Wir haben zwei bezaubernde Katzen mit ausgesuchten Manieren. Wenn die LvA morgens aus der Tür ist, kriechen die nochmal zu mir ins Bett und nisten sich zwischen meinen Beinen ein. Auch den Rest des Tages verbringen sie bevorzugt so:

Das kann man furchtbar niedlich finden, aber es birgt auch ein furchtbares Problem: Katzen sind nachtaktiv. Besonders Katzen, die den ganzen Tag über leise vor sich hin geschnorfelt haben. Der Trigger für Becky und Rufus ist dann auch meistens die Tatsache, dass wir uns bettfertig machen. Auf einmal sind sie hellwach, kloppen und jagen sich, es wird gefressen und gesoffen, und aus jedem Raum brüllt es begeistert „Ich bin HIER!!! Wo seid IHR???“.

Seufz.

Meistens entladen sie sich irgendwann, fallen in ihre Hängematten oder bei uns ins Bett und geben Ruhe. Gerne auch schon mal bis 6 Uhr morgens, wenn zumindest Becky meint, dass man keinesfalls so viel vom Tag verpassen dürfe. Hat man ihrer Quengelei nachgegeben und ist aufgestanden, fällt sie gegen 8 Uhr wieder ins Koma. Rufus legt sich dann dazu, schmatzt und gähnt zufrieden, und macht ebenfalls die Augen zu.

Seufz.

Man kann sich an so etwas gewöhnen. Kinder sind schlimmer, habe ich mir sagen lassen. Passt schon. Aber es ist Rufus, der leider Phasen hat. Die können problematisch werden. Letzten August war er völlig von der Rolle – hat er nicht geschlafen, dann hat er geschrien. Grundlos, aber ausdauernd. Tag und Nacht. Dass so etwas neben der Geduld auch an der Arbeitskraft zehrt, braucht sicher nicht erwähnt zu werden.

Aber er hat sich wieder eingependelt, schläft nun gerne auch mal nachts durch. Vor allem aber: er hat gelernt, dass es ihm nichts bringt, rumzuschreien. Mittlerweile gibt er gewöhnlich nach drei, vier Minuten auf. Das kann man aussitzen.

Die letzten zwei Tage hatte er aber mal wieder eine Phase und musste der Welt lautstark sein unbegründetes Missfallen mitteilen. Dafür setzt er sich in den Flur, damit man ihn auch ja in allen Zimmern gut hören kann. Spielen, bürsten, schmusen? Alles nur eine temporäre Lösung. Er schaut dann immer dankbar und setzt diesen Blick auf: „Das war prima – aber jetzt muss ich wieder in den Flur brüllen gehen. Macht ja sonst keiner.“

Seufz.

Eher durch Zufall haben wir vor ein paar Monaten eine vergleichsweise sanfte Methode gefunden, Rufus nachts ruhig zu stellen: Wenn er üblicherweise gegen Mitternacht (ist er vielleicht eine verhinderte Werkatze?) zu knatschen beginnt, stehe ich schlaftrunken auf und gehe mit meinem Macbook und meinem Kopfkissen unter dem Arm ins Arbeitszimmer. Dort steht ein Gästebett. Wenn ich Rufus reinhole und die Tür schließe, kommt er binnen einer Minute zu mir auf den Brustkorb, lässt sich genüsslich kraulen und robbt dann zum Fußteil, wo er zufrieden einschläft.

Problem gelöst, sollte man meinen.

Leider nein. Wie ihr euch vielleicht erinnert, haben wir ja eine zweite Katze, Becky. Und so sehr es Rufus beruhigt, mit mir im Arbeitszimmer hinter verschlossener Tür zu schmusen, so sehr hasst Becky vor allem eins: verschlossene Türen. Also hat sie sich angewöhnt, nun ihrerseits vor der Arbeitszimmertür zu knatschen und bei Nichterfolg daran auf und ab zu springen. Lasse ich sie herein, ist sie für 15 Minuten zufrieden, schaut sich um, kuschelt mit dem Bruder – und will dann wieder raus. Für 15 Minuten.

Ich habe nun also folgendes Problem: Ist die Tür zu, ist Katze 1 glücklich. Ist die Tür offen, ist Katze 2 glücklich. Binäre Zustände, die sich bedingen und die meiner Nachtruhe nicht förderlich sind.

Es ist jetzt 4.45 Uhr. Und ich habe gerade diesen Beitrag geschrieben.

Seufz.

P.S.: Wenn ich daheim arbeite, möchte Becky so penetrant schmusen, dass sie sich auf meinen Schoß drängt und mein Macbook beiseite schubst. Mittlerweile ist die einfachste Möglichkeit, das Laptop anzuheben und auf die Katze zu stellen. Sie scheint sehr zufrieden damit, als Schreibunterlage fungieren zu dürfen.



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Auch Kater schieben den Blues - Wortvogel - 100 % Torsten DewiKaicomicfreakS-Man Recent comment authors
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S-Man
S-Man

Kommt mir alles seeehr bekannt vor. Und dafür liebe ich den Dicken. Endlich mal was los in der Bude 😉

comicfreak
comicfreak

..Ähnlich wie mit einem Kleinkind.
Aber das wächst sich aus und der Bengel muss mittlerweile das Bad und den Herd putzen 😀

Kai
Kai

Wir hatten früher ähnliche Probleme, und haben die dann etwas rabiat gelöst. Unsere Katzen haben panische Angst vor dem Staubsauger, also haben wir den an einer Funksteckdose angeschlossen und vor die Schlafzimmertüre gestellt.

Sobald jemand mit Jammern, Kratzen, an die Türklinke springen angefangen hat, haben wir den Staubsauger angemacht und die beiden waren panisch am anderen Ende der Wohnung. Das haben wir drei, vier mal gemacht und dann hat die Lernkurve eingesetzt.

Seitdem herrscht nachts Ruhe an der Türe und alle sind glücklich.

Und ja, wir lieben unsere Katzen auch und gehen normalerweise liebevoll miteinander um, aber regelmäßiges Jaulkonzert um drei wollten wir einfach nicht auf Dauer haben.

trackback

[…] schon aufgefallen, dass Rufus sich in den letzten Monaten immer mehr auf mich fixiert hatte. Nachts quengelt er mich ja gerne mal aus dem Bett, weil er ein paar Schmuseminuten allein haben will. Es ist sehr […]