Am Wochenende habe ich in München anderthalb Kronen gelassen. Kurioserweise beim Versuch, einen Käsekuchen zu essen. Ärgerlich.

Am Dienstag: Anruf bei einem Implantats-Spezialisten in Baden-Baden, um die Reparatur der Kauleiste zu vereinbaren. Nach dem zweiten Klingeln bemerkt, dass laut Webseite gerade Mittagspause in der Praxis ist. Aufgelegt.

Fünf Minuten später. Mein Telefon klingelt. Es ist nicht nur die Praxis – es ist der Zahnarzt höchstselbst. Er fragt, warum ich angerufen habe. Ich erkläre kurz, dass ich mich in meine Keramik-Bestandteile auflöse und dem Zerfall gerne Einhalt gebieten möchte.

Er fragt nicht, ob ich privat oder gesetzlich krankenversichert bin. Er sucht nicht lange in seinem Kalender herum: „Können Sie gleich mal kommen? So gegen 14.45 Uhr?“

Ich wähne mich in einem Streich der Versteckten Kamera, will aber kein Risiko eingehen und sage zu. Eine Stunde später sitze ich im Behandlungsstuhl. Als ich meine generelle Abneigung gegen Dentalarbeiten und einen bevorstehenden Urlaub erwähne, sagt der gute Onkel Doktor: „Wenn das so ist, könnten wir auch diverse Termine jetzt in einem Rutsch machen, dann haben Sie weniger Ärger.“

Während er werkelt, plaudert er entspannt mit mir in genau der richtigen Frequenz, um mich abzulenken. Er erzählt von einem Kollegen in Schwabing und davon, dass meine Provisorien dann ja auf eine echt weite Reise gehen – erst neulich habe ein Patient mit den temporären Zähnen einen Trip durch Kanada angetreten. Wir besprechen den Aufbau meiner Kronen und ihre Farbe.

Zwei Stunden später sind die Kronenreste entfernt, die Stümpfe neu geschliffen, minimaler Karies ausgebohrt, das Zahnfleisch gelockert, die Provisorien eingesetzt und die Abdrücke für die neuen Kronen auf dem Weg zum Labor.

Ich werde nie gerne zum Zahnarzt gehen. Aber zu dem hier gehe ich künftig erheblich weniger ungern.



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Dietmar

Warst Du bei meinem Zahnarzt? 🙂

S-Man
S-Man

Hmm… Baden-Baden ist jetzt nicht sooo weit weg, oder?