossen:
Die Puzzle-Diät!

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