Kurz das Szenario: Markus Haage, Herausgeber des Zombie-Magazins mit Ambitionen zum DVD/Blu-ray-Vertreiber, verkündet auf Facebook:

„Falls wem langweilig ist: David Cronenbergs Kult-Horror „Die Brut“ (1979) ist in HD und uncut (und legal) auf YouTube gratis abrufbar. Wer ihn nicht kennt, kann eine Bildungslücke schließen.“

Dazu der Link:

Das stößt Daniel Peree von Wicked Vision auf, selbst Magazin-Macher und Scheiben-Vermarkter:

„Anstelle die physischen Medien zu supporten, wie es eigentlich alle Magazine tun, supportet DER ZOMBIE lieber fucking YouTube-Videos! Da sagen wir doch einfach mal Danke Markus Haage“

Schnell entspannt sich ein Streitgespräch, in dem auch viele Leser und Zuschauer Partei ergreifen. Der groben Übersicht nach halten sich die Kommentare die Waage: Natürlich sollten klassische Medien, an denen kleine Anbieter ein paar Kröten verdienen, supported werden. Andererseits: Der Stream ist vollkommen legal und niemandem kann vorgeworfen werden, wenn er sich entscheidet, eben NICHT für die DVD von Cronenbergs Frühwerk in den Müller Drogeriemarkt zu latschen.

Ich selber halte mich wegen erwiesener Heuchelei da raus: einerseits preise ich den Charme des Originalen, andererseits streame ich praktisch alle meine Unterhaltungsware.

Darum gebe ich die Diskussion an euch weiter: wie seht ihr das? Sollte man Scheiben und Heftchen aus Prinzip den Vorzug geben oder ist ein Netflix-Abo nicht schändlicher als ein Mediabook? Macht das Medium die Message? Wäre damit nicht auch zB. der Hinweis auf eine TV-Ausstrahlung ein Verrat an der DVD?



28 “ Promoting virtual media – killing physical media? Ein Streit straight outta Facebook ”

  1. 1

    Ein spannendes und schwieriges Thema. Ich bin auch hin und her gerissen. Bei Serien greife ich immer öfter auf den Stream zurück, gerade bei Filmen jedoch bevorzuge ich die Blu-ray. Warum? Weil ich dann weiß, was ich bekomme. Man kann sich über Schnittfassungen und technische Details informieren. Beim Stream weiß man nie, was man bekommt. Mir ist es nun schon öfter passiert, dass ich bei Amazon Prime seitlich beschnittene Filme vorgesetzt bekommen habe. Wie früher zu seeligen Pan&Scan-Zeiten. Oder Schnittfassungen, woher weiß ich welche ich da wirklich sehe? Da fehlt mir (noch?) die Transparenz. Zudem habe ich meine Lieblinge gerne im Regal stehen… 😉

  2. 2

    Niemand kauft (auch nicht für kleines Geld) irgendwelche obskuren Filme (ausser Markus „der deutsche Stephen King “ Nowak)

    Wenn dann bekommt man diese Leute damit dass sie sich das Teil angucken (gerade wenn es für umme ist) und dann kaufen wenns genehm ist.

    Würde mich nicht wundern wenn demnächst noch ne Schadensersatzklage auf den Haage zukommt 😉

  3. 3

    Geht doch nichts über lokale Kopien. Ob dies nun Stream-Mitschnitte auf dem NAS sind oder physikalische DVDs ist relativ wurst. Hauptsache ich bin nicht meinem Streaminganbieter ausgeliefert, der irgendwann entscheidet, eine Serie einfach wieder aus dem Angebot zu nehmen.

  4. 4
    Christian Siegel

    Bei einem Film den ich noch nie gesehen habe ziehe ich üblicherweise vor, erstmal einen Stream zu nutzen, bevor ich Geld für ein physikalisches Medium ausgebe. Wenn er mir gefällt, kommt er dann in die Sammlung. Wobei der Link oben auch schon eines der Nachteile mancher Streamingangebote deutlich macht: Keine OV-Option (kommt bei amazon prime leider immer wieder vor). Für mich meist ein K.O.-Kriterium, dass mich bei Filmen, die mich sehr interessieren, erst recht wieder zu DVD oder Blu-Ray greifen lässt (ein entsprechend günstig-vernünftiger Preis vorausgesetzt). Wäre es auch bei anderen Anbietern, wie bei Netflix, Standard dass alles auch in Originalsprache vorliegt, würde ich diese sicherlich noch häufiger nutzen als ich es momentan schon tue.

  5. 5

    Hatte den Film schon länger auf meiner Watchlist. Allerdings hat er mich nicht in dem Maße interessiert, dass ich mir dafür extra die DVD gekauft hätte. Über „dunkle Kanäle“ wollte ich ihn mir aber auch nicht besorgen (mache ich grundsätzlich nicht). Hätte ihn auch gegen Entgelt bei Amazon Video geliehen, dort ist er aber leider nicht verfügbar. Also kam Markus‘ Facebook-Post für mich wie gerufen. Habe den Film gestern Abend auf YouTube gesichtet und deswegen sicher kein schlechtes Gewissen. Welchen Streifen ich mir auf DVD/Blu-ray besorge, entscheide immer noch ich und nicht Herr Peree.

  6. 6

    Ich bin so bequem geworden, DVDs/Blu-Rays erscheinen mir inzwischen geradezu absurd umständlich. Erstmal das Ding suchen, aus der Hülle nehmen, den selten genutzten Player anstecken, Copyright Mist ertragen und dann immer noch drei Mal klicken bis es los geht, oh man…

    Bei Amazon spreche ich den Titel in die Fernbedienung und bin in 10 Sekunden im Vorspann. Bei YouTube dauert es wegen der fehlenden Spracheingabe 30 Sekunden, was ich schon als nervig empfinde, aber man kann ja auf dem Handy suchen.

  7. 7

    Grundsätzlich sehe ich Pro und Contra von physisch gegen Streaming, finds deutlich einfacher, Netflix oder YouTube anzuwerfen statt „mühsam“ die Scheibe zu organisieren und einzulegen.
    Andererseits schauts gut im Regal aus.
    Aber in diesem konkreten Fall seh ichs nicht wirklich ein, warum sich jemand anpflaumen lassen muss, weil er ein kostenloses und legales Angebot wahr nimmt.

  8. 8
    Wolkenfels

    Ich bin weder Sammler noch Cineast. Das heisst ich schaue mir wirklich nur sehr wenig Filme mehrmals an und mir ist die Bild-Qualität zweitrangig, da ich über keinen HighEnd-Fernseher mit SuperDuper Soundanlage verfüge und die Chance groß ist, dass ich mir den Film auch einfach auf meinem Laptop anschaue. Für jemand wie mich ist eine DVD reine Resourcenverschwendung.
    Und man kann den Komfort nicht wegdiskutieren. Ein Stream ist einfach angeworfen und unmittelbar. Das kann eine physikalische Kopie nicht bieten. Bis die überhaupt ins Haus geliefert wurde, hab ich den Streifen schon fast wieder vergessen.
    „Natürlich sollten klassische Medien, an denen kleine Anbieter ein paar Kröten verdienen, supported werden.“ Warum natürlich? Aus Liebhaberei für kleine Anbieter?

  9. 10

    Alle, die sich ernsthaft für Horror/Thriller/Action-Knaller aller Art interessieren, sei ein Gedanke ans Herz gelegt: Streaming ist wunderbar bequem und preisgünstig. ABER – es ist und bleibt eine Seitenauswertung OHNE größere Wertschöpfung für B-Movies.

    All die vielen schönen Perlen, die uns im deutschsprachigen Raum die Leute von 84, Astro, Camera Obscura, CMV, Filmart, TVP, Subkultur, Shock, Turbine, X-Cess, X-Rated, XT u.v.m. in den letzten 20 Jahren ungeschnitten ins Regal gebracht haben, waren nur möglich, weil die physische Auswertung zu einem gewissen Preis überhaupt ermöglicht hat, diese Titel aufzuspüren, abzutasten und in oft wundervollen Editionen bereitzustellen.

    Das Gegenteil davon ist STREAMING, bestenfalls werbe- oder Abo-finanziertes Bereitstellen im Internet.Lizenzen werden da in großen Paketen verkauft. Das bringt weitgehend nur Peanuts ein, all die vielen Schritte, die notwendig sind, um diese seltsamen, abartigen, großartigen Filme ABSEITS der großen Studios zu erhalten (oder gar zu restaurieren), ist damit völlig unmöglich.
    Diese Filme werden mit der Durchsetzung von Streaming mittelfristig schlicht wegfallen und verloren gehen. Allein das Lagern der Filmmaterialien wird schlicht zu teuer werden.

    Und darum gehts dabei, wir werden das Kino, was viele von uns lieben und was nicht zu DIsney und Co. gehört weitgehend verlieren, wenn sich alle angewöhnen, das Film grundsätzlich etwas ist, das immer möglichst gratis nur einen Klick entfernt ist.

  10. 11
    mm
    Torsten Dewi

    @ Wolkenfels: Nun ja, das wurde bereits ausführlich geklärt – bei Streamingdiensten wie dem hier oben werden „nackte“ Lizenzen online gesetzt, während sich kleine Vertreiber bemühen, Filme zu erhalten, zu restaurieren, Extra-Materialien zusammen zu stellen, etc. Da geht es um Kinokultur. Aber wenn du selbst weder „Sammler noch Cineast“ bist, braucht dich das natürlich nicht zu scheren.

  11. 14

    Ich bin DVD-Fan. Nutzt aber nichts: Gibt keinen DVD-Verleih mehr hier und kaufen werde ich mir das Meiste sicher nicht. Also streame ich. Da kriegt man nur den Film, nicht mehr, das ist schade und bringt mich um einen Teil des Vergnügens.

  12. 15

    Ich weiß nicht was diese Diskussion soll, wer will kann sich Silberlinge ins Regal stellen, wer streamen möchte, soll das machen.

    Das hat doch nichts mit Support von irgendwas am Hut. Wenn ein Magazin nur wegen des Silberlings gekauft wird und nciht wegen des Inhalts wegen, dann läuft doch etwas gehörig schief.

    Ich hab im Wohnzimmer um die 1000 DVDs und Blurays stehen, nicht wenige OVP, weil ich entsprechenden Film gestreamt habe und ihn so gut fand, dass ich ihn zuhause stehen haben wollte. Den Großteil ist es mir nicht wert als Rohstoffe gepresst und um die Welt geschippert in zwei Plastikrücken gepackt in die heimische Videosammlung zu stellen.

  13. 16

    @Dietmar: Vielleicht solltest du mal einen der Online-Verleihshops testen. Kann ich sehr empfehlen, da es den Geldbeutel schont und man auf das Bonusmaterial der Scheiben (wenn vorhanden) trotzdem nicht verzichten muss.

  14. 17
    Kastanie

    Meine bescheidene Meinung: beide haben recht. Allerdings bin ich mehr auf der Seite der Streamer. Denn die Zeit ist stetig im Wandel und Streaming ist Gegenwart und erst recht die Zukunft. Dasselbe Phänomen findet ja auch im Musikbereich statt. Physische Medien wird es immer geben, aber es wird immer weniger werden und es werden irgendwann (vielleicht sogar schon jetzt) Objekte für den Romantiker/Liebhaber sein, nicht aber für die breite Masse. Kleine Labels, die liebevoll Klassiker und obskure Nischenware aufbereiten und auf eine Disc pressen in allen Ehren, das geht dem Mainstream aber gepflegt am Allerwertesten vorbei.
    Ich kann mir vorstellen, dass es so kommen wird wie mit der Vinyl: physikalische Medien werden ein Nischenprodukt werden, aber zumindest ein stabiles, da die Liebhaber dieser Dinge nicht aussterben. Und ich finde, das ist keine schlechte Aussicht.

  15. 18

    @Kastanie: Der Unterschied bei der Musik ist aber, dass man diese digital kaufen kann – also am Ende eine eigenverwaltete Datei auf dem Rechner hat. Zumindest wenn man bei iTunes oder Amazon kauft.

    Wenn man nicht gerade auf Booklets steht ist der Unterschied zur CD dann wirklich nicht vorhanden.

    Wenn ich nur eine Streaminglizenz habe, kann mir auch bei Musik irgendwann der Hahn zugedreht werden.

  16. 19

    So sehr ich den Haage für einen Doofi halte („Die Inszenierung von „The Amazing Spider-Man 2″ ist meisterhaft.“), ich sehe nicht, was es den Herrn Peree angeht, worauf dieser bei Facebook verlinkt und worauf nicht. Gibt es eine geheime Abmachung, dass die Mediabook-Variante primär gefeatured werden muss? Wenn nicht, dann hat er still zu sein. Das Streaming-Angebot ist legal. Ich rieche da nur die Angst heraus, womöglich zwei Exemplare weniger zu verticken, was aber Schwachsinn ist, denn es gibt ja quasi nur zwei Szenarien: entweder, der potentielle Kunde kennt den Film bereits und ist an dem Stream nicht interessiert und kauft entweder das Mediabook oder kauft es nicht, weil zu teuer. Oder der potentielle Kunde kennt den Film nicht, schaut ihn legal im Netz und entscheidet sich hinterher entweder eine physische Kopie zu kaufen oder nicht. In beiden Fällen entsteht ihm kein Schaden (und selbst wenn, wäre es auch noch wurscht, weil der Haage ja nicht sein Zuträger ist). Period.

  17. 21

    Oder nochmal anders gefragt: wo ist der Unterschied, ob ich „Die Brut“ streame, oder mein altes Verleih-Tape in den Rekorder schmeiße? Hat der Herr Peree da auch etwas dagegen, weil ich nicht vorhabe, für 30€+ auf DVD/Blu-ray upzudaten? (Bei ’ner normalen Kaufhaus-Version für 10-15€ könnte man darüber nachdenken.)

  18. 22

    @Kastanie: „Du kannst Filme auch digital kaufen, wenn dir Streams nicht zusagen. Siehe Amazon.“

    Aber hat man den Film dann auch als eigenverwaltete Datei auf dem Rechner? Ich glaube nicht. Habe mir bei Amazon noch nie einen Film digital gekauft, aber ich würde vermuten, dass man da eher eine Streaminglizenz erwirbt mit der Option, den Film auf bestimmte Geräte (z.B. Kindle Fire) herunterzuladen und offline zu gucken. Das wäre dann aber nicht mit käuflich erworbenen mp3-Dateien vergleichbar, die ich uneingeschränkt auf jeden PC/Datenträger kopieren und sogar brennen kann.

  19. 23
    Markus Haage

    Auch wenn es etwas redundant ist, aber damit dies nicht missverstanden wird: Ich habe auf der Facebook-Seite meines Magazins auf einen legalen Streaminglink (durch Werbeunterbrechungen finanziert) von Netzkino auf YouTube hingewiesen. Netzkino existiert bereits seit mehr als sieben Jahren und erwirbt vom jeweiligen Urheber/Lizenzgeber die Streamingrechte. In der Regel ist dies zeitlich begrenzt. Netzkino bietet vom Prinzip her exakt dasselbe an, was die Mediatheken von ARD, ZDF oder RTL auch anbieten.

    Wir posten immer mal wieder Links zu legalen Streams. Manchmal zu einzelnen Filmen (bspw. via Netzkino auf YouTube) oder aber eben zu den großen Anbietern wie Netflix oder Amazon. Auch haben wir auf den legalen Stream zu „Enemy“ auf Spiegel Online hingewiesen. Streams gehören zu einer modernen Filmkultur dazu. Dies muss man nicht mögen, aber ich denke schon, dass man es anerkennen sollte. Hier die Waage zu halten, ist als neutraler Berichterstatter nicht immer einfach, aber ich glaube, dass es uns dennoch ganz gut gelingt. Man kann immer mal wieder auf einen einzelnen Posting hinweisen (wie in diesem Fall) und diesen unverhältnismäßig hervorheben. Aber grundsätzlich berichten wir über und bewerben physische Datenträger hin. Dies kann man ja auch recht einfach auf unserer FB-Seite oder im Print-Magazin erkennen. Die Frage wäre also vielleicht nur die Verhältnismäßigkeit (Datenträger/Stream) und da überwiegen bei uns ganz eindeutig die physischen Datenträger. In den letzten 3 1/2 Jahren haben wir bspw. insgesamt sieben Mal auf Angebote von Netzkino hingewiesen. Das war’s.

    Die Vorwürfe in dem Posting („… , supportet DER ZOMBIE lieber fucking YouTube-Videos!“) sind haltlos. Und auch etwas ignorant. Ja, es ist YouTube. Aber damit suggeriert man vielleicht auch, dass YouTube eben nur eine Plattform wäre, auf denen User schwammige Handyvideos posten. Diese Zeiten sind schon sehr, sehr lange vorbei. Bedeutende journalistische Inhalte sind dort zu finden, genauso wie multimediale Kunstprojekte. Auch YouTube kooperiert mit den großen Filmstudios und Vertrieben und bietet gegen Bezahlung Streams an. „Doctor Strange“ für 3,99 Euro oder „Full Metal Jacket“ für 2,99 Euro: https://www.youtube.com/channel/UClgRkhTL3_hImCAmdLfDE4g

    Wir haben auf der einen Seite eine überdurchschnittlich junge, aber natürlich auch aufgrund der Thematik eine bedeutende ältere Leserschaft. Und darum geht es mir letztlich, eben beide Seiten zusammenzubringen. Nicht nur beim Filmgeschmack, sondern auch beim Medienkonsum. Da wird es immer Kompromisse geben. Und ja, wir können es im Einzelfall nicht immer jeden recht machen.

    Wahrscheinlich gab es solche Grundsatzdebatten schon immer. Übrigens auch außerhalb der Filmbranche. Gehe ich in den Supermarkt, wo ich Milch, Fleisch, Fisch, Brot und Gemüse aus dem Kühlregal kriege? Oder marschiere ich durch die Innenstadt und kaufe einzeln im Fachhandel ein, bei den „Food-Liebhabern“, eben beim Käsehändler, bei der Bäckerei, im Fischladen, der Metzgerei und auf dem Wochenmarkt ein?
    Als der Videoboom (oder von mir aus auch das Fernsehen) losging, haben die „alten Hasen“ damals wahrscheinlich auch das Kino als einzige legitime Distributionsfläche angesehen. 35mm anstatt Magnetband, Leinwand anstatt Röhre! Kino ist großartig, keine Frage. Aber am Ende hat das Video das Kino auch nicht klein gekriegt. Dies gilt sogar für kleine Programmkinos: http://www.deutschlandfunk.de/trendwende-bei-filmtheatern-das-kino-ist-einer-der.807.de.html?dram:article_id=363837

    Drop-Out-Cinema, die deutschlandweit ein „kollektives Programmkino“ anbieten, nutzen übrigens auch Streams für ihre Filme, um mehr Zuschauer zu generieren. Ihre Dokumentation „Projekt A“ findet sich im GooglePlaystore als auch im Programmkino oder auf DVD und Blu-ray wieder. Dies alles widerspricht sich nicht.

    Und sind wir mal ehrlich: Wo haben denn die meisten Genrefans Filme wie „Tanz der Teufel“, „Über dem Jenseits“, „Die Brut“ oder „Halloween“ das erste Mal gesehen? Sicherlich auf Video, ein Medium, dem man vorwarf, das Kinoerlebnis zu zerstören. Und wie oft gab es gemeinsame Filmabende mit zwei, drei, vier Kumpels, wo man sich die Verleihgebühr teilte oder ein Freund die Kassette mitbrachte?

    Derzeit muss die Filmzeitschrift Cinema sich von (wohl kleinen) Teilen der Leserschaft auch Vorwürfe anhören, warum sie in ihrer Berichterstattung auf den Content von bspw. Netflix eingeht, wenn die Cinema sich doch als eine Kinozeitschrift verstehen würde. Ganz einfach: weil Netflix bedeutende Filme und Serien produziert. Darüber nicht zu berichten oder darauf nicht hinzuweisen, würde ich für ignorant und nicht sehr hilfreich halten. Es gehört zur Filmberichterstattung grundsätzlich dazu. Zumal Filme wie „Beasts of No Nation“ (von Netflix) oder „Manchester by the Sea“ (von Amazon) mittlerweile oscarnominiert sind. Sicherlich muss man für Netflix eine (aus meiner Sicht kleine) Gebühr bezahlen. Aber die Streams von Netzkino sind dafür eben wiederum werbefinanziert.

    Dass diese Online-Streams den Markt für Collector’s Editions (wie in diesem einen speziellen Fall) zerstören, halte ich für eine sehr gewagte These. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ausgerechnet ein Sammler sich eine Collector’s Edition nicht kauft, weil es dazu einen legalen Streaming-Link gibt (und nur für diese speziellen Sammler sind diese Editionen gemacht, dies ist die Hauptzielgruppe). Denn die wichtigsten Kaufargumente (Trailer, Making-of, Bildergalerien, Booklet, Dokus, Audiokommentare) bietet der Stream eben NICHT an. Der Stream ist recht nackt. Es ist der Film. Nicht mehr, nicht weniger.
    Ich würde sogar behaupten (ohne dafür allerdings einen Beleg zu haben), dass Cronenbergs Film bspw. durch den genannten Stream mehr Zuschauer gewinnen könnte, weil dieser nun schlichtweg einfacher zugänglicher ist. Und vielleicht wird nun auch der ein oder andere Jungspund nach dem legalen Genuss von „Die Brut“ auf Netzkino jetzt andere Werke von Cronenberg, wie „Scanners“, „Rabid“ oder „Die Fliege“, oder ein Fachbuch über Cronenbergs Filme bestellen. Ich kann hier wirklich nicht erkennen, dass ein nackter Stream irgendwem vom Kauf einer Collector’s Edition abhält, eben weil es zwei komplett unterschiedliche Käufergruppen anspricht. Diese Collector’s Editions richten sich auch an eine verhältnismäßig kleine Käuferschaft. Wir reden hier von einem speziellen Kundenkreis von 600 bis 1400 Käufern. Nur weil Rewe Wein anbietet, werden jetzt die spezialisierten Weinläden ihre Käuferschaft nicht verlieren. Selbst große Horrorklassiker oder Hollywood-Filme besitzen hier nur eine kleine Auflage. Deswegen geben die Vertriebe die Filme ja auch überhaupt erst frei, weil dieser Nischenmarkt für sie oftmals nicht lukrativ genug ist.

    Ironie der Geschichte: Ohne die Digitalisierung wäre es vielen Anbieter wahrscheinlich gar nicht möglich, die Filme gewinnbringend direkt an den Endverkäufer abzugeben (Stichwort: Onlineshops). Die Digitalisierung hat diesen speziellen Nischenmarkt überhaupt erst zum Aufblühen gebracht.

    Man kann sich jetzt lange darüber streiten, ob wir in diesem einen speziellen Fall ausdrücklich auf die Collector’s Edition zusätzlich hätten hinweisen müssen. Dann kann man aber wiederum eine Debatte um Unabhängigkeit und Neutralität führen, auch aufgrund der Tatsache, dass es auch noch andere Anbieter gibt, die den Film bspw. als Steelbook vertreiben (Muss man dann der Fairness halber eine Linkliste eines jeden Anbieters einfügen?). Denn am Ende sind auch die Nischenanbieter wirtschaftliche Unternehmen, die in einer gewissen Konkurrenz zueinander stehen und kommerzielle Produkte herstellen. Würde ich auch sklavisch unter wirklich jedem Posting einen Kauflink einfügen, dann würde man einem als Seitenbetreiber vorwerfen, dass man alles „kommerzialisieren“ würde, eben sogar Facebook-Postings (schon öfters passiert). Da kann man als Seitenbetreiber eben oft nur verlieren.

    Sollten Print-Publikationen dann einfordern dürfen, dass jedes Online-Magazin, welches Artikel oder Reviews (somit redaktionelle Inhalte) frei zugänglich auf ihrer Website anbietet, wiederum auf ein Printmagazin hinweist, welches einen ähnlichen Artikel oder eine ähnliche Review in einer aktuellen Ausgabe hat? Ich denke, jeder ist sich darüber bewusst, was für einen immensen Druck der digitale Wandel auf die Printmedien ausübt. Könnte man diesbezüglich nicht eine ähnliche Debatte führen?

    Aber um es abzuschließen: grundsätzlich heben wir physische Datenträger WEITAUS stärker hervor (ich schätze salopp: 90% physische Datenträger, 10% Streams), versuchen aber dennoch beide Welten und unterschiedliche Arten von Filmfans miteinander zu verbinden. Ich sehe da keinerlei Konflikt.

  20. 26

    Ja, natürlich darf man auf legale Streams oder TV-Ausstrahlungen hinweisen, seine alte VHS-Kassette anschauen und moderne Formen des Filmgenusses promoten.

    Man darf aber nicht vergessen, das hinter dem Streaming ein sehr problematischer Wandel steht, der das gesamte Filmgeschäft grundlegend verändern wird. Das gilt zum einen für neue Produktionen aber in erheblichen Maße auch für die alten Sachen. Der gut-laufende Kinomarkt (für Nischenprodukte) und der gigantisch lukrative Videomarkt der 80er/90er haben eben erst zu einer sehr bunten Vielfalt an vor allem Genre-Produktionen geführt. Mit dem Zusammenbruch der Videotheken ist der ehemals wichtigste Markt flöten gegangen. Der VOD-Markt ersetzt in der Wertschöpfung davon nicht mal 10%. DAS ist das eigentliche Problem, da gleichzeitig der Sellthrough/HomeVideo-Markt (also der normale Kaufmarkt) zunehmend massiv einbricht.
    Hier geht’s nicht um die Methode des Filmschauens, die sich immer weiterentwickelt – sondern um die grundsätzliche, schleichende Entwertung der Kunstform Film.

    Das ZOMBIE-Magazin promotet tatsächlich in allererster Linie physische Veröffentlichungen und hat sich natürlich dem gesamten Kult um Heimvideoerfahrung, abseitiges Kino usw verschrieben. Das ist großartig und dafür schätze ich das Magazin sehr. Von diesem Kulturphänomen in der Form wird in 20 Jahren nichts mehr übrig sein als nostalgische Erinnerungen.
    Vor diesem Hintergrund wäre es zumindest toll, wenn bei Streaming-Tips immer auch die physische Alternative genannt wird – damit es sie vielleicht auch übermorgen noch neben der Schallplattenecke für Senioren gibt. 😉

  21. 28
    Rudi Ratlos

    Finde den Ansatz, den im Stream gesehenen Film später physisch zu erwerben am charmantesten – Blindkäufe sind bei 25€-30€-VÖs wohl auch eher nicht die Regel.

    Grundsätzlich tendiere ich als früherer Die-Hard-Physisch-Käufer dank Amazon & Netflix immer mehr zum Streaming-Fan. Dank Offline-Modus auf Reisen mit dem Tablet bequemer als mit dem dicken 17″-Notebook und gerade bei Serien schaue ich mir 99% nur noch via Stream an und kaufe sie gar nicht mehr (Ausnahmen wie GoT bestätigen die Regel, aber im Gegensatz zu früher muss man sich halt nicht mehr die üblichen Procedural-Serien ins Regal stellen sondern kann sich sein eigenes Fernsehprogramm basteln und einmalige Sichtung reicht bei den Dingern zumeist).

    Der von Mr. Fox angesprochene Punkt der fehlenden Vielfalt steht natürlich im Raum, aber auch heute gibt es noch viele „Direct-to-Video“-Produktionen mit A – Z – Stars, vielleicht auch WEIL man sie ganz gut zum Auffüllen eines Lizenzpakets nutzen kann. Der ganz harte Tobak der wilden Videotheken-Zeit ist vielleicht tatsächlich gänzlich verschwunden, aber den obskuren Italo-Steinbruch-Endzeit-Produktionen weint doch sicher niemand groß hinterher, oder?! Und kleine Produktionen gibt es dann eben jetzt auf Youtube & Co., da toben sich aufstrebende Filmmacher und welche, die sich dafür halten, ordentlich aus und vom reinen Volumen ist online sogar viel mehr zu bekommen als zur Hochphase des Videobooms (gefühlt).



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